Zuerst Jahresbestleistung, dann Verletzung
08.04.2026 Sport, Weitere SportartenDie schnellste Schweizer Marathonläuferin 2025, Michelle Schaub, kehrt zurück
Michelle Schaub hat im Herbst den Warschau-Marathon in 2:33,41 Stunden gewonnen. 2025 war keine Schweizerin schneller über die gut 42 Kilometer. Nach zwei Verletzungen befindet sich die ...
Die schnellste Schweizer Marathonläuferin 2025, Michelle Schaub, kehrt zurück
Michelle Schaub hat im Herbst den Warschau-Marathon in 2:33,41 Stunden gewonnen. 2025 war keine Schweizerin schneller über die gut 42 Kilometer. Nach zwei Verletzungen befindet sich die Oberbaselbieterin in der Saisonvorbereitung.
Timo Wüthrich
Im September ist Ihnen ein Exploit gelungen: Sie gewannen den Warschau-Marathon – beim erst zweiten Rennen über diese Distanz. Mit 2:33,41 Stunden waren Sie die schnellste Schweizerin 2025. Was bedeutet Ihnen die Jahresbestleistung, Frau Schaub?
Michelle Schaub: Natürlich sehr viel. Nach dem Zieleinlauf in Warschau wusste ich nicht, ob im Verlauf des Jahres eine Schweizerin einen noch schnelleren Marathon laufen würde – es war ja erst September. Als dann im Dezember klar wurde, dass ich die Saisonbestleistung aufgestellt hatte, habe ich mich sehr gefreut.
Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?
Freunde und Familie haben sich mit mir gefreut. Für Menschen, die sich jedoch weniger mit dem Laufsport beschäftigen, ist es oft schwierig, die erzielte Zeit richtig einzuordnen. Der erste Platz bei einem Stadtmarathon ist verständlicher und greifbarer.
2025 fokussierten Sie auf die Marathondistanz, zuvor waren Sie über 10 Kilometer und im Halb- marathon aktiv. Wie verlief der Wechsel für Sie?
Ich habe nicht erst im vergangenen Jahr begonnen, wie eine Marathonläuferin zu trainieren. Schon zuvor habe ich gemerkt, dass mir längere Einheiten mehr Spass machen und besser liegen als kürzere. Klar, das Training ist hart – nach einer langen intensiven Einheit sind die Beine einige Tage schwer. Damit habe ich aber keine Mühe.
Nach Warschau folgte ein Tief: Sie verletzten sich an der Achillessehne und fielen lange aus.
Wie erging es Ihnen in dieser Zeit?
Die Verletzung war eine Herausforderung. Von Oktober bis Dezember konnte ich wenig bis gar nicht laufen. Die Verletzung an der Achillessehne ist typisch für Läuferinnen. Mein Arzt meinte, es handle sich eher um eine Fehlstellung als um eine trainingsbedingte Überlastung. Ich erhielt Schuheinlagen; zudem verbrachte ich viel Zeit im Kraftraum, um das Gewebe um die Problemzone zu stärken. Eine Operation war glücklicherweise nicht nötig.
Ist die Achillessehne nun wieder voll belastbar?
Ja, eigentlich schon. Als ich im Januar wieder mit dem Aufbautraining begann, verletzte ich mich leider erneut – dieses Mal im Beckenbereich. Zurzeit spüre ich diese Blessur noch ein wenig. Jedoch bin ich zuversichtlich, dass ich in den nächsten Wochen das Volumen weiter erhöhen kann.
In jüngster Zeit wird im Laufsport vermehrt auf alternative Trainingsformen gesetzt, da hohe Umfänge ein höheres Verletzungsrisikos bergen. Haben Sie auch Anpassungen vorgenommen?
In Absprache mit meinem Coach betreibe ich vermehrt Crosstraining: Neben dem Laufen spule ich viele Stunden auf dem Velo oder im Schwimmbecken ab.Vor allem in der Aufbauphase hilft es, den Körper nicht zu früh hohen Belastungen auszusetzen.
Was würden Sie den Hobbyläuferinnen und -läufern raten, die sich aktuell für die ersten Volksläufe der Saison vorbereiten?
Es ist wichtig, nicht zu schnell zu viel zu trainieren. Plötzlich täglich zu laufen, ist keine besonders gute Idee. Der Umfang sollte progressiv gesteigert werden. Zudem kann ich empfehlen, in einer Gruppe zu trainieren. Gemeinsam laufen macht Spass und kann bei fehlender Motivation helfen.
Helfen Ihnen die nun länger werdenden Tage als Ansporn?
Auf jeden Fall! Im Winter bei eisigen Temperaturen Intervalle zu laufen, ist nicht immer angenehm. Das ist im Frühling schon anders. Ich denke, den Hobbyläuferinnen und -läufern geht es ähnlich.
Neben Ihrem Leben als Eliteläuferin studieren Sie derzeit Wirtschaftswissenschaften an einer Fernuniversität. Wie lassen sich Sport und Studium unter einen Hut bringen?
Eigentlich sehr gut. Die Verletzungen der vergangenen Monate waren hier Glück im Unglück. In dieser Zeit schrieb ich meine Bachelorarbeit, aktuell bereite ich mich auf deren Verteidigung vor.
Ausserhalb der finanzstarken arten wie Fussball oder Eishockey fl iesst wenig Geld; im Spitzensport müssen viele in die eigene Tasche greifen. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Ich werde von einem Sportartikelhersteller unterstützt, der mir Schuhe und Bekleidung zur Verfügung stellt. Zudem greifen mir einige regionale Sponsoren unter die Arme. Bei Wettkämpfen wird man als Eliteläuferin eingeladen: Der Veranstalter finanziert Anreise und Unterkunft, teilweise werden Antrittsgelder bezahlt. Vom Langstreckenlauf wird aber niemand reich.
Wie sieht die Förderung vonseiten des Leichtathletikverbands aus?
Derzeit bin ich Mitglied des Marathon-Projektkaders von Swiss Athletics. In diesem Rahmen habe ich die Möglichkeit, an Trainingslagern teilzunehmen. Der nächste Schritt wäre die Aufnahme ins Nationalkader.
Wann werden Sie das nächste Mal an einer Startlinie stehen?
Den April werde ich für eine intensive Vorbereitungsphase nutzen, bevor ich dann im Mai voraussichtlich das erste Rennen laufe. Ein grosses Saisonziel ist die Qualifikation für die Marathon-EM in Birmingham, die im August stattfindet. Allerdings wird die Nomination eine schwierige Aufgabe. Im Herbst plane ich, einen weiteren schnellen Marathon zu laufen.
Peilen Sie eine konkrete Zeit an?
Ein Fernziel ist es, die Marke von 2 Stunden und 30 Minuten zu unterbieten. Ob dies in der kommenden Saison oder in den nächsten Jahren gelingt, kann ich nicht sagen.
Zur Person
tw. Michelle Schaub gehört zu den besten Langstreckenläuferinnen der Schweiz. Im vergangenen Jahr lief die Bubendörferin den Marathon mit einer Zeit von 2:33,41 Stunden so schnell wie keine andere Schweizerin, 2023 wurde die 25-Jährige Schweizer Meisterin im Halbmarathon. Michelle Schaub startet für den LC Basel. Neben ihren sportlichen Ambitionen studiert sie Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Schweiz.


