Wo Bewahren Zukunft hat
25.08.2026 SissachAm Tag des Denkmals wird aufgezeigt, was Schutz und Ortsentwicklung miteinander zu tun haben
Am Tag des Denkmals wird Sissach selbst zum Anschauungsobjekt. Am 12. September zeigt die kantonale Denkmalpflege an verschiedenen Schauplätzen, was beim Erhalt historischer Bauten und ...
Am Tag des Denkmals wird aufgezeigt, was Schutz und Ortsentwicklung miteinander zu tun haben
Am Tag des Denkmals wird Sissach selbst zum Anschauungsobjekt. Am 12. September zeigt die kantonale Denkmalpflege an verschiedenen Schauplätzen, was beim Erhalt historischer Bauten und Dorfkerne möglich ist – und wo die Herausforderungen liegen.
Christian Horisberger
Ebenrain, «Cheesmeyer», katholische Kirche, Bahnhof, Pfarrhaus, Heimatmuseum: An diesen und weiteren Schauplätzen in Sissach wird die kantonale Denkmalpflege am Tag des Denkmals über ihr Wirken und über die Bedeutung des Erhalts historisch wertvoller Bauwerke und Dorfkerne informieren. Am «Denkmalcafé» vom Freitag stellte die kantonale Stelle das Programm für den 12. September vor, erklärte, warum dieses Jahr Sissach ausgewählt wurde und inwiefern das Motto «In Gefahr?» auf dieses Dorf zutrifft.
Sissach sei vorbildlich und zeige «spektakulär», dass der Denkmalschutz nicht immer nur alles verhindere, sondern was alles möglich sei, sagte die seit gut einem Jahr amtierende Baselbieter Denkmalpflegerin Sabine Sommerer. Oftmals würden denkmalpflegerische Massnahmen gar nicht wahrgenommen, weil Ortsbildpflege, Planer und Architekten gute Arbeit geleistet hätten. Neben der Würdigung des vorbildlichen Denkmalschutzes in Sissach sei der «Tag des Denkmals» für die kantonale Fachstelle eine Gelegenheit, aufzuzeigen, welche Arbeit sie leistet, welchen Herausforderungen sie sich tagtäglich stellt, wo die Knackpunkte liegen und «wo es wichtig ist, dass man den Dialog sucht und findet», sagte Sabine Sommerer.
Auf die Frage, was sie in Gefahr sehe, antwortete die Denkmalpflegerin: «Alles. Denkmäler sind immer in Gefahr.» Man verstehe den Mehrwert der Denkmalpflege als beratende Institution nicht immer, sondern sehe sie häufig als «Verbieter, Regulator und willkürlichen Handlungsträger». Sie aber wolle aufzeigen, dass ihre Stelle den Dialog suche und bereit sei, zusammen mit Gemeinde und Bevölkerung Projekte zu bewältigen. In Gefahr sieht Sabine Sommerer zudem «immer wieder die Substanz». Als konkretes Beispiel nannte sie die teilweise abgebrochene Sissacher «Tschudy-Villa», legte aber Wert auf die Feststellung, dass «Sissach nicht die Weinhandlung Tschudy ist».
Spaziergang mit Sabine Sommerer
Drei Angebote aus dem umfangreichen Programm, das auf der Website der Denkmalpflege eingesehen werden kann, seien hier herausgegriffen: Bei der katholischen Kirche wird der stellvertretende Leiter der Denkmalpflege, Frank Pütz, aufzeigen, dass sich der Objektschutz auch auf die Umgebung eines geschützten Gebäudes bezieht. So seien auch bei der Planung des neben dem Gotteshaus entstehenden Kirchgemeindezentrums denkmalschützerische Aspekte zu berücksichtigen gewesen. Nicht toleriert würden bei so einem Objekt beispielsweise eine grelle Farbgebung oder ortsuntypische Materialien. Der kurz vor der Vollendung stehende Neubau könne am Tag des Denkmals besichtigt werden, so Pütz, und dessen Architekt und zugleich Präsident des Baselbieter Heimatschutzes, Angelo Tomaselli, werde vor Ort sein. Hier, bei der katholischen Kirche, wird der Denkmaltag um 10 Uhr von Baudirektor Isaac Reber, Gemeindepräsident Peter Buser und Denkmalpflegerin Sabine Sommerer eröffnet.
Die Amtsleiterin wird Interessierte auf einen Spaziergang durch den Ebenrain-Schlosspark und zu dessen Wasserversorgung mitnehmen. Nach der Sanierung des Ebenrain-Weihers werde der seit längerer Zeit gesperrte Ostteil des Parks am Tag des Denkmals ausnahmsweise begehbar sein. Wieder frei zugänglich sein werde dieser Bereich voraussichtlich im Oktober. Sie werde einerseits über denkmalschützerische Überlegungen und Entscheide im Lauf der Sanierung sprechen, kündigte Sommerer an, andererseits über das Wasser, mit dem unter anderem der grosse Teich gespeist wird. Dabei handle es sich nicht um Trink-, sondern um «Ebenrain»- eigenes Quellwasser, betonte sie. Wer die Schlosspark-Führung mitmachen möchte, sollte trittsicher sein, denn sie führt auch zur im 18. Jahrhundert erstellten Brunnenstube.
Was wird aus der «Schmitte»?
Aus der Sicht der Siedlungsentwicklung dürfte der ortsbauliche Spaziergang «Anatomie des Raums» unter der Leitung von Kantonsplaner Thomas Waltert und dem Präsidenten der Denkmal- und Heimatschutzkommission, Markus Zentner, von Interesse sein. Hier kommen Chancen und Herausforderungen einer qualitätsvollen Verdichtung im historischen Dorfkern zur Sprache. Womöglich äussern sich die beiden auch über die «Schmitte», das leer stehende Haus gegenüber der Brockenstube Nikodemus. Dieses Gebäude hatte im Zusammenhang mit der geplanten Überbauung des Tobler-/ Sixmadun-Areals zum Eklat und zum Ausstieg der Helvetia Versicherung als Investorin geführt (die «Volksstimme» berichtete).
Dieses Haus, genauer dessen Eingangsbereich, ist auf dem Flyer und der Broschüre zum diesjährigen Tag des Denkmals in Sissach abgebildet. Darunter steht das Motto «In Gefahr?». Auf die Gefahr angesprochen, die dem Haus (noch) droht, sagte Frank Pütz, dass sie nicht gebannt sei, dass es für das Gebäude aber wieder etwas besser aussehe. Das Ergebnis sei offen.
Tag des Denkmals. 12. September (Eröffnung um 10 Uhr, Führungen ab 11 Uhr) in Sissach. Zudem finden am 11./12. September in Augst Führungen zum Erhalt der Curia Augusta Raurica statt. www.bl.ch/denkmalpflege

