«Wertvoller und vielseitiger Beruf»
14.08.2026 EptingenBäuerinnen-Serie Teil 6: Anita Rudin vom Biohof Dangern
Anita Rudin schätzt die Vielseitigkeit ihres Lebens auf dem Biohof Dangern oberhalb von Eptingen. Als Bäuerin, Müllerin, Mutter und Mitverantwortliche für den Betrieb hält sie viele Fäden in der ...
Bäuerinnen-Serie Teil 6: Anita Rudin vom Biohof Dangern
Anita Rudin schätzt die Vielseitigkeit ihres Lebens auf dem Biohof Dangern oberhalb von Eptingen. Als Bäuerin, Müllerin, Mutter und Mitverantwortliche für den Betrieb hält sie viele Fäden in der Hand.
Elmar Gächter
«So wie es ist, stimmt es für mich», sagt Anita Rudin und betont im Gespräch immer wieder ihre vielseitige Tätigkeit auf dem Biohof Dangern. Sie ist hier auf dem Hochplateau oberhalb von Eptingen als jüngste von vier Schwestern aufgewachsen. Fast selbstverständlich war ihre Mithilfe im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb beim Stallbesorgen oder Melken gefragt.
Eine bäuerliche Ausbildung zu absolvieren oder einen Bauern zu heiraten zählten jedoch nicht zu ihren Jugendträumen. Da lag ihr das kaufmännische Business wesentlich näher, und so folgte nach der Schulzeit eine Lehre bei einer Bank. Doch das Leben läuft bekanntlich oft anders als geplant.
Nach der Heirat mit Christian, der in seiner Freizeit auf dem Betrieb ihrer Eltern mithalf, zeichnete sich nach und nach eine Hofübernahme ab. Nach familiärer Absprache – fair und transparent, wie sie festhält – übernahm sie 2011 in der Erbfolge den elterlichen Betrieb. Seither führen sie und ihr Mann gemeinsam den Hof mit 25 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und rund 20 Mutterkühen. «Ich absolvierte die Spezialkurse ‹Landwirtschaft› im Ebenrain-Zentrum, und für Christian war klar, sich nach seinen Lehren als Schlosser und Forstwart zusätzlich zum Landwirt ausbilden zu lassen.»
«Wir einigten uns von Anfang an darauf, dass ich mich um die Betreuung unserer Kinder kümmere, den Haushalt, die Direktvermarktung und das Administrative des Betriebes. Auf den Maschinen zu sitzen sagt mir nichts. Dies überlasse ich lieber meinem Mann und unseren beiden Söhnen, die sich darum reissen, wer Traktor fahren darf», so Anita Rudin.
Dass sie, wenn ihr Mann auswärts einem Nebenerwerb nachgeht, den Stall betreut, ist für sie selbstverständlich. «Seit meiner Kindheit sind mir Kühe, generell Grosstiere, sehr nahe. Etwas Mühe habe ich, wenn wir sie zum Metzger bringen müssen. Es ist mir wichtig, dass sie würdevoll bis zu ihrem Ableben behandelt werden.»
Medaille für Regionalprodukte
Wer den Hof Dangern erwähnt, kommt am Begriff «UrDinkel» nicht vorbei. Insbesondere das «Kernotto» hat den Betrieb weitherum bekannt gemacht und ihn im Jahr 2013 mit der Bronzemedaille am Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte ausgezeichnet. Vater Werner hat das Standbein mit einer eigenen Mühle aufgebaut und sie vor zwei Jahren an seine Töchter übergeben. «Das ist jetzt mein Nebenerwerb. Eine meiner Schwestern und ich mahlen an unterschiedlichen Tagen, zudem erledige ich die ganze Administration und Buchhaltung für die Steinmühle. Dies mache ich sehr gern.»
Viel läuft über den Postversand, es kommt aber auch Kundschaft auf den Hof, um die Produkte abzuholen. Die Nachfrage sei seit dem Produktionsbeginn im Jahr 2008 stetig gestiegen. «Das freut uns natürlich, aber es stellt sich auch immer wieder die Frage, ob wir grösser werden sollen oder nicht. Unser Ziel ist es, die Produkte auch künftig selber herstellen zu können», so Anita Rudin.
Sie schätzt ihre verschiedenen Rollen als Bäuerin und Müllerin und vor allem auch jene als Mutter von zwei Söhnen. «Mein Alltag erfüllt mich sehr. Ich bin selbstständig und flexibel und plane meine Zeit eigenständig. Ich kann mir nicht vorstellen, voll als Angestellte in einen festen Tagesablauf eingebunden zu sein.» Sie spricht die Nachhaltigkeit an und betont, wie wichtig ihr eine gesunde Ernährung ist.
Auf Augenhöhe treffen
Sie kocht sehr gerne und achtet darauf, neben Bioprodukten aus der Region vor allem auch eigene Produkte in den Speiseplan zu integrieren. «Ich möchte unseren Kindern mitgeben, wie wichtig es ist, zu wissen, woher die Lebensmittel kommen.» Und wie steht es dabei um «Kernotto»? «Einmal pro Woche, wobei meine Jungs vor allem Fans von Teigwaren und möglichst viel Fleisch sind.»
Zum «Internationalen Jahr der Landwirtinnen und Bäuerinnen» meint Anita Rudin: «Für mich ist es einer der wesentlichsten Aspekte, dass sich der Landwirt und seine Partnerin auf gleicher Augenhöhe begegnen. Die Arbeit auf dem Feld und die Hausarbeit oder das Kochen sollen genau gleich viel wert sein, auch wenn Letzteres kein Geld einbringt.»
Das Jahr der Bäuerin soll vor allem die Arbeit der Bäuerinnen sichtbar machen und zeigen, wie wertvoll und vielseitig der Beruf ist. «Bei der Bäuerin laufen alle Fäden zusammen – sie ist die eigentliche Managerin des Betriebs. Wichtig ist zudem, dass man auch jüngeren Landwirtinnen zutraut, einen Betrieb selbstständig zu führen.»
Und wie sehen die Zukunftspläne von Anita Rudin aus? «Was ich schon längere Zeit lernen möchte, ist Kranfahren. Heuabladen war bis vor zwei Jahren das Metier meiner Mutter.» Und die Freizeit? «Auszeiten finde ich wichtig, die Umsetzung gestaltet sich manchmal etwas schwierig. Wenn wir wegfahren, dann am liebsten in die Berge zum Skifahren und zum Wandern; gerne würde ich wieder einmal ans Meer fahren.» Nicht verzichten möchte sie auf ihre Joggingrunde zu früher Morgenstunde mit Border-Collie-Mischung Bobby, auf ihr Engagement als Euphonium-Spielerin im Musikverein Eptingen und auf ihre Yoga-Stunden.

