Frau Dimetto, wie beurteilen Sie als Leiterin eines Altersheims das Konzept Demenzdorf?
Mireille Dimetto: Ich und auch meine Kolleginnen und Kollegen in anderen Alterseinrichtungen sind dem Projekt gegenüber interessiert, offen und positiv gestimmt. Die Reportagen, die ...
Frau Dimetto, wie beurteilen Sie als Leiterin eines Altersheims das Konzept Demenzdorf?
Mireille Dimetto: Ich und auch meine Kolleginnen und Kollegen in anderen Alterseinrichtungen sind dem Projekt gegenüber interessiert, offen und positiv gestimmt. Die Reportagen, die ich bislang über Demenzdörfer gesehen habe, waren spannend und interessant. Bei vorhandenen Bauplatzkapazitäten ist es eine absolut passende Idee, um die Versorgungskonzepte im Baselbiet und darüber hinaus optimal zu ergänzen.
Wo sehen Sie Vor- und Nachteile eines Demenzdorfs gegenüber einer Unterbringung in einem Heim wie in Ihrem?
Die Finanzierung ist allenfalls ein Kriterium, das angeschaut werden muss, denn die Strukturen und das Angebot könnten kostenintensiver sein als in einem Haus wie dem unsrigen. Viele Demenzpatienten haben ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich zu bewegen, und werden sich in einer grossen, geschützten Umgebung wohler fühlen. Andere hingegen könnten überfordert sein und bräuchten ein klares, überschaubares Setting. In jedem Fall ist es wichtig, den Menschen und seine Bedürfnisse und sein Krankheitsbild gut zu kennen, um die bestmögliche Einrichtung zu finden. Umso mehr ist die Diversifikation von Angeboten auf dem Markt für die Zukunft unabdingbar.
Würde das Dorf für andere Heime eine Entlastung bringen?
Grundsätzlich brauchen wir mehr Lösungen, die ineinandergreifen. Die Versorgungsketten sind noch nicht lückenlos und die demografische Entwicklung zeigt, dass wir schnell handeln müssen. Viele hochaltrige Menschen kommen mit multiplen Krankheitsbildern ins Setting der Langzeitpflege. Ein Grossteil davon mit einer demenziellen Erkrankung. Somit werden alle Institutionen der Langzeitpflege weiterhin mit Demenzpatienten zu tun haben. Ein Demenzdorf ist eine Erweiterung und generell eine Entlastung für den steigenden Platzbedarf. Dass unser Haus in Sissach direkt eine markante Auswirkung auf die Bettenbelegung spüren wird, glaube ich nicht. Es ist jedoch wichtig, dass Zukunftsprojekte aufeinander abgestimmt werden, damit eine optimale Versorgungslandschaft entsteht.