«Wir wollen mehr!»
12.03.2026 Sport, EishockeyZunzgen-Sissach feiert den Zentralschweizer Meistertitel
Der EHC Zunzgen-Sissach ist Zentralschweizer Meister – und damit noch nicht zufrieden. Nach dem 3:1-Sieg in Oberlangenegg ist der Vergleich mit den anderen Regionalmeistern für die Oberbaselbieter nicht nur Zu-, sondern ...
Zunzgen-Sissach feiert den Zentralschweizer Meistertitel
Der EHC Zunzgen-Sissach ist Zentralschweizer Meister – und damit noch nicht zufrieden. Nach dem 3:1-Sieg in Oberlangenegg ist der Vergleich mit den anderen Regionalmeistern für die Oberbaselbieter nicht nur Zu-, sondern Aufgabe.
Sebastian Wirz
«Lepi, Lepi, Lepi», schallt es am Dienstagabend in der 45. Spielminute durch die Hotshot-Arena in Oberlangenegg. Dabei ist «Lepi» im anstehenden Penalty-Duell nicht etwa der Lokalmatador, der die Berner Oberländer gegen den EHC Zunzgen-Sissach auf 1:3 heranbringen will. Michele Lepori ist der Torhüter der Gäste, darf aber dank eines ZS-Fancars und mehrerer Privatautos auf die Unterstützung eines beträchtlichen Teils der 306 Zuschauerinnen und Zuschauer zählen. Und der 25-Jährige liefert: Den Penalty von Oberlangenegg-Captain Marco Burkhalter wehrt er ab, hält damit die 3:0-Führung aufrecht – und den Sieg in dieser entscheidenden dritten Partie des Zentralschweizer Finals der 2. Liga fest.
Als Oberlangenegg knapp vier Minuten vor Schluss in Überzahl zusätzlich Torhüter Marc Schmid durch einen Feldspieler ersetzt, kommen die entfesselten Berner zwar tatsächlich auf 1:3 heran, aber für mehr reicht es gegen einen defensiv konzentrierten EHC Zunzgen-Sissach nicht mehr: Die Oberbaselbieter sind nach 2024 zum zweiten Mal Zentralschweizer 2.-Liga-Meister.
«Wenig Tore zu erhalten ist nicht nur ein Verdienst des Goalies, dafür braucht es die ganze Mannschaft», sagte Lepori – das Bier in der Hand, den Meisterstumpen im Mund – nach dem Spiel selbstlos. Diese Finalserie zeigt aber dennoch, wie schwierig die Position des Goalies rein psychologisch ist: Lepori hat in drei Spielen nur gerade zwei Tore erhalten. Aber sein einziger Fehler – Oberlangenegg traf nach einem Ablenker in hohem Bogen über den Schlussmann ins Netz – war gleichbedeutend mit der Niederlage in Spiel 2, weil die eigene Offensive nicht skorte. Als Lepori am Samstag auf der «Kunsti» zum Mann des Spiels auf ZS-Seite ausgezeichnet wurde, war der entnerve Goalie bereits in den Unterhosen in der Garderobe und konnte die Ehrung nicht entgegennehmen. Drei Tage später konnte er dank nur eines Fehlers weniger feiern.
Unbändiger Wille vor dem Tor
«Ich habe meinem Team mit dem Fokus auf die Defensivarbeit am Samstag vielleicht etwas den offensiven Elan genommen», sagte ein selbstkritischer Lukas Kamber. Für Spiel 3 habe der Headcoach dann die Devise ausgegeben, dass die Spieler einfach «Vollgas geben» sollen. Dies setzten seine Schützlinge perfekt um: Alleine in den ersten Minuten gelangten sie in mehr gefährliche Abschlusspositionen als im ganzen Heimspiel.
Die beiden frühen Treffer durch Remo Hunziker und Raoul Seiler – seine Rückkehr nach zwei Spielsperren verfehlte ihre Wirkung nicht – waren vorbildliche «dreckige Tore», die durch unbändigen Willen beim Stochern nach einem vom Goalie abgewehrten Schuss fielen. Auch das 3:0 durch Silian Gyger kurz vor Ende des zweiten Drittels fällt in diese Kategorie. «Am Samstag hatten wir noch im Hinterkopf, dass es auch bei einer Niederlage weitergehen würde. Heute gab es nur Vollgas», sagte Routinier Marc Niederhauser, «wir haben das, was wir können, aufs Eis gebracht.»
Mit diesem Finalsieg ist die Saison für ZS noch nicht vorbei – das Team hat noch ein Ziel: «Uns allen ist klar: Wir wollen mehr», sagte Kamber noch während der Siegesfeier. Das sei 2024, beim erstmaligen 2.-Liga-Titel nach mindestens 25 Jahren, noch nicht so der Fall gewesen. Die Vergleiche mit den Regionalmeistern aus West- und Ostschweiz, die kommende Woche anstehen, waren damals eher eine Zugabe. Dieses Mal will ZS den nationalen 2.-Liga-Titel.
TELEGRAMM
EHC Oberlangenegg – EHC Zunzgen-Sissach 1:3 (0:2; 0:1; 1:0). Eishalle: Hotshot-Arena.
Zuschauer: 306. Schiedsrichter: Hofer, Schädler. Tore: 9. Hunziker (Seiler, Gyger) 0:1; 9. Seiler (Hunziker, Di Biase/Ausschluss Hofstetter) 0:2; 38. Gyger (Hunziker) 0:3. 57. M. Burkhalter (Beer/Ausschluss Dietrich, Oberlangenegg ohne Goalie) 1:3. Strafen: Je 5-mal 2 Minuten.
ZS: Lepori; Di Biase, Dietrich; C. Lanz, Gysi; Lenz, Wyser; Dörig; Hunziker, Seiler, Gyger; Spreyermann, Model, J. Lanz; Niederhauser, R. Müller, D. Müller; Bertschy, Arm, Imhof; Schneider.



