«Zusammen geht es besser»
01.09.2026 LäufelfingenBeat Jans hielt eine Festrede – auch sonst waren viele Politikerinnen und Politiker zugegen
SP-Bundesrat Beat Jans blickte in Läufelfingen auf den Bauernaufstand, den Bau des Hauensteintunnels und den Kampf um das «Läufelfingerli» zurück. Dabei verband er ...
Beat Jans hielt eine Festrede – auch sonst waren viele Politikerinnen und Politiker zugegen
SP-Bundesrat Beat Jans blickte in Läufelfingen auf den Bauernaufstand, den Bau des Hauensteintunnels und den Kampf um das «Läufelfingerli» zurück. Dabei verband er die Dorfgeschichte mit einem Appell für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Janis Erne
Es war eine schöne – und für die Schweiz so typische – Szene: Als Beat Jans neben der Hauptbühne darauf wartete, seine Rede zu halten, begrüsste der Bundesrat spontan zwei Läufelfinger mit einem Händedruck. Die beiden jungen Männer wirkten überrascht, aber auch überaus stolz, von einem Mitglied der Landesregierung bemerkt worden zu sein.
Und auch auf der Bühne war ein aufmerksamer Beat Jans zu sehen – obwohl er zu Beginn das Festmotto durcheinanderbrachte, was für Zwischenrufe und Lacher aus dem Publikum sorgte. Der 62-Jährige ging in seiner mit Humor gespickten Rede auf die Geschichte Läufelfingens ein und spannte mehrmals den Bogen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, der nur dank engagierter Personen funktioniere. «Mein Motto ist: Zusammen geht es besser.» Das gelte nicht nur im Privaten, sondern auch für die Allgemeinheit, so Jans, der die Läufelfinger mit einem Augenzwinkern fragte, weshalb sie ausgerechnet den Basler Bundesrat eingeladen hätten. «Die Beziehungen zwischen Basel und Läufelfingen waren historisch gesehen ja kein Läckerli-Schlecken.» Was er damit meinte: 1653 hängten Basler den Baselbieter Bauernaufstandführer Uli Schad. Ebenfalls hingerichtet wurde damals der Läufelfinger Uli Gysin. Jans: «Fast 400 Jahre gehörte Läufelfingen zu Basel, das seine Untertanen wortwörtlich von oben herab regierte.» Der Bauernaufstand im oberen Homburgertal gipfelte 1798 schliesslich darin, dass Bauern die Homburg in Brand setzten und so die Vögte ein für alle Mal vertrieben: «Läufelfingen brennt», sagte Jans dazu und nahm Bezug auf das Motto der 800-Jahr-Feier.
Auch auf ein zweites historisches Ereignis in Läufelfingen nahm der SP-Bundesrat Bezug: den Bau des Hauensteintunnels, der 1858 nach fünf Jahren fertiggestellt wurde. Hier merkte Jans, der sich jüngst stark gegen die zuwanderungskritische «10-Millionen-Schweiz»-Initiative einsetzte, an, dass der infrastrukturelle Fortschritt in der Schweiz nur dank Gastarbeitern aus dem Ausland, allen voran aus Italien, möglich gewesen sei. Auch Gastarbeiter, die hart geschuftet haben und teilweise bei Bauarbeiten gestorben sind, seien «Teil der Geschichte unseres Landes». Jans appellierte an den Zusammenhalt, der trotz vier Landessprachen funktioniere: «Wir müssen nicht gleich sein, um zusammenzugehören, sondern stets den Kompromiss suchen.» Das dauere zwar manchmal etwas lange, sei für ein Land wie die Schweiz aber der einzige Weg.
Endgültig die Leute auf seiner Seite hatte Jans, als er auf das «Läufelfingerli» zu sprechen kam. Dieses, so Jans, sei mehr als eine Bahnlinie, es sei ein Stück Geschichte, welches das Dorf seit bald 170 Jahren mit der Welt verbinde. Ihn beeindrucke, wie die Leute 2017 erfolgreich für den Erhalt der Bahnlinie gekämpft hätten, als sie mangels Rentabilität eingestellt werden sollte.
«Es geht nur zusammen, und heute ist Läufelfingen die Schweiz», sagte Jans weiter. Das Dorffest sei ein Beweis dafür, was die Leute zusammen auf die Beine stellen können. Der Justiz- und Polizeiminister gratulierte Läufelfingen im Namen des Gesamtbundesrats zum 800. Geburtstag, «auch wenn dieser nicht weiss, dass ich hier bin, da sonst alle Regierungsmitglieder gekommen wären», so Jans mit einem Schmunzeln. Seine Rede schloss er mit den Worten: «Auch Festen geht zusammen besser (…) Auf Läufelfingen!»
Bürgernähe wird geschätzt
Zuvor war Beat Jans zusammen mit seiner Frau Tracy von Sissach mit der historischen «Krokodil»-Bahn nach Läufelfingen gereist. Diese Fahrt, die Begrüssung und das Wohlwollen der Menschen beim Fussmarsch durch Läufelfingen hätten ihn sehr berührt, so der Basler.
Jans war bei Weitem nicht der einzige Politiker, der das Dorffest im Passdorf besuchte. Zugegen waren zum Beispiel auch Ständerätin Maya Graf (Grüne, Sissach), die Nationalrätin Daniela Schneeberger (FDP, Thürnen), fast der gesamte Regierungsrat sowie der designierte neue Baudirektor Matthias Liechti (SVP, Rümlingen), die erste Vizepräsidentin des Landrats, Sandra Strüby-Schaub (SP, Buckten), sowie Gemeindepräsidenten wie Peter Buser (Sissach), Christoph Belser (Gelterkinden) oder Caroline Zürcher (Wittinsburg).
Die Dichte an regionaler Prominenz überraschte nicht: Dorffeste sind seit jeher gute Gelegenheiten für Politikerinnen und Politiker, sich volksnah zu zeigen – besonders ein Jahr vor Wahlen. Dass das Zusammensein von Amtsträgern und Bevölkerung aber so unkompliziert möglich ist, zeigt, dass die (politische) Welt in der Schweiz noch in Ordnung ist. Die Festbesucher jedenfalls schätzten den Austausch mit den Politikern, was auch der euphorische Applaus für Beat Jans nach seiner Rede zeigte.






