Wohnen noch mehr verteuern?
28.08.2026 Ormalingen, PolitikMarkus Meier, Landrat SVP, Ormalingen
«Bauvolumen 2025 auf neuem Höchststand». So titelte das kantonale Amt für Bau- und Wohnungswesen seine Mitteilung von vergangener Woche. Im Jahr 2025 habe das Bauvolumen im Kanton gegenüber dem Vorjahr um ...
Markus Meier, Landrat SVP, Ormalingen
«Bauvolumen 2025 auf neuem Höchststand». So titelte das kantonale Amt für Bau- und Wohnungswesen seine Mitteilung von vergangener Woche. Im Jahr 2025 habe das Bauvolumen im Kanton gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Franken zugenommen. Interessant zeigt sich die Bautätigkeit im öffentlichen Sektor, die mit 558 Millionen Franken mehr als ein Fünftel der Gesamtsumme beanspruchte. Nach Berücksichtigung von gewerblichem Bau und Tiefbau verblieben im privaten Wohnungsbau weniger als 1,3 Milliarden Franken, 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Kaum erstaunlich, dass auch weniger Wohneinheiten gebaut wurden – beim Wohnraum von Höchststand ist also keine Spur.
Neuer Rekord dafür bei der Bevölkerung. Lag die Einwohnerzahl im Baselbiet 2016 bei 285 094 Personen, wurden im ersten Quartal des laufenden Jahres 305 927 gezählt. Ein Zustrom von 21 000 Menschen innert 10 Jahren. All diese Leute wollen ein Dach über dem Kopf, sie müssen irgendwo wohnen. Die Zahlen zeigen deutlich auf, weshalb dies auch bei uns immer schwieriger wird; schlicht und einfach deshalb, weil das Angebot an Wohnraum nicht Schritt hält mit der Zunahme der Bevölkerung. Knappheit an Wohnraum ist auch bei uns eine Tatsache. Beleg dafür ist auch die jährlich erhobene Leerstandsziffer. Sie hat in der aktuellen Erhebung von 0,8 auf 0,6 Prozent abgenommen.
Es sollte also mehr gebaut werden, um die Nachfrage befriedigen zu können. Aber was tun wir? Genau das Gegenteil! Statt Förderung von mehr Wohnraum erleben wir immer neue Behinderungen oder Verhinderungen. Dies gilt für die Verdichtung im Bestand genauso wie für Ersatzneubauten mit einem Mehrangebot an Wohneinheiten. Hier kann die Sissacher Tschudy-Villa grüssen, über deren Situation sich wohl nur der Vermieter des Gerüsts freut. Neu steht auch das Restaurant zum Rössli in Wintersingen im Bann der Denkmalpflege. Ein Ersatz-Neubau mit einer grösseren Zahl an Wohnungen anstelle des 1912 nach einem Brand wieder aufgebauten Gasthauses sei nicht bewilligungsfähig, die aktuelle Bausubstanz müsse erhalten bleiben. Auch hier kein Mehrangebot an Wohnraum. Und eine Sanierung des mehr als 100-jährigen Gebäudes wird kaum zu zeitgemässen Wohnungen führen.
Dort notabene, wo das Erstellen von mehr Wohnraum noch möglich ist, verteuern wir dies mit mehr Vorschriften und Abgaben. Um eine solche Abgabe, die das Bauen noch mehr verteuern dürfte, geht es an der Abstimmung vom 27. September. Die Volksinitiative «Fairer Kompromiss bei der Mehrwertabgabe» nimmt den bereits in einer früheren Abstimmung bekundeten Volkswillen auf. Sie verbindet öffentliche Interessen mit dem Schutz des Eigentums und volkswirtschaftlicher Vernunft. Der Gegenvorschlag beinhaltet die folgenschwere Logik, dass der Staat bei jedem planerischen Mehrwert massive Finanzabgaben abschöpfen soll – was das Bauen noch teurer macht. Wer also mehr Wohnraum schaffen, Verdichtung ermöglichen und Eigentum respektieren will, sagt am 27. September Ja zur Initiative «Fairer Kompromiss bei der Mehrwertabgabe».
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

