Willkommen in der «Badi» – mit Anstand
21.05.2026 SissachNahkampfzone Gartenbad: Es geht auch ohne Stress
Zwischen Chlorgeruch und Sonnencreme liegt ein stiller Vertrag: Rücksicht macht den Sommer besser. Dieser Knigge zum Start in die Gartenbad-Saison erinnert daran. Mit einem Augenzwinkern.
Daniel ...
Nahkampfzone Gartenbad: Es geht auch ohne Stress
Zwischen Chlorgeruch und Sonnencreme liegt ein stiller Vertrag: Rücksicht macht den Sommer besser. Dieser Knigge zum Start in die Gartenbad-Saison erinnert daran. Mit einem Augenzwinkern.
Daniel Aenishänslin
Fotos. Mit dem Fotografieren ist das so eine Sache. Viele, die baden, möchten abtauchen — nicht ungefragt im Hintergrund auftauchen. Darum am besten nur den eigenen Sonnenbrand und den der eigenen Familie fotografieren. Nicht vergessen: Auch Selfies haben einen Hintergrund. Manchmal braucht es sogar die Einwilligung der Betriebsleitung.
Problemzone Beckenrand. Der Ort ist gänzlich ungeeignet, um seine Pommes zu essen, seine Cola zu trinken oder für eine Zigarette davor. Besser nichts in das Becken bröseln, denn der Inhalt soll ja nicht zur Suppe verkommen. Als Faustregel gilt: Rauchen, essen und trinken mit etwas Abstand zum Becken. Das Wasser hat schon genug Geschmack.
Bademode: Der Sprung ins kühle Nass gelingt eleganter in typischer, artgerechter Badebekleidung. Jeans und andere Strassenkleidung trocknen schlecht und schwimmen noch schlechter. Und schliesslich soll das Freibad nach Sommer riechen, nicht nach Umkleidekabine.
Hygiene: Alle, die mit Ihnen die Badi teilen, hoffen darauf. Auf die Dusche vor dem Baden, denn weder ist das Becken gebaut für ein Kräuterbad, noch wartet es auf frisch mit Sonnencreme Marinierte. Das Wasser im Becken ist zum Schwimmen da, nicht zum Waschen. Abschliessend: Bitte Toiletten nutzen. Wirklich nur die Toiletten.
Musik: Wir hören alle gerne Musik. Trotzdem gibt es Einschränkungen. Ihr Sommerhit muss nicht automatisch unser Sommerhit sein. Bluetooth-Boxen haben leider keinen integrierten Geschmackstest. Auch die Lautstärke spielt eine Rolle. Wenn drei Liegewiesen weiter mitgesungen wird, ist die Musik vermutlich zu laut. Um gleich beide Konfliktbereiche elegant zu umgehen, empfehlen wir Ohrhörer: kleine Erfindung, grosse Wirkung.
Telefonieren: Sie sind CEO, Bestatterin oder Gemeindepräsidentin. Also wichtig. So wichtig, dass ein Nachmittag in der Badi ohne Handy nicht immer möglich ist. Dabei gilt, mit Rücksicht telefonieren. Es hat bereits genug Hintergrundgeräusche. Also Ja zum Telefonieren. Aber: Die wichtigsten Nachrichten überleben auch ohne Lautsprecher. So leise halt, dass niemand unfreiwillig mitberaten wird. So selten, dass keine Callcenter-Atmosphäre entsteht. Und so kurz, dass niemand glaubt, irgendwo werde ein Podcast abgespielt.
Hunde: Es gibt Tiere, die sind in der Badi in der Regel okay. Blindenhunde. Alle anderen Hunde, Katzen oder überraschende Exoten bleiben draussen. Auch Hunde, die hervorragend kraulen können. Sogar Enten, Schmetterlinge und Bienen dürfen nur bleiben, wenn sie ungefragt kommen.
Tauchausrüstung: Sie haben es schon geahnt: Wer einen Neoprenanzug braucht, ist vermutlich im falschen Gewässer. Das Schwimmbad endet noch vor dem Marianengraben. Hier braucht niemand Dekompressionsstopps. Man kann es auf den Nenner bringen, Schnorcheln ist okay, Forschungsexpeditionen sind es nicht. Oder: Bitte keine Tauchgänge mit kompletter Unterwasserausrüstung. Mit Harpune und so.
Ballspiele: Auch wenn die nächste Fussball-WM naht: Die Liegewiese ist kein Strafraum. Keine Flanken über fremde Handtücher, keine Fallrückzieher neben dem Nichtschwimmerbecken, wer «Achtung!» ruft, hat meist schon zu früh geschossen. Ball gespielt wird nur dort, wo niemand unfreiwillig zum Goalie wird. Nur in den dafür vorgesehenen Bereichen.
Lautstärke: Kinder dürfen laut sein. Erwachsene eigentlich auch. Aber niemand muss brüllen wie FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner in der Nachspielzeit. Rücksicht klingt meistens leiser, wirkt aber besser.
Sprünge: Das Ziel sollte die Erfrischung sein, nicht das Auslösen von Fluchtreaktionen anderer Badegäste. Der Beckenrand ist kein Katapult. Deshalb nur dort springen, wo bestimmt niemand unfreiwillig mittaucht. Bitte keine Sprünge mit Blindvertrauen. Ein guter Sprung endet, ohne dass der Bademeister zur Pfeife greifen muss. Also Springen nur in den dafür freigegebenen Bereichen.
Drogen: Es überrascht nicht: Keine Substanzen, die Bademeister nervös machen. Alkohol, Drogen und Shisha-Pfeife sind genauso fehl am Platz wie Winterjacken im Hochsommer. Das legale «High» ist der Sprung vom Turm.
Auch Kleinkinder nicht nackt: Kleine Gäste sind willkommen, aber nicht im Unverpackt-Format. Damit alle entspannt bleiben: Kleinkinder nie im Originalzustand ins Wasser geben. Auch Nachwuchs-Delfine schwimmen besser in Bekleidung. Die Regel ist simpel: Wer noch nicht selbst über Mode entscheidet, bekommt auf der ganzen Anlage Badehose oder -windel verordnet.
Garderoben: Für die Garderoben gilt, bitte nur umziehen, nicht einziehen. Die Spinde sind für Sachen da, nicht für soziale Dauerbesuche. Rein, umziehen, raus. Reihenfolge wichtig.
Männlein und Weiblein: Garderoben, Duschen und Toiletten sind nach Geschlechtern getrennt. Bitte nicht nach Bauchgefühl umziehen. Die Schilder wissen es besser. Hier ist Orientierung keine Kunstform, sondern Pflichtprogramm.
Notfall: Bitte keine spontanen «Was passiert, wenn ich das drücke?»-Experimente. Alarme und Rettungsgeräte sind keine Spielzeuge – auch wenn sie spannend aussehen. Bitte nur im Ernstfall benutzen. Alles andere ruiniert den Tag schneller als kaltes Wasser. Der einzige erlaubte Spass mit Rettungsgeräten ist zu wissen, dass sie funktionieren. PS: Es könnte teuer werden.
Abfall in den Abfall: Vor dem Schwimmbi-Abgang kurz den inneren Ordnungsdienst aktivieren. Aufräumen ist die letzte Runde Schwimmen. Nur an Land. So sieht ein guter Abgang aus: Handtuch, Müll, gute Laune – alles wieder mitnehmen.


