«Winterfussball» auf Sissacher Eis
26.02.2026 Sport, Weitere SportartenDrei Teams spielten auf der «Kunsti» um den nationalen Titel
In Sissach wurde der Schweizer Meister im Bandy gekürt. Die hierzulande noch junge und wenig bekannte Sportart – eine Mischung aus Land- und Eishockey sowie Fussball – sucht ihren Platz in der Schweiz ...
Drei Teams spielten auf der «Kunsti» um den nationalen Titel
In Sissach wurde der Schweizer Meister im Bandy gekürt. Die hierzulande noch junge und wenig bekannte Sportart – eine Mischung aus Land- und Eishockey sowie Fussball – sucht ihren Platz in der Schweiz und setzt auf Wachstum.
Sander van Riemsdijk
Am vergangenen Sonntag wurde auf der Kunsteisbahn in Sissach der Final der Swiss Bandy League ausgetragen – mit nur drei Teams. Eine Schweizer Meisterschaft mit lediglich drei Vereinen mag ungewöhnlich klingen, doch die Sportart Bandy gibt es hierzulande erst seit drei Jahren im Ligabetrieb.
Gespielt wurde im sogenannten Short- oder Rink-Bandy: 2-mal 20 Minuten auf dem üblichen, kleineren Eishockeyfeld in der Halle. Im Unterschied zur traditionellen Variante, die auf einem fussballfeldgrossen Eis meistens unter freiem Himmel stattfindet, passt sich die Schweizer Version der vorhandenen Infrastruktur an. In Sissach wurde der Meister erstmals im Finalturniermodus ermittelt (die «Volksstimme» berichtete).
Neben dem letztjährigen Sieger Rinkball Dübendorf kämpften der Bandy Club Val-de-Travers und der Bandy Club Grand Chasseral um den Titel. Gespielt wurde in gemischten Teams, was im Sport eine Seltenheit ist, im Bandy aber schon seit der Gründung existierte. Titelverteidiger Dübendorf ging mit 12 Punkten aus der Saison als klarer Favorit ins Turnier. Eine Qualifikation gab es vor dem Final nicht – bei nur drei Teams sind alle automatisch gesetzt.
Nischensport mit Tradition
Bereits um 9 Uhr morgens fiel der Startschuss in der noch leeren Halle. Aus den Lautsprechern dröhnte House-Musik, die Kommandos der Spielerinnen und Spieler hallten über das Eis – familiär und doch ambitioniert.
Bandy gilt als Vorläufer des Eishockeys und ist in Ländern wie Schweden oder Russland populär. In der Schweiz hingegen fristet die Sportart ein Nischendasein. «Bandy ist älter als Eishockey, gewann aber erst in den vergangenen Jahren an Popularität», sagt Thierry Page, Nationaltrainer der Frauen.
Der Ursprung des Schweizer Bandys liegt im Val-de-Travers im Jura, wo Page eine erste Mannschaft aufbaute. International ist der Rückstand gross: «Andere Länder verfügen über ganz andere finanzielle Mittel und Infrastrukturen», erklärt Page.
Finanziert wird der Spielbetrieb über Sponsoring, Crowdfunding – und zu einem grossen Teil aus eigener Tasche. «Wir stehen mit Bandy in der Schweiz erst am Anfang einer Entwicklung», sagt Chanel Gilomen vom Bandy Club Grand Chasseral. «Um bekannter zu werden, spielen wir bewusst an verschiedenen Orten – und stellen ein wachsendes Interesse fest.»
Tatsächlich ist Bandy für den Zuschauer zunächst gewöhnungsbedürftig. Einfach erklärt ist Bandy Landhockey auf dem Eis. Gespielt wird vier gegen vier mit einem leuchtend roten Kunststoffball. Gefragt sind Spielübersicht, Schnelligkeit, Technik und Geschicklichkeit.
Da es schweizweit nur drei Teams gibt, kennt man sich gut. «Wir sind wie ein geschlossener Kreis und sind immer unter uns», sagt Gian Luca Beeler, Co-Organisator der Finalrunde und Spieler von Rinkball Dübendorf. Turniere wie jenes am Sonntag in Sissach sollen helfen, diesen Kreis zu öffnen.
Am Ende setzte sich der Favorit beim Finalturnier durch: Rinkball Dübendorf verteidigte den Titel. Zweiter wurde der Bandy Club Valde-Travers, Dritter der Bandy Club Grand Chasseral.
Bandy – kurz erklärt
svr. Bandy ist eine Ball- und Teamsportart, die auf Eis ausgetragen wird. Sie ist der Vorläufer des heutigen Eishockeys. Die Sportart hat ihren Ursprung in England und hat sich im Lauf der Jahre vor allem in Skandinavien, Russland, Nordamerika und den baltischen Staaten verbreitet. Bandy wird auch als «Winterfussball» bezeichnet, da es im Original auf Fussballfeld-Grösse gespielt wird, und erfordert eine hohe Ausdauer, Geschicklichkeit und Taktik.
In der Schweiz wird der Sport aufgrund der Infrastruktur auf den üblichen, kleineren Eisplätzen ausgetragen. Gespielt wird in der Liga in gemischten Viererteams mit einem kleinen Ball aus rotem Kunststoff. Die Schweiz verfügt sowohl über ein Frauen- als auch ein Männer-Nationalteam.

