«Wir dürfen nicht einfach abwarten»
02.07.2026 SissachImker Raymond Held zur «Bienen-Initiative»
Raymond Held aus Ormalingen ist geschäftsführender Vizepräsident des Bienenzüchtervereins Sissach, Kursleiter und Bieneninspektor der Region Sissach Nord. Er fordert mehr Bewusstsein für Bestäuberinsekten ...
Imker Raymond Held zur «Bienen-Initiative»
Raymond Held aus Ormalingen ist geschäftsführender Vizepräsident des Bienenzüchtervereins Sissach, Kursleiter und Bieneninspektor der Region Sissach Nord. Er fordert mehr Bewusstsein für Bestäuberinsekten und die Biodiversität. Dazu gibt es eine Initiative.
Brigitt Buser
An diesem Nachmittag herrscht am Bienenstand von Raymond Held noch reger Flugbetrieb unter den Bienenvölkern. Nach einigen sonnigen und heissen Frühsommertagen kündigt sich ein Wetterwechsel an. Solche Veränderungen nehmen die Bienen früh wahr und reagieren sensibel darauf, sagt der Vizepräsident des Bienenzüchtervereins Sissach.
Held kontrolliert einen sogenannten Laurenzkasten. In diesem speziellen Zuchtkasten können bis zu vier junge Königinnen gleichzeitig herangezogen werden. Eine davon gilt es unter Tausenden von Bienen ausfindig zu machen. Nach kurzer Suche entdeckt er sie zwischen den Arbeiterinnen, entnimmt sie vorsichtig und markiert sie für ihren späteren Einsatz in einem neuen Bienenvolk. Im Anschluss beantwortet Raymond Held Fragen zur kürzlich lancierten «Bienen-Initiative».
Herr Held, zum internationalen Tag der Biene am 20. Mai wurde die Volksinitiative «Für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten» lanciert. Wie stehen Sie dazu?
Raymond Held: Ich begrüsse die Lancierung der «Bienen-Initiative» ausdrücklich. Sie setzt ein wichtiges Zeichen für den Schutz der Bestäuberinsekten und die Förderung der Biodiversität. Die Diskussion rund um die Initiative hat gerade erst begonnen und sollte meines Erachtens noch stärker in die Bevölkerung getragen werden. Gerade hier können wir alle einen wichtigen Beitrag leisten, indem wir die Unterschriftensammlung aktiv unterstützen.
Als geschäftsführender Vizepräsident des Bienenzüchtervereins Sissach sind Sie sicherlich auch bestrebt, dass sich die Vereinsmitglieder für die Initiative einsetzen. Warum?
Als Imkerinnen und Imker stehen wir täglich in direktem Kontakt mit der Natur und erleben die Veränderungen in unserer Umwelt unmittelbar. Dadurch können wir unsere Erfahrungen aus der Praxis glaubwürdig in die Diskussion einbringen. Gespräche an Märkten, bei Vereinsanlässen oder im persönlichen Umfeld helfen, das Bewusstsein für die Bedeutung der Bestäuberinsekten und der Biodiversität weiter zu stärken.
Was soll die Initiative Ihrer Ansicht nach bewirken?
Bienen und andere Bestäuber leisten einen enorm wichtigen Beitrag für unsere Natur, die Landwirtschaft und letztlich auch für unsere Nahrungssicherheit. Oft wird vergessen, dass neben der Honigbiene auch Wildbienen, Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insekten zunehmend unter Druck geraten. Der Rückgang von Lebensräumen, fehlende Nahrungsquellen und verschiedene Umweltfaktoren setzen viele Bestäuberinsekten zunehmend unter Druck. Aus meiner Sicht setzt die Initiative deshalb ein wichtiges Zeichen. Sie bringt das Thema Bestäuberförderung stärker ins öffentliche Bewusstsein und fordert, dass der Schutz dieser Tiere langfristig verankert wird. Gerade als Imkerin oder Imker erlebt man direkt, wie Wetterextreme, fehlende Trachtpflanzen und klimatische Veränderungen die Bienen negativ beeinflussen.
Die Schweiz belegt bei der Biodiversität im europäischen Vergleich einen der hinteren Plätze. Trägt die «Bienen-Initiative» dazu bei, diese Probleme zu lösen?
Es ist wichtig, sachlich zu bleiben. Eine Initiative allein wird die bestehenden Probleme nicht lösen. Entscheidend wird sein, wie praktikabel und ausgewogen eine spätere Umsetzung erfolgen kann. Landwirtschaft, Naturschutz und Imkerei dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Viele Landwirte leisten bereits heute wertvolle Arbeit zugunsten der Biodiversität. Nachhaltige Lösungen funktionieren nur gemeinsam und nicht mit Schuldzuweisungen. Der weit über die Region hinaus bekannte Obstgarten Farnsberg zeigt eindrücklich, dass Landwirtschaft, Naturschutz und Imkerei keine Gegensätze sein müssen.
Seit vielen Jahren darf ich hier meine an drei Standorten verteilten Bienenvölker halten. Für mich ist dieses Vorzeigeprojekt ein hervorragendes Beispiel dafür, dass nachhaltige Lösungen dann entstehen, wenn alle Beteiligten gemeinsam am gleichen Ziel arbeiten.
Wie unterstützen Sie die Initiative persönlich?
Ich unterstütze die Initiative aktiv als Bezirkskoordinator und Unterschriftensammler, weil ich überzeugt bin, dass wir beim Thema Biodiversität nicht einfach abwarten dürfen. Dabei geht es nicht nur um die Honigbiene, sondern um ein funktionierendes Ökosystem, um Artenvielfalt und letztlich darum, welche Landschaft wir zukünftigen Generationen hinterlassen wollen. Jede Unterschrift ist ein Zeichen dafür, dass uns die Zukunft unserer Bestäuber, die Biodiversität und eine vielfältige Kulturlandschaft nicht gleichgültig sind. Ich hoffe deshalb, dass möglichst viele Menschen die «Bienen-Initiative» unterstützen.


