«Wir widmen uns aktiv der Bierkultur»
31.03.2026 Basel, Bezirk LiestalBrauerzunft Region Basel feiert ihr zehnjähriges Bestehen
Morgen Mittwoch feiert die Brauerzunft Region Basel im Basler Rathaus ihr 10-Jahre-Jubiläum. Gründer Istvan Akos ist stolz darauf, wie prächtig sich die Zunft über die Jahre entwickelt hat. Sie zählt ...
Brauerzunft Region Basel feiert ihr zehnjähriges Bestehen
Morgen Mittwoch feiert die Brauerzunft Region Basel im Basler Rathaus ihr 10-Jahre-Jubiläum. Gründer Istvan Akos ist stolz darauf, wie prächtig sich die Zunft über die Jahre entwickelt hat. Sie zählt aktuell 117 Mitglieder.
André Frauchiger
Herr Akos, was war der Hauptgrund für die Gründung der Brauerzunft vor zehn Jahren?
Istvan Akos: In Basel gibt es seit dem 12. Jahrhundert Brauereien. Es existierten in alter Zeit in Basel bis zu rund 110 Brauereien, was beweist, dass Bier immer getrunken worden ist. Bier wurde aber in den Restaurants nicht zusammen mit Wein angeboten. Die Basler Zünfte waren dagegen, Bier und Wein auszuschenken und stemmten sich gegen den Bier-Ausschank. Basel sollte Weinstadt bleiben. Das änderte sich erst unter dem Einfluss Napoleons I., der die Macht der Zünfte brach, und später auch mit dem Ausbau der Verkehrswege.
Das ist allerdings ein Weilchen her …
Ich hatte vor über zwei Jahrzehnten die Idee, eine Brauerzunft zu gründen, als Ergänzung und gleichgestellt wie die traditionellen Basler Zünfte. Die zuständige Bürgerratskanzlei war davon nicht begeistert. Deshalb habe ich als Initiant zusammen mit Gleichgesinnten vor zehn Jahren unabhängig von der Bürgergemeinde und den traditionellen Zünften die Brauerzunft Region Basel als Verein gegründet. Dies in der 120 Jahre alten Industriehalle von «Unser Bier» auf dem Gundeldingerfeld in Basel. Die Brauerzunft Region Basel ist aber unabhängig von «Unser Bier».
Wie viele Mitglieder zählt die Brauerzunft Region Basel heute?
Sie hat aktuell 117 Mitglieder, wobei sich auch Frauen, Auswärtige, Nicht-Basler und Nicht-Schweizer für eine Mitgliedschaft anmelden können. Wir haben nicht so strikte Bestimmungen. Unser zehnjähriges Bestehen feiern wir morgen Mittwochabend mit einem Festakt im Basler Rathaus.
Sind Sie seit Anfang «Meister»?
Ja. Ich bezeichne mich als Initiant, habe die Umsetzung aber im Team mit Gleichgesinnten vollzogen. Wir widmen uns nun seit zehn Jahren aktiv der Bierkultur.
Wie das?
Wir besuchen auch regelmässig andere Brauereien, im lokalen Bereich, aber auch in der übrigen Schweiz und im Ausland, und pflegen dabei interessante Kontakte. Es gibt bei uns auch ein paar Hobbybrauer. Wir sind aber ganz klar keine Interessengemeinschaft für alle Brauereien.
Wie hat sich die Brauerzunft seit ihrer Gründung entwickelt?
Sehr gut. Das Interesse an Bier und dessen Geschichte ist in der Bevölkerung gross.
Und wie hat sich der Biermarkt in den vergangenen zehn Jahren entwickelt – besonders in der Region?
Ich kann im Detail nur über die Brauerei «Unser Bier» reden. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie ging es «Unser Bier» sehr gut. Dann wurde es schwierig. Der Umsatz ging massiv zurück. Im vergangenen Jahr mussten sogar rote Zahlen geschrieben werden. Aber das Unternehmen ist eigenfinanziert, kommt deshalb trotz Umsatzrückgängen gut über die Runden und gehört zu den 20 grössten Brauereien in der Schweiz.
