Zu Hause sicher älter werden
12.03.2026 SchweizTipps für die Sicherheit und Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden
Sicherheit ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Wer frühzeitig vorsorgt und sein Zuhause bewusst anpasst, kann Risiken deutlich reduzieren – mit praxisnahen ...
Tipps für die Sicherheit und Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden
Sicherheit ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Wer frühzeitig vorsorgt und sein Zuhause bewusst anpasst, kann Risiken deutlich reduzieren – mit praxisnahen Empfehlungen von Pro Senectute Schweiz.
Die meisten Unfälle ereignen sich im eigenen Zuhause. Umso wichtiger ist es deshalb, die eigenen vier Wände so sicher wie möglich zu gestalten, damit Sie auch im Alter selbstständig darin leben können. Entdecken Sie die nützlichen Tipps von Pro Senectute Schweiz rund um die Themen Brandverhütung, Notrufsysteme, Sturzprävention und altersgerechtes Wohnen.
Jedes Jahr fordern in der Schweiz rund 11 000 Brände in Gebäuden zahlreiche Menschenleben und Verletzte. Die Hauptursachen sind Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit: Mit einfachen Vorsichtsmassnahmen lassen sie sich verhindern. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Gebäudebrand zu sterben, steigt mit dem Alter markant an. Warum? Im Alter nehmen Geruchs-, Sehund Hörsinn ab. Gefahren oder das Warnsignal des Rauchmelders werden später erkannt. Medikamente können die Sinne zusätzlich beeinträchtigen. Die Reaktionszeit nimmt ab: Im Notfall benötigen Seniorinnen und Senioren mehr Zeit, um angemessen zu reagieren. Vergesslichkeit und Verwirrung verzögern die Reaktion weiter. Älteren Menschen fällt es schwerer, sich rasch und sicher zu bewegen. In der Nacht und mit Gehhilfen stellt dies eine Herausforderung dar. Viele Seniorinnen und Senioren leben allein. Nicht alle verfügen über Alarmsysteme. Brände bleiben oft lange unbemerkt.
Brandverhütung Sicherheit in der Küche: In der Küche entfachen sich Brände schnell. Mit diesen Tipps machen Sie Ihre Küche sicherer:
• Lassen Sie heisse Herdplatten nie unbeaufsichtigt.
• Benutzen Sie den Herd nie als Ablagefläche.
• Ziehen Sie elektrischen Geräten nach Gebrauch den Stecker. • Investieren Sie in moderne Geräte: Ersetzen Sie defekte oder sehr alte Geräte durch neue. Diese verfügen über zusätzliche Sicherheitsfunktionen – beispielsweise eine Abschaltautomatik beim Wasserkocher.
Kerzen – eine Hauptursache für Brände:
• Stellen Sie Kerzen immer auf feuerfeste Unterlagen.
• Lassen Sie Kerzen nie unbeaufsichtigt brennen. Löschen Sie diese immer, bevor Sie den Raum verlassen.
• Wechseln Sie Kerzen aus, bevor sie ganz niederbrennen.
• Nutzen Sie LED-Kerzen, um eine Flamme zu simulieren. Sie sind sicherer und somit eine ideale Alternative zu Wachskerzen.
Richtiges Verhalten bei Bränden:
Beim Ausbruch eines Feuers ist es wichtig, nicht in Panik zu verfallen. Treffen Sie Vorkehrungen, damit Sie für den Ernstfall gewappnet sind. Planen und üben Sie den Notfall. Stellen Sie sich folgende Fragen: Sind die Gehhilfen nachts greifbar? Wo sind mögliche Fluchtwege? Berücksichtigen Sie dabei allfällige Beeinträchtigungen. Fluchtwege müssen ungehindert passierbar sein. Entfernen Sie Stolperfallen. Die Haustüre müssen Sie im Ernstfall schnell öffnen können – Drehknopfzylinder sind eine gute Lösung. Pflegen Sie Kontakte mit Nachbarn. Kontaktieren Sie sie im Notfall. Tippen Sie die Notrufnummer der Feuerwehr 118 in die Kurzwahl des Telefons ein. Das Telefon muss immer griffbereit sein.
