«Wir müssen rechtzeitig einsteigen»
06.03.2026 SissachKonzept für die Zukunft des Oberbaselbiets stösst auf grosses Interesse
Der Verein Region Oberbaselbiet hat der Öffentlichkeit den Schlussbericht zu seinem Entwicklungskonzept vorgestellt. Mit diesem Konzept sollen die Gemeinden zukunftsfähig gemacht und ihre ...
Konzept für die Zukunft des Oberbaselbiets stösst auf grosses Interesse
Der Verein Region Oberbaselbiet hat der Öffentlichkeit den Schlussbericht zu seinem Entwicklungskonzept vorgestellt. Mit diesem Konzept sollen die Gemeinden zukunftsfähig gemacht und ihre Stellung gegenüber dem Kanton verbessert werden. Dafür ist Mithilfe nötig.
Sander van Riemsdijk
Bahnhofsgebiete sollen aufgewertet, die Verkehrssituation verbessert und das Gewerbe gefördert werden – das sind einige der Empfehlungen des Regionalen Entwicklungskonzepts (REK) für die nächsten 15 Jahre. An einer öffentlichen Veranstaltung stellte der Verein Region Oberbaselbiet (ROB) am Mittwochabend das Konzept vor. Die Aula der Sekundarschule Tannenbrunn in Sissach war gut gefüllt. Als Referenten fungierten ROB-Präsident Peter Buser, der zugleich Sissacher Gemeindepräsident ist, Vize-Präsident Dorian Wernli (Gemeindeprä- sident Maisprach) und Vorstandsmitglied Henri Rigo (Gemeindepräsident Ormalingen). Der REK-Schlussbericht ist 101 Seiten lang (siehe auch «Volksstimme» vom vergangenen Freitag).
Nach der Begrüssung erklärte Peter Buser den Aufbau des REK. Die Ideen des Konzepts wurden in zahlreichen Workshops, Arbeitsgruppen und Gesprächsrunden in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung erarbeitet. Henri Rigo referierte über zwei der insgesamt vier Schwerpunkte: «Siedlungsentwicklung» und «Verkehr». Dorian Wernli stellte die Schwerpunkte «Landschaft und Freiraum» sowie «Regionalökonomie» vor. Die im Konzept vorgeschlagenen Massnahmen sind für die Gemeinden nicht bindend. Sie sollen bei künftigen Entscheidungen eine unterstützende und orientierende Wirkung entfalten und aufzeigen, wie Gemeinden gemeinsam Herausforderungen angehen können.
Hinsichtlich Siedlungsentwicklung spiegelte Rigo die Wünsche der Bevölkerung wider: wohnenswerte Gebiete, Arbeitsplätze, Dienstleistungen und die Lebendigkeit eines Dorfes. Zum Thema Verkehr führte er aus, dass «der Individualverkehr sehr zugenommen hat, insbesondere auf der Achse Ormalingen–Sissach». Er plädierte für die Förderung des öffentlichen Verkehrs in Richtung Aarau/ Fricktal und Olten, für die Reduktion des Durchgangsverkehrs sowie für eine Aufwertung der Ortsdurchfahrten. Zudem hielt er fest, dass die Gemeinden ihre Bedürfnisse und Wünsche rechtzeitig einbringen sollten, wenn Änderungen im kantonalen Strassennetz geplant sind. Das grösste Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahren soll entlang der Achse Itingen–Sissach–Böckten–Gelterkinden–Ormalingen stattfinden.
Wernli sprach über die Sicherung siedlungsnaher Erholungsgebiete – «für eine attraktive Naherholung der Bevölkerung» – sowie über eine sanfte regionale Tourismusförderung. Im Rahmen der Regionalökonomie hob er die Optimierung von Gemeindeverwaltungen im Rahmen von Verbünden hervor: «Viele Gemeinden können sich dies vorstellen.»
Ohne Bevölkerung geht es nicht
Um die Ziele des Entwicklungskonzepts zu erreichen, sind neben der Unterstützung aus der Bevölkerung auch gezielte Massnahmen und Sichtbarkeit erforderlich. Der Zeitrahmen reicht bis 2040, jedoch ist dieser Termin laut Peter Buser nicht sakrosankt. «Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.»
Mit diesen Worten informierte der ROB-Präsident über das weitere Vorgehen. Dabei setzt der Verein auf Arbeitsgruppen mit Leuten aus den Gemeinden. Diese erarbeiten Projekte zu den Themen «Sportanlagen und Freizeit», «Energieplanung der Zukunft (Erdwärme)», «Dorfentwicklung» und «Jungbürgerfeiern».
In der abschliessenden Podiumsdiskussion mit dem Moderator und Zunzger Gemeinderat Ettore Candolfi führte Henri Rigo aus: «Wir müssen rechtzeitig einsteigen, wenn der Kanton mit Richtplanungen kommt.» Ebenso betonte er die Wichtigkeit der Mitsprache des Volkes im Prozess. «Wir müssen hören, was die Bevölkerung sagt, und sie aktiv in den weiteren Prozess einbeziehen.» Diese Meinung vertrat auch Dorian Wernli: «Wenn wir die Bevölkerung im Prozess mitnehmen, wird es ein gutes Resultat geben.»
Peter Buser sieht die Gewinnung von Mitgliedern für die verschiedenen Arbeitsgruppen als die grösste Herausforderung. Auf die Frage aus dem Publikum nach der Finanzierung der im REK vorgesehenen Massnahmen antwortete Buser, dass der Verein neben den Mitgliederbeiträgen der beteiligten Gemeinden auf Drittmittel von Bund, Kanton und Stiftungen angewiesen sei. Bereits nächsten Monat möchte der Verein mit der Umsetzung erster Massnahmen beginnen.
Das ist der Verein svr.
Der Verein Region Oberbaselbiet wurde im Jahr 2019 gegründet. Er verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen seinen Mitgliedgemeinden zu vertiefen. Zudem sollen Interessen gebündelt werden, um gegenüber dem Kanton und anderen Regionen als starker Partner aufzutreten. Mitglieder sind 22 Gemeinden: Anwil, Böckten, Diegten, Diepflingen, Eptingen, Gelterkinden, Itingen, Kilchberg, Maisprach, Oltingen, Ormalingen, Rickenbach, Rothenfluh, Rünenberg, Sissach, Tecknau, Tenniken, Thürnen, Wenslingen, Wittinsburg, Zeglingen und Zunzgen.