Die Brauereien haben es nicht leicht: Der Konsum von Bier und Wein in der Schweiz geht zurück; die WHO rät, den Alkoholkonsum so weit wie möglich zu reduzieren oder ganz auf Alkohol zu verzichten. Wie wirkt sich das alles auf die Verkäufe aus?
Vor rund 30 Jahren wurden – Kinder eingerechnet – pro Person und Jahr in der Schweiz 70 Liter Bier getrunken, heute sind es weniger als 50 Liter. Und der Rückgang beim Bierkonsum dauert an. Im Januar dieses Jahres um 0,9 Prozent, im Februar um 0,3 Prozent. Im vergangenen Jahr musste beim Bierkonsum insgesamt ein Rückgang um 2,9 Prozent verzeichnet werden. Der Marktanteil von alkoholfreiem Bier beträgt aktuell 8 Prozent. Er wächst, aber eben noch auf relativ tiefem Niveau.
Wie geht die Branche mit dieser Entwicklung um?
Wir müssen ihr mit Innovationen begegnen und neue Produkte kreieren. Die alkoholfreien Biere sind zwar auf dem Vormarsch, sie bewegen sich umsatzmässig aber immer noch auf einem relativ tiefen Niveau. Hier müssen wir dem Hebel ansetzen. «Unser Bier» hat im vorletzten Jahr ein alkoholfreies Amber-Bier auf den Markt gebracht, und vor ein paar Wochen das Pepi-Bier, ein alkoholfreies Amber-Bier mit Pepita, dies zusammen mit der Firma Eptinger. Das könnte erfolgreich sein.
Haben die Brauereien – auch die kleineren – mittel- bis langfristig eine Zukunft?
Grosse Brauereien leiden wie die kleinen Brauer unter dem Konsumrückgang. Als Reaktion auf diese Situation veranstalten die Grossen eine Rabattschlacht nach der anderen. Diese Rabattschlachten gehen aber voll zulasten der kleineren Brauereien. Diese können mit ihren Kostenstrukturen nicht mithalten.
Was zeichnet ein gutes Bier aus?
Bier muss den Konsumentinnen und Konsumenten beim Trinken einfach gut schmecken.
Verändert sich der Bier-Geschmack der Konsumentinnen und Konsumenten? Wenn ja, in welche Richtung?
Während des Bierkartells war definiert, wie das Blond-Bier schmecken muss. Das hat sich grundlegend geändert. Die Biervielfalt hat seit dem Wegfall des Kartells stark zugenommen. Craftbier war in den letzten Jahren sehr gefragt. Die Nachfrage danach ist aber aktuell rückläufig. Wir hoffen, dass geschmackvolle alkoholfreie Biere den Umsatzrückgang zumindest teilweise auffangen können.
Zur Person
fra. Istvan Akos ist 77 Jahre alt und Initiant und Gründer der Brauerei «Unser Bier» mit Hauptsitz im Basler Gundeldingerquartier. Er zeichnet heute als Ehrenpräsident der Brauerei, die eine Zweigstelle in Liestal unterhält. In Basel werden die Standardbiere und saisonalen Biere gebraut, in Liestal Bierspezialitäten und fassgereifte Craftbiere. Die Herstellung des Amber-Biers erfolgt ebenfalls im Baselbieter Hauptort. «Unser Bier» hat aktuell rund 11 670 Aktionäre.
Akos ist Rentner und AHV-Bezüger, wie er betont, ferner Kinder hütender Grossvater, Gartenpfleger, Hopfengarten-Betreuer von «Unser Bier», arbeitet im Marketing und in der Kommunikation der Brauerei und managt zwei Mal pro Jahr den Basler Weinmarkt für je rund 45 Aussteller. Ehrenamtlich ist er für den Verein Puma tätig, der Patenschaften für unbegleitete junge Asylsuchende als zusätzliche Unterstützung für deren Integration organisiert.