Die Reihenfolge zählt bei einem Notfall: Zuerst alarmieren: Rufen Sie bei Bränden immer das 118. Lieber einmal zu viel den Notruf wählen als einmal zu wenig. Danach retten von Menschen und Tieren. Fordern Sie Personen dazu auf, schnell das Gebäude zu verlassen. Zum Schluss löschen: Versuchen Sie jedoch nur kleine Brände zu löschen. Achtung: Bringen Sie sich nie selbst in Gefahr. Bringen Sie sich rasch in Sicherheit.
Hilfsmittel erhöhen Ihre Sicherheit: Herdwächter, Hitzemelder, Rauchmelder, Feuerlöscher, Feuerlöschsprays und Löschdecken erhöhen Ihre Sicherheit. Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten und zeigen, wie die Produkte funktionieren.
Notrufsysteme
Stürze und unbestimmtes Warten auf Hilfe stellen eine Gefahr für ältere Menschen dar. Verschiedene Notrufsysteme helfen, schwerwiegende Folgen zu verhindern.
Notknopf: Eine Basisstation nimmt den Anruf des verbundenen Notknopfs entgegen. Anschliessend leitet die Basisstation Hilfsmassnahmen ein. Je nach Anbieter enthalten Notknöpfe Sturzmelder oder eine Ortungsmöglichkeit für Menschen mit milder Demenz. Betätigen Sie den Notknopf zu Hause oder unterwegs:
• Stationäres Notrufgerät: Über Mikrofon oder Lautsprecher stellen Sie eine Sprechverbindung mit dem Hilfssystem her. Das Notrufgerät schliessen Sie mit wenig Installationsaufwand an einer beliebigen Steckdose an.
• Notrufarmband, Amulett oder Medaillon: Die mobilen Geräte verfügen über ein GPS-System, aber nicht über Lautsprecher und Mikrofon. Via Knopfdruck übermitteln Sie lediglich einen Alarm an den Empfänger. Gewisse Notknöpfe alarmieren Angehörige via App.
Die Anbieter von Notknöpfen arbeiten mit verschiedenen Notrufzentralen wie der Spitex, dem SRK oder privaten Notrufzentralen zusammen.
Notrufuhren: Digitale Uhren kommen ohne Basisstation aus. Sie verfügen über eine SIM-Karte, Lautsprecher, Mikrofon sowie oftmals eine GPS-Funktion. Sie senden jederzeit von unterwegs per Tastendruck einen Hilferuf. Sie haben die Möglichkeit, über die Notfalluhr Anrufe der Notrufzentrale entgegenzunehmen. Viele Anbieter integrieren Zusatzfunktionen wie automatische Standortübermittlung, Kameras, Pillenerinnerung, Warnung bei abgeschalteter Uhr.
Smartwatches und Notfall-App:
Smartphone-Besitzende nutzen Notruffunktionen auch via Apps, wie zum Beispiel die in der Schweiz entwickelte App «Uepaa».
Bewegungssignale durch Sensor-System: Das Sensor-System zeichnet mit Bewegungsmeldern Ihre Bewegungssignale auf. Ein Sensor unter der Matratze misst Ihre Schlafqualität sowie Ihre Herz- und Atmungsfrequenz. Das System erstellt wöchentlich einen Gesundheitsrapport, damit Sie Ihren Gesundheitszustand verfolgen können. Über eine App rufen Ihre Angehörigen oder Ihre Betreuungspersonen Informationen ab und beurteilen Ihren Gesundheitszustand. Das System erkennt rechtzeitig Ursachen, die zu einem Sturz führen und löst frühzeitig einen Alarm aus. Das System stellt dies anhand ungewöhnlicher Änderungen Ihrer Routineabläufe fest.
