Wo Lebensraum Wurzeln schlägt
03.11.2026 ArboldswilNaturschutztag zur Aufwertung des Waldrands
Trotz Bise packten 15 Freiwillige am Arboldswiler Naturschutztag tatkräftig an. Mit 150 Bäumen und Sträuchern werteten sie einen Waldrand ökologisch auf. Damit schaffen sie Lebensraum und ein Nahrungsangebot für ...
Naturschutztag zur Aufwertung des Waldrands
Trotz Bise packten 15 Freiwillige am Arboldswiler Naturschutztag tatkräftig an. Mit 150 Bäumen und Sträuchern werteten sie einen Waldrand ökologisch auf. Damit schaffen sie Lebensraum und ein Nahrungsangebot für Vögel und Insekten.
Elmar Gächter
Samstagmorgen, kurz vor 9 Uhr auf dem «Grand Place»: Das Thermometer zeigt gerade einmal sechs Grad, doch die bissige Bise lässt es noch deutlich kälter erscheinen. Davon lassen sich die zahlreichen Naturbegeisterten jedoch nicht abschrecken. Warm eingepackt stehen sie bereit, um tatkräftig anzupacken. Seit vielen Jahren gehört der letzte Samstag des Oktobers auch in Arboldswil dem Baselbieter Naturschutz. Pünktlich fährt Hans Stohler mit einem alten Schilter vor, um die 15 Unentwegten auf der sorgfältig mit Harassen und alten Militärdecken ausgestatteten Ladebrücke zum Einsatzort zu bringen.
«Wir pflanzen Bäume und Sträucher», so der Lockruf des Flyers, mit dem der Natur- und Vogelschutzverein Arboldswil zum Arbeitseinsatz in der «Hinteren Rüti» eingeladen hat. An einem Waldrand westlich des Dorfs hat der Forstbetrieb Frenkentäler auf einer rund 20 Aren grossen Fläche Holz geschlagen. Mit einem stufig aufgebauten Waldrand soll ein sanfter und ökologisch wertvoller Übergang zwischen dem geschlossenen Wald und dem offenen Kulturland entstehen. «Ein guter Rückzugsort für Rehe und Vögel», erklärt Philipp Zehntner. Als Förster ist er Projektleiter beim Forstbetrieb Frenkentäler, der die forstlichen Aufgaben des hier zuständigen Forstreviers Dottlenberg übernommen hat.
150 Pflanzen, ein Ziel
150 Pflanzen, ausschliesslich einheimische Arten und sorgsam vom Fachmann ausgewählt, gilt es in den Boden zu setzen. Schneeballblättriger Ahorn, Traubenkirsche, Zitterpappel und Speierling werden bunt gemischt mit Schwarzdorn, Berberitze und Hundsrose in Gruppen von je 15 Pflanzen in die stark durchwurzelte Walderde gepflanzt. «Mit der gezielten Auswahl verschiedener einheimischer Baum- und Straucharten schaffen wir ein möglichst breites Nahrungsangebot für Insekten und Vögel. Die Zitterpappel und der Schwarzdorn blühen bereits im zeitigen Frühling, später folgen unter anderem die Traubenkirsche, die Berberitze und die Hundsrose», erläutert Zehntner. Während die dornenbewehrten Sträucher sich selbst gegen Wildverbiss schützen, erhalten die übrigen Pflanzen ein Baumschutzgitter.
Für Patricia und Stefan Bauriedl ist es seit Jahren eine Selbstverständlichkeit, sich am Naturschutztag zu engagieren. Beiden bedeutet die Natur sehr viel. Als aktives Vereinsmitglied möchte sie gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas Sinnvolles für die wunderschöne Natur in ihrer Umgebung leisten, sagt Patricia Bauriedl: «Ich mache diese Arbeit gerne. Zudem ist mir auch das Gesellige wichtig, sich zusammen mit der Dorfgemeinschaft auszutauschen.»
Mit drei Generationen ist die Familie Stohler vertreten. Neben Grossvater Hans und Vater Daniel gebührt dem Enkel und Sohn Aaron die Ehre, mit 14 Jahren der jüngste Teilnehmer zu sein. Auf die Frage, was ihn zum Mitmachen bewogen habe, antwortet er trocken: «Ganz freiwillig bin ich nicht hier. Mein Vater hat bestimmt: Am Samstag gehen wir Bäume pflanzen, und du kommst auch mit.» Dass er dann doch noch Freude am Lochen und Graben gefunden hat, erwähnt er eher beiläufig. «Schliesslich geht es auch darum, dass am Ende nicht nur noch ein einziger Baum im Wald steht», ergänzt er und bringt damit die Notwendigkeit des Einsatzes auf den Punkt.
Christoph Tschopp, seit rund fünf Jahren Co-Leiter des 1933 gegründeten Vereins, zeigt sich mit der Beteiligung am Naturschutztag sehr zufrieden. Dass dieses Jahr weniger Kinder als sonst mit dabei sind, führt er auch auf die körperlich anspruchsvolle Pflanzarbeit zurück. «Das primäre Ziel unseres Vereins ist es, Familien und Kindern den Wald und die Natur näherzubringen. Wenn uns das gelingt, werden junge Menschen fast automatisch zu Naturschützern. Vor allem ist uns der praktische Einsatz wichtig. Wir wollen nicht mit hochwissenschaftlichen Vorträgen und Exkursionen akademisch unterwegs sein», betont Tschopp. Freude am Wald und der Natur zu vermitteln, sei das Wichtigste, auch wenn man nicht jede Pflanze und jeden Vogel mit Namen kenne. Die ersten sichtbaren Ergebnisse der Aktion werden in zwei bis drei Jahren zu erkennen sein.
