Willy Weber-Thommen, Gelterkinden
23.04.2026 GelterkindenVielen Leuten im Oberbaselbiet und darüber hinaus sind Willy Webers «Baselbieter Rahmtäfeli» (oder in hiesiger Mundart: Ruundääfeli) auch heute noch ein Begriff. Von seinem Vater Willy Weber senior hatte Willy 1962 ein kleines Confiseriegeschäft übernommen, ...
Vielen Leuten im Oberbaselbiet und darüber hinaus sind Willy Webers «Baselbieter Rahmtäfeli» (oder in hiesiger Mundart: Ruundääfeli) auch heute noch ein Begriff. Von seinem Vater Willy Weber senior hatte Willy 1962 ein kleines Confiseriegeschäft übernommen, mit einer einfachen Produktionsanlage im Keller des Wohnhauses am Gelterkinder Kirchrain. Mit viel Fleiss und unternehmerischem Flair formte er über die Jahre daraus eine florierende mittelständische Firma. Davon zeugte schliesslich auch die neu gebaute Fabrik beim Gelterkinder Bahnhof.
Wichtig für den Erfolg war nicht zuletzt das Geschäft mit Firmenkunden: So kaufte etwa Mövenpick grosse Mengen «Rahmtäfeli» für die Glaceproduktion («Caramelita»). Bis zu 250 Tonnen Rahmtäfeli und Halbfabrikate verliessen jährlich die Gelterkinder Fabrik. Ein anderes seiner Produkte war weniger einträglich, genoss bei Kennern aber Kultstatus: die feinen Knusperrollen.
Willy Weber war ein Patron, aber einer der leisen Töne. Auch so verstand er es hervorragend, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen und zu motivieren. Sie bedankten sich für seine soziale Unternehmensführung mit Loyalität und einer Verbundenheit, die bei manchen auch nach der Pensionierung anhielt.
Viele Unternehmer scheitern an der letzten grossen Hürde in ihrer Karriere: dem Loslassen-Können, dem Abschiednehmen von ihrem grossen Projekt. Willy Weber-Thommen bewies auch hierin grosses Geschick und gutes Timing, als er Ende 1993 sein Unternehmen an die Münchensteiner André Klein AG (Läckerlihuus) verkaufte.
Vielleicht gelang dies so gut, weil er immer vielfältige Interessen gepflegt hatte und weil er auch ein ausgesprochener Familienmensch war. Der 1935 geborene Willy wuchs am Kirchrain als behütetes Einzelkind auf. Seine Kindheit war von den Kriegsjahren geprägt. Nach einem Velounfall im Primarschulalter erlitt er eine Hirnblutung, die eine bleibende Lähmung im Bein zur Folge hatte – eine Einschränkung, mit der er sein Leben lang umzugehen wusste.
Er besuchte die Primarschule in Gelterkinden und die Bezirksschule Böckten und absolvierte danach eine KV-Lehre. Früh zeigte sich seine besondere Begabung für Sprachen. Während seiner Lehr- und Wanderjahre machte er in verschiedenen europäischen Ländern Station: in der Westschweiz, in Paris, wo er Geschäftsfranzösisch erlernte, und in Bournemouth, wo er seine Englischkenntnisse vertiefte. Diese Zeit prägte ihn nachhaltig und legte den Grundstein für seine Weltoffenheit. Später arbeitete er unter anderem als Fremdsprachenkorrespondent in einer Seidenfabrik in Como.
Ein Spanischsprachkurs war es dann auch, der ihn – zurück im Oberbaselbiet – mit der Liebe seines Lebens zusammenbrachte: Die Kursteilnehmerin Vreni Thommen und er verliebten sich ineinander und heirateten bald. Gemeinsam zogen sie die Töchter Christine und Eva auf, mit denen die Eltern stets eng verbunden blieben. Später begleiteten sie voller Liebe und Fürsorge die Wege ihrer vier Enkelkinder.
Mit seiner manchmal fast pingeligen Genauigkeit und seinem Sprachgefühl war Willy der ideale Sparringpartner und Lektor für Vreni, die sich bald als Mundartschriftstellerin einen Namen machte. Zusammen pflegten sie einen grossen Kreis von Freunden, die sie auch gerne und gut bekochten. Bis ins höhere Alter verfügte Willy über eine aussergewöhnliche, manchmal etwas nervöse Energie, die es ihm erlaubte, neue Projekte anzupacken. Er eignete sich sogar die russische Sprache an und unternahm ausgedehnte Reisen, stets interessiert an anderen Ländern und Sitten. Auf seinen Reisen sammelte Willy auch Rezepte, mit denen er dann zu Hause für Familie und Freunde feine Mahlzeiten zubereitete.
Als dann die körperlichen und geistigen Kräfte nachliessen, fand er im Zentrum Ergolz in Ormalingen einen Rückzugsort, auch wenn ihm zunächst der Abschied vom schönen Haus am Gelterkinder Kirchrain nicht leichtfiel – er hatte dort quasi sein ganzes Leben verbracht. Aber er wurde im Altersheim sehr gut umsorgt und freute sich über die Besuche von Familie und Freunden. Bis zuletzt blitzte in Gesprächen sein manchmal etwas sarkastischer Humor auf.
Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner Ehefrau Vreni ist Willy Weber-Thommen am 28. März 2026 im Alter von 91 Jahren gestorben.
Moritz Thommen
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