Zu viele Delegierte verderben das Heim
10.04.2026 ThürnenJakobushaus-Stiftungsrat will die Führung «in zwei Prozessschritten» erneuern
Nach dem abrupten Austritt der Gemeinden Diepflingen, Thürnen und Böckten aus dem Aufsichtsgremium des Pflegeheims Jakobushaus will der Stiftungsrat die Strukturen anpassen. Unklar ...
Jakobushaus-Stiftungsrat will die Führung «in zwei Prozessschritten» erneuern
Nach dem abrupten Austritt der Gemeinden Diepflingen, Thürnen und Böckten aus dem Aufsichtsgremium des Pflegeheims Jakobushaus will der Stiftungsrat die Strukturen anpassen. Unklar bleibt, wer ihm dabei auf die Finger schaut: Alle sind «delegiert».
Peter Sennhauser
«Als Erstes müssen wir die Vertretung der drei Gemeinden aus der Stiftungsurkunde löschen», sagt Rolf Neidhart, Vizepräsident des Stiftungsrates des Alters- und Pflegeheims Jakobushaus in Thürnen. «Danach werden wir uns mit den Strukturen auseinandersetzen. Das ist aber ein zweistufiger Prozess», so Neidhart, der ausserdem sagt, er bedauere den Schritt der drei Gemeindevertreter, die vor zwei Wochen überraschend den Beschluss aller drei Gemeinden bekannt gaben, ihre Delegierten per sofort und permanent zurückzuziehen («Volksstimme» vom 27. März).
Und er ist bei Weitem nicht der Einzige: Nach dem medialen Paukenschlag meldeten sich bei der «Volksstimme» Angehörige von Heimbewohnenden mit Bedenken und Ängsten. Wie andere vor ihnen wollen sie anonym bleiben, weil sie Nachteile für ihre Angehörigen befürchten. Dabei ist nie von Verfehlungen des Personals, sondern vom chronischen Personalnotstand die Rede. Einige halten den Rückzug der drei Gemeinden für das Schlimmste, was dem seit Jahren mit Personal- und Führungsproblemen kämpfenden Heim passieren konnte. Diese seien die letzte Hoffnung gewesen, dass die verkrusteten Strukturen der Stiftung aufgebrochen würden.
Tatsächlich hatten denn auch die drei Gemeindevertreter ein Jahr lang Umbauvorschläge in den Stiftungsrat einzubringen versucht. Als Vorbild hatten sie dabei die Verschlankung in Gelterkinden und Sissach auf ein Leitungsgremium angeführt. Der Sissacher Pfarrer Matthias Plattner, selber (noch) im Stiftungsrat des Alters- und Pflegeheims Mülimatt, hält den Umbau auf Stiftungsebene und sein Ausscheiden für den richtigen Weg und die Strukturen des Jakobushauses für einen Anachronismus, der den aktuellen Anforderungen nicht mehr genüge.
Kommission ohne Amtsdauer
So sehen es die vier restlichen Jakobushaus-Stiftungsratsmitglieder gar nicht. «Man muss sehen, dass die anderen Heime ganz andere Anforderungen haben als wir», sagt Neidhart dazu. «Wir wollen jedenfalls nicht eine – vielleicht suboptimale – Struktur durch eine schlechtere ersetzen.» Stiftungsrat und Heimkommission zu kombinieren würde dazu führen, dass niemand mehr den anderen kontrolliere, bemägelt Neidhart.
Paradoxerweise werfen die Kritiker genau das den Gremien des Jakobushauses vor: Die fürs Operative zuständige Heimkommission agiere ohne Fachwissen und der sie beaufsichtigende Stiftungsrat sei zu weit weg. Gemäss Urkunde besteht der Stiftungsrat aus sieben Delegierten: vier aus kirchlichen Kreisen und drei Gemeinderats-Abgesandten. Sie wählen die Kommissionsmitglieder; diese sollen «befähigt und engagiert» sein und möglichst aus der Kirchgemeinde Sissach-Wintersingen stammen.
Das ist aber schon das Ende der konkreten Bestimmungen der Stiftungsurkunde – und der Anfang vieler Diskussionen. Denn weder Mitgliederzahl noch Amtsdauer oder Rechenschaftspflicht der Heimkommission sind festgelegt.
Aeppli ist nicht mehr Präsident
So konnte der anfänglich gewählte Präsident, der Sissacher Christoph Aeppli, rund 50 Jahre Präsident der Heimkommission bleiben und in dieser Zeit mehrere Stiftungsratspräsidenten überdauern. Erst am 1. Januar dieses Jahres hat er – auf sanftem Druck aus dem Stiftungsrat – das Präsidium abgegeben. Er bleibt aber Mitglied (und ist auf der Website noch immer als Präsident geführt).
Dies, obwohl auch Neidhart Aepplis Umgang mit anderen Menschen als «gelegentlich kantig» beschreibt. Davon, dass diese Kanten fallweise so scharf gewesen sind, dass das Vertrauen von Angehörigen in die Kommission geschädigt worden ist, wie sie sagen, will Neidhart nichts gewusst haben. Die Kommission bleibe die Anlaufstelle für Reklamationen, ausser bei Problemen mit der Kommission. Dann wäre der Stiftungsrat als Aufsichtsbehörde die richtige Adresse.
Dass an die Sitzungen des Stiftungsrats in den vergangenen Jahren sowohl der Kommissionspräsident als auch der Heimleiter stets eingeladen gewesen seien, wie die «bz Basel» berichtet, bestätigt Neidhart: Das diene dem Informationsfluss. Dabei sitzt die Stiftungsratspräsidentin Jacqueline Fürer persönlich auch noch als Mitglied in der Kommission – Neidhart hält auch das nicht für problematisch.
Auch nicht, dass nicht mehr klar ist, wer ihn (als einen von zwei Vertretern der Kirchgemeinde Sissach) in den Stiftungsrat geschickt hat: «Das ist jetzt 28 Jahre her, es wird wohl die Kirchenpflege gewesen sein», sagt Neidhart – eine Erneuerung seiner Delegation habe es nie gegeben.
Die Sissacher Kirchgemeinde-Copräsidentin Esther Vogt sagt, dass sie sich nicht erinnern könne, wer wann die beiden Delegierten (Fürer und Neidhart) bestimmt hat – oder dass sie der Kirchgemeinde je Bericht erstattet hätten. Ob die reformierte Kirche, sei es die Orts- oder die Kantonale Landeskirche mit je zwei Delegierten, stärker involviert sein müsste? Diese Frage werde sie mit der kantonalen Kirchenratspräsidentin Regine Kokontis und an der nächsten Kirchenpflegesitzung in Sissach diskutieren.
Eine Amtszeitbeschränkung sieht Neidhart jedenfalls in der Urkunde nicht. Dass dort steht, die «Amtsperiode der Mitglieder der Stiftungsrates beträgt 4 (vier) Jahre», bezieht er auf die Aufgaben des selbst konstituierten Rats: Präsidium, Aktuar und Vizepräsident seien alle vier Jahre neu zu bestimmen. Und das geschehe auch.

