Z’Oltige rollt’s
30.04.2026 OltingenAm Dorffest gibt es auch für die Kleinen grosse Attraktionen – dahinter steckt viel Arbeit
Aller guten Dinge sind drei. Für einmal sind nicht drei Versuche gemeint, sondern drei Zutaten: ein guter Grund, eine einzigartige Idee und ein schlagkräftiges Team. Das ...
Am Dorffest gibt es auch für die Kleinen grosse Attraktionen – dahinter steckt viel Arbeit
Aller guten Dinge sind drei. Für einmal sind nicht drei Versuche gemeint, sondern drei Zutaten: ein guter Grund, eine einzigartige Idee und ein schlagkräftiges Team. Das Resultat sind 20 Kugelbahnen, die für die Gäste auf dem ganzen Festgelände bereitstehen.
Brigitte Keller
Bezahlt werden kann am Oltiger Dorffest mit Bargeld und Twint – und vielleicht auch mit Holzkugeln? Pro Tageseintritt von 5 Franken erhält man eine Kugel geschenkt. Mit dieser können die 20 Kugelbahnen bespielt werden, die auf dem ganzen Festgelände aufgebaut wurden. Die Kugeln aus Buchenholz, es sind 18 000 an der Zahl, wurden in einem Fachbetrieb in Auftrag gegeben und anschliessend im Dorf mit dem Logo bedruckt.
«Wenn man sich als Familie in einem Beizli gemütlich zum Essen hinsetzt, kann es den Kindern schnell einmal langweilig werden», erzählt Joe Haag, Familienvater, OK-Mitglied und Hauptverantwortlicher für die Kugelbahnen. «Daran wollten wir unbedingt etwas ändern und den Kindern etwas Spezielles bieten.» Kugelbahnen, das wissen Eltern, stehen ganz weit oben in der Gunst von Kindern. Ein paar schöne Bahnen stehen auf dem bekannten Kugelweg auf dem Hasliberg, der den Machern in Oltingen als Inspiration diente.
Zum Team der Kugelbahnbauer zählen, neben Zimmermann Joe Haag, der pensionierte Schreiner Ruedi Waldmeier, im Dorf «Eifach Mundi» genannt, sowie Zimmermann Daniel Brenna und Florian Steiner, Maurer von Beruf. «Mit den drei Jungen zusammenzuarbeiten, hat mir wahnsinnig Spass gemacht», erklärt Waldmeier. «Das sind Macher, da geht etwas.» Ganz am Anfang sei kurz die Idee durch die Köpfe gegeistert, eine Kugelbahn gar durchs ganze Dorf zu bauen. «Davon sind wir dann schnell wieder abgekommen», berichtet Haag. Ideen hätte es immer viele gegeben, aber bei der Ausführung hätte es dann noch ein paar Details mehr gebraucht, bis es funktioniert hätte.
Welche Ideen schlussendlich umgesetzt wurden, hing hauptsächlich von den zur Verfügung stehenden Standorten ab. «Dass die Bahnen funktionieren, also die Kugeln wie vorgesehen rollen, und das Gelände», so lautet die Antwort auf die Frage nach den grössten Herausforderungen beim Kugelbahnbau.
Liebe zum Detail
Ein Paradebeispiel einer zum Gelände passenden Kugelbahn steht gleich neben der Schreinerwerkstatt von Ruedi Waldmeier. Sie beginnt mit einem kleinen Wasserrad und leitet Wasser – und mit ihm auch die Kugeln – durch eine gewundene Holzrinne nach unten. Da dran habe er schon eine Zeitlang «doktern» müssen, bis es funktioniert habe, und ein paar Mal habe er auch etwas wieder zersägt, gesteht Ruedi Waldmeier. Angeschrieben ist die Bahn mit «200 Joor Olti Sagi». Eine Reminiszenz an die 200 Jahre alte und nach wie vor funktionstüchtige Sagi von Oltingen, wo Waldmeier seit zwölf Jahren als Sager amtet und Führungen leitet.
Ein Fan der ersten Stunde des «Kugelbahn-Parcours» ist auch Gemeindepräsident Stefan Eschbach: «Ich finde es fantastisch, wie innovativ und mit wie viel Herzblut die Kugelbauer die Ideen umgesetzt haben.» Eine, die schon ein Weilchen zum Spielen und Staunen einlädt, ist diejenige bei der Kirche. Die detailreichen Nachbauten «en miniature» von Sagi und Skihütte, die dort stehen, sind ein Hingucker für sich. Nicht eine Einzelne hervorheben will Eschbasch, sondern dazu einladen, alle auf dem Festperimeter zu entdecken und zu erkunden. «Die Kugelbahnen sind wie ein roter Faden, der alles miteinander verbindet.»
Die Idee mit den Kugelbahnen hat sich längst als eine der ganz besonderen Attraktionen des Dorffests hervorgetan und lieferte den Organisatoren gar das eingängige Motto: «z’Oltige rollt’s». Attraktiv und nachhaltig ist auch, dass ein Grossteil der originellen Kugelbahnen nach dem Dorffest nicht einfach wieder in der Versenkung verschwinden werden, sondern zwischen Oltingen und Wenslingen, einem Teilstück des «Erlebnispfades passepartout», wieder aufgebaut werden.
Alpabzug und Froschkönig
Einige der Kugelbahnen tragen die Namen namhafter Sponsoren, darunter eine in Eigenregie ganz aus Metall gefertigte, andere tragen so verheissungsvolle Namen wie beispielsweise «Skiheil», «Alpabzug», «Froschkönig» oder «Cheigelbahn». Diejenige mit dem Namen «Pyramide» entstand als Sek-Abschlussarbeit mit der Beteiligung von Daniel Brennas Tochter und Joe Haags Sohn. Sie stand bereits am letzten «Oltiger Märt» im Einsatz und machte gluschtig auf das kommende Dorffest.
Aller guten Dinge sind drei. Drei Tage lang dauert das Oltinger Dorffest, drei Tage Zeit, um alle Marktstände, Beizlis und Shows zu entdecken und die ganz eigene Lieblingsbahn unter den 20, in ungezählten Stunden gebauten Kugelbahnen, zu entdecken: Let’s roll!

