«Wir können gerne noch ein paar Jahre anhängen»
02.10.2026 Sport, FussballKarsten Surmann gastiert zum 20. Mal auf der Wolfstiege
Bereits zum 20. Mal leitet der Ex-Bundesliga-Profi Karsten Surmann eine Trainingswoche auf der Gelterkinder Wolfstiege. 78 Mädchen und Knaben verbringen fünf Tage auf dem Fussballplatz und geniessen abwechslungsreiche ...
Karsten Surmann gastiert zum 20. Mal auf der Wolfstiege
Bereits zum 20. Mal leitet der Ex-Bundesliga-Profi Karsten Surmann eine Trainingswoche auf der Gelterkinder Wolfstiege. 78 Mädchen und Knaben verbringen fünf Tage auf dem Fussballplatz und geniessen abwechslungsreiche Einheiten.
Heinz Degen
Herr Surmann, was motiviert Sie auch nach 20 Jahren noch, mit Ihrem Team für eine Woche nach Gelterkinden zu fahren?
Karsten Surmann: Ich bin immer noch hoch motiviert. Seit mehr als 20 Jahren kann ich das tun, was ich am liebsten mache. Ich hatte nach meiner Karriere viele Möglichkeiten und Angebote, habe aber bald gemerkt, dass mir die Arbeit mit Kindern am meisten Spass macht. Nach Gelterkinden kommen wir sehr gerne. Da passt einfach alles – mit dem Staff, mit den Eltern. Da nehme ich auch immer meine «Lieblingstrainer» mit.
Was möchten Sie den Kindern in dieser Woche jeweils vermitteln?
Wir versuchen, die Kinder individuell besser zu machen. Basiselemente wie das Passspiel, die Schusstechnik und das «vernünftige Miteinanderspielen» stehen im Mittelpunkt. Damit meine ich, dass zum Beispiel bei einem Spiel 8:8, auch wenn in einem Team sechs Stürmer stehen, die Kids lernen, dass sie einander helfen und sich im Verbund organisieren müssen und dass sie lernen, wie sie sich auf engerem Raum als gewöhnlich zu verhalten haben.
Was macht für Sie die Fussballschule in Gelterkinden aus?
Von den Kindern her ist es einfach harmonischer. Wenn wir mit der Fussballschule in die Grossstädte fahren, nach Berlin oder auch Hannover, sind vor allem die Jungs schon «anders drauf». Da muss man viel öfter eingreifen. Hier haben wir uns von allem Anfang an wohlgefühlt. Von Vorteil ist, dass fast ausschliesslich Kinder des FC Gelterkinden dabei sind. Das ist für uns wie ein Traum. Es kommen jahrelang die gleichen Kids, man lernt Eltern kennen, knüpft Kontakte, es entstehen Freundschaften.
Dass eine solche «Partnerschaft» 20 Jahre läuft – ist das die Regel?
Nein, das ist speziell und einmalig. Klar, wir fahren seit Jahren im Sommer für Fussballcamps an die Ostsee. Dort kommen Kinder zu uns, die da in den Ferien weilen, also jedes Jahr andere Gesichter. Nicht zu vergleichen mit der hiesigen Kontinuität, wo die meisten über Jahre immer dabei sind.
Ist die Gelterkinder Fussballwoche Ihre einzige in der Schweiz?
Dieses Jahr haben wir über Ostern erstmals auch eine Woche in Zeiningen durchgeführt.
Was hat sich in der langen Zeit verändert und weiterentwickelt?
Die Fussballwoche ist bis zu den D-Junioren ausgeschrieben. Wir hatten aber in den letzten Austragungen auch C-Junioren, die noch «Bock» hatten und gerne nochmals dabei gewesen wären. Wenn wir sie gut kennen, haben wir Ausnahmen gemacht und sie in die bessere D-Junioren-Gruppe integriert. Das hat immer bestens geklappt, weil sie unsere Regeln kennen und sich daran gehalten haben.
Haben sich die Kinder und ihre Fähigkeiten gewandelt?