Kontaktloser Sturzmelde-Service:
Dafür benötigen Sie ein mobiles Endgerät wie ein Smartphone sowie einen WiFi-Anschluss. Im Haus registrieren Sturzmelder Ihre Sturzereignisse. Sie haben jedoch einige Minuten Zeit, den Alarm via System-App abzubrechen. Danach kontaktiert Sie die Notrufzentrale. Wenn die Notrufzentrale Sie nicht erreicht, kontaktiert die Zentrale Ihre Notfallkontakte oder bietet Rettung auf.
Sturzprävention
Mit zunehmendem Alter nehmen Muskelkraft und Gleichgewichtsfähigkeit ab und die Sturzgefahr steigt. Jährlich verletzen sich in der Schweiz 90 000 Seniorinnen und Senioren bei einem Sturz. Durch regelmässiges Training können Sie Kraft und Gleichgewicht verbessern und das Sturzrisiko damit deutlich senken.
Um in Bewegung zu bleiben, gibt es verschiedene Methoden: Machen Sie in einer Sportgruppe mit. Dort trainieren Sie Kraft und Gleichgewicht ganz nebenbei. Der gemeinsame Spass mit Gleichgesinnten verstärkt den Trainingseffekt. Trainieren Sie zu Hause: Der Wäschekorb scheint jede Woche schwerer zu werden. Ihre Muskelkraft benötigen Sie überall im Alltag. Indem Sie regelmässig trainieren, stärken Sie Ihre Muskeln. Bereits einfache Kraftübungen unterstützen den Muskelaufbau. Beginnen Sie noch heute mit dem Training! Fehltritte fangen Sie so künftig wieder mit links auf. Bewegen Sie sich jeden Tag:
Treffen Sie sich mit Freunden zu einem Spaziergang oder gehen Sie zu Fuss einkaufen. Bleiben Sie im Gleichgewicht: Über Stock und Stein sind Sie nicht mehr gern unterwegs. Ein verbessertes Gleichgewicht hilft Ihnen, sicher durch den Alltag zu kommen. Ergänzen Sie das Training in der Sportgruppe mit einfachen Gleichgewichtsübungen, beispielsweise dem Stehen nur auf einem Bein oder dem Vor-und-zurück-Wippen mit dem ganzen Körper.
Alterswohnung
Das eigene Zuhause eignet sich nicht immer als Alterswohnung. Mit zunehmendem Alter stellt sich die Frage nach einem Umbau oder Umzug. Anhand verschiedener Faktoren gilt es abzuschätzen, ob und wie Sie im bisherigen Daheim verbleiben sollen.
Wohn- und Esszimmer: Es sollte keine Stufen geben. Der Boden muss rutschsicher sein. Schlafzimmer: Hier gilt grundsätzlich das Gleiche wie für alle Zimmer. Jedoch müssen Schlafzimmer zusätzlich besonders gut gelüftet und verdunkelt werden können. Idealerweise ist der Weg zwischen dem Schlaf- und Badezimmer kurz.
Badezimmer müssen besonders sicher und mindestens 4 m2 gross sein. Es darf keine Schwellen geben. Boden, Badewannen und Duschen sind rutschfest. Eine gute Beleuchtung ist wichtig. Ebenso einfach bedienbare Armaturen wie ein Wasserhahn mit nur einem Hebel oder Ausziehbrausen.
Küche: Gegenstände, die viel gebraucht werden, sind gut erreichbar platziert. Weniger gut erreichbare Schränke und Tablare sollten nicht benützt werden. Für die Küchenarbeit gibt es viele Hilfsmittel, die unterstützen: Flaschen- oder Konservendosenöffner, Fixierbretter oder Antirutschunterlagen. Ein Rauchmelder bringt ebenfalls Sicherheit. Es ist auf eine ausreichende Beleuchtung zu achten. Auch der Bodenbelag sollte rutschfest sein. Korridore und Treppen: Dort muss speziell auf Stolperfallen geachtet werden. Aus Sicherheitsgründen ist es ratsam, Teppiche zu entfernen und keine Möbelstücke in den Durchgang zu stellen. Handläufe erhöhen die Sicherheit.
Der Ratgeber stammt von Pro Senectute Schweiz und ist abrufbar auf www.prosenectute.ch
