«Wir versuchen zu helfen, wo wir können»
03.09.2026 SissachEbenrain-Zentrum feiert in einem herausfordernden Jahr seinen 70. Geburtstag
Die Trockenheit bringt Bauernbetriebe im Oberbaselbiet in finanzielle Bedrängnis. Der Kanton bietet Unterstützung – und hat gleichzeitig Grund zum Feiern. Am Sonntag steigt in Sissach das grosse ...
Ebenrain-Zentrum feiert in einem herausfordernden Jahr seinen 70. Geburtstag
Die Trockenheit bringt Bauernbetriebe im Oberbaselbiet in finanzielle Bedrängnis. Der Kanton bietet Unterstützung – und hat gleichzeitig Grund zum Feiern. Am Sonntag steigt in Sissach das grosse Fest beim Ebenrain.
Janis Erne
Plötzlich wird es dunkel und die Himmelsschleusen öffnen sich: Es donnert und regnet in Strömen. Als hätte der Rekordsommer nicht schon für genügend Überraschungen gesorgt, braust ausgerechnet während des Gesprächs mit Christoph Böbner ein kurzes, aber heftiges Gewitter über Sissach.
Nicht wegen zu viel Niederschlag, sondern wegen der extremen Trockenheit war der Ebenrain-Chef in den vergangenen Wochen ein gefragter Mann. Sowohl intern als auch extern: Die Dürre war in den Sommerferien das Thema in den Medien. Da der Jurabogen – und mit ihm das Baselbiet – ausserordentlich stark betroffen war, kam sogar die Spitze des Bundesamts für Landwirtschaft nach Wittinsburg, um über die Situation zu informieren (die «Volksstimme» berichtete). Vor rund einem Dutzend Medien aus dem ganzen Land gab dort auch Christoph Böbner Auskunft.
Innerhalb der Verwaltung mussten Böbner und seine Mitarbeitenden Massnahmen ausarbeiten, um Bauernbetrieben unter die Arme zu greifen, die finanziell an den Anschlag kommen. Diese Unterstützung läuft jetzt an, erste Anfragen sind beim Ebenrain eingegangen. «Unsere Einschätzung, dass es bei gewissen Betrieben zu Liquiditätsengpässen kommt, erweist sich als richtig», sagt Böbner. Einzelne Landwirte würden gar um ihre Existenz kämpfen.
Die Gründe sind vielschichtig: Wegen der Trockenheit sind die landwirtschaftlichen Erträge eingebrochen. Bei Kulturen, die nach Juli geerntet werden, sind sie stark zurückgegangen oder ganz ausgefallen. Gleichzeitig müssen Bauern Futter für ihre Tiere zukaufen. Das ist teuer, denn die Trockenheit traf weite Teile Mitteleuropas – und der Markt ist entsprechend überhitzt. Böbner hofft, dass nach den jüngsten Regenfällen in den Voralpen noch ein bis zwei Grasschnitte möglich sind und dadurch wieder mehr Futter auf den Markt kommt.
Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Preise für Milch und Schweinefleisch bereits vor dem Rekordsommer vergleichsweise tief waren. Die finanzielle Lage vieler Bauernbetriebe war also schon angespannt. Nun kommen zusätzliche Ausgaben für Futter und Bewässerung sowie Mehrarbeit infolge der Dürre hinzu. Und die Folgen werden nicht mit dem Sommer enden. Böbner erwartet, dass sie bis ins nächste Jahr reichen. Betriebe müssen teilweise ihren Tierbestand reduzieren, zudem sind Kulturen, Felder und Obstbäume geschädigt und teils sogar abgestorben.
Das Ebenrain-Zentrum reagiert mit verschiedenen Massnahmen. Bauern, die in finanzielle Nöte geraten, können sich Direktzahlungstranchen früher auszahlen lassen, Rückzahlungen von Investitionshilfen stunden oder Betriebshilfedarlehen beantragen. Letztere Massnahme hat der Regierungsrat erst gestern als Antrag zuhanden des Landrats vermeldet (siehe Kasten).
«Wir versuchen zu helfen, wo wir können», sagt Böbner und betont: Die Hilfestellungen würden keine zusätzlichen finanziellen Beiträge an die Landwirtschaft beinhalten, sondern lediglich Massnahmen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen in Form von rückzahlbaren Darlehen.
Doppeljubiläum in Sissach
Ausgerechnet in diesem äusserst schwierigen Jahr feiert das für Landwirtschaft, Natur und Ernährung zuständige Ebenrain-Zentrum ein Jubiläum: Am kommenden Sonntag führt der Kanton den 33. Ebenrain-Tag in Sissach durch. Erwartet werden 4000 bis 5000 Besucherinnen und Besucher. Das Ebenrain-Zentrum, das zusammen mit der Hauswirtschaftsschule vor 70 Jahren gegründet wurde, feiert ebenso einen runden Geburtstag wie das benachbarte gleichnamige Schloss: Dieses wird 250 Jahre alt.
Das Historische im Vergleich zu heute lag als Festmotto daher auf der Hand. Neben dem beliebten Bauernmarkt und Schlossführungen werden beispielsweise frühere Arbeitsgeräte und Anbaumethoden sowie Oldtimertraktoren ihren heutigen Pendants gegenübergestellt. Rund 60 Attraktionen, 40 Marktstände eingerechnet, sind geplant. Von einem Gewitter werden die Festbesucher wohl nicht überrascht: Der Wetterbericht prognostiziert ausschliesslich Sonne.
Bis zu 50 000 Franken pro Betrieb
je. Der Regierungsrat hat gestern mitgeteilt, dass er dem Landrat bis zu 2 Millionen Franken für Überbrückungskredite an Landwirtschaftsbetriebe beantragt, die wegen der Trockenheit in Liquiditätsengpässe geraten sind. Die zinslosen Darlehen sollen zwischen 10 000 und 50 000 Franken pro Betrieb betragen und innerhalb von maximal 10 Jahren zurückbezahlt werden. Besonders betroffen sind laut Regierung Betriebe mit Tierhaltung sowie solche mit bewässerungsintensiven Kulturen wie Obst, Beeren, Gemüse oder Kartoffeln.
Noch offen ist, ob sich der Bund ebenfalls beteiligt – in diesem Fall könnten insgesamt 4 Millionen Franken für Bauern in Not zur Verfügung stehen.