Ich habe festgestellt, dass viele Kinder zwar gerne Fussball spielen, aber nicht mehr den dafür notwendigen Aufwand betreiben wollen. Corona war ein deutlicher Einschnitt. Mein Eindruck ist, dass vielen zwei Jahre Fussball fehlen. Es war ein Drama, wie Kinder zum Teil eingeschränkt waren – vor allem beim Sport. Viele haben sich umgewöhnt und für andere Dinge interessiert. Auch höre ich aus den Vereinen, dass die Ausdauer fehle. Sobald etwas nicht mehr ganz rund läuft, eine Kritik zu vernehmen ist, würden viele von einem Tag auf den anderen aufhören. Die Kritikfähigkeit hat stark nachgelassen – und es fehlt auch der Druck der Eltern, dass Kinder auch einmal etwas durchziehen sollen, wenn es nicht so tolle Phasen gibt. Mindestens für eine gewisse Zeit.
Gibt es bleibende Erlebnisse aus den 20 Jahren?
Die Organisatoren und Sponsoren haben mit uns ja tolle Sachen gemacht. So haben wir vor Beginn der Trainingswoche spontane Ausflüge in der Schweiz unternommen oder hatten die Möglichkeit, jedes internationale Spiel des FC Basel, das in unserer Woche stattgefunden hat, zu sehen. Ich hatte meistens in der Gelterkinder Woche Geburtstag. Da hat mir die Crew immer wieder tolle Überraschungen beschert. Und was mich sehr berührt hat: Wir waren vor zwei Jahren beim Baschi-Konzert auf dem Dorfplatz hier. Da haben mich sicher mehr als 30 ehemalige Teilnehmende, in der Zwischenzeit erwachsen geworden, angesprochen und sich gefreut, mich zu sehen. Wenn die dich heute noch grüssen und sagen, komm, trinken wir ein Bier zusammen, dann hast du vieles richtig gemacht …
Wie lange planen Sie noch weiterzumachen?
Ich habe im vergangenen Jahr für mich geplant, in dieser Form – also aktiv – noch zwei, drei Jahre dabei zu sein. Leider ist da ein medizinisches Problem dazwischengekommen. Ich habe Probleme mit meiner Muskulatur. Das schränkt mich in meiner Tätigkeit auf dem Platz schon ein. Im nächsten Monat wird abgeklärt, was genau das Problem ist und ob mir kurzfristig geholfen werden kann. Aber in der Organisation werde ich sicher noch ein paar Jahre weitermachen. Ich habe dafür auch schon das Trainerteam kontinuierlich verjüngt. Ich hoffe natürlich, dass es auch hier weitergeht. Wenn die Woche ja immer ausgebucht ist, warum sollte es nicht? Von mir aus jedenfalls können wir ruhig noch ein paar Jahre anhängen.»
Von der «Bieridee» zur Erfolgsgeschichte
hed. Die Gelterkinder Herbstfussballschule wurde 2007 von Willi Rudin (von 2012 bis 2017 Präsident des FCG) ins Leben gerufen. Sein Sohn besuchte anlässlich der Sommerferien der Familie auf Mallorca das Trainingscamp der Fussballschule Michael Rummenigges. Geleitet wurde der Kurs von Karsten Surmann. Bei einem Bier nach einer Trainingseinheit fragte Willi Rudin den ehemaligen Bundesliga-Profi, ob er sich vorstellen könnte, eine solche Trainingswoche auch in Gelterkinden durchzuführen.
Da Surmann dies nicht ausschloss, wurde Rudin nach den Ferien beim FCG-Vorstand vorstellig. Der Verein gab grünes Licht – sofern der Anlass organisatorisch und finanziell unabhängig bliebe. In kürzester Zeit stellte Rudin ein OK zusammen, akquirierte Sponsoren, und bereits in den Herbstferien fand die erste Ausgabe auf der Wolfstiege statt. In der Zwischenzeit ist bereits die vierte OK-Crew federführend. Der Anlass weist bei der 20. Ausgabe eine Rekordbeteiligung auf.
Zur Person
hed. Karsten Surmann ist 1959 in Hildesheim geboren. 1980 wurde er bei Hannover 96 Fussballprofi und blieb dem Verein bis 1992 als Mittelfeldspieler treu. Surmann stieg mit Hannover zweimal in die erste Bundesliga auf, zweimal aber auch wieder ab. Zum Karriereende spielte er noch eine Saison für den FC St. Pauli und zwei Spielzeiten für den VfL Osnabrück. Sein grösster sportlicher Erfolg war der Pokalsieg 1992 mit Hannover 96, als das Team aus der 2. Bundesliga mit Surmann als Captain auf dem Weg zum Pokalsieg fünf Erstligisten besiegte.

