Gründerin Marlies Mörgeli will kürzer treten und hofft auf Unterstützung einer Stiftung
Gegen 1800 Tiere liegen auf dem Wisenberg begraben. Marlies Mörgeli hat sie alle bestattet. 25 Jahre lang hat sie den ersten Tierfriedhof der Schweiz am Leben erhalten. Nun ...
Gründerin Marlies Mörgeli will kürzer treten und hofft auf Unterstützung einer Stiftung
Gegen 1800 Tiere liegen auf dem Wisenberg begraben. Marlies Mörgeli hat sie alle bestattet. 25 Jahre lang hat sie den ersten Tierfriedhof der Schweiz am Leben erhalten. Nun wird sie 70. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht.
Melanie Frei
Wo bis 1984 eine Gipsfabrik stand, liegt heute ein stiller Ort der Trauer und des Trostes. Gegen 1800 Tiere sind hier begraben, von Hunden bis Katzen und Kaninchen. Dazu mehr als ein Dutzend Menschen, die sich entschieden haben, ihre Asche hier beisetzen zu lassen, zwischen ihren tierischen Gefährten.
Marlies Mörgeli hat diesen Ort geschaffen. Zusammen mit ihrem Mann Urs eröffnete sie 2001 den ersten Tierfriedhof der Schweiz – aus einer persönlichen Not heraus. Ihr Hund Seppli war schwer krank, und das Paar stellte sich die Frage: Was geschieht eigentlich mit einem toten Haustier? «Seppli war 15 Jahre lang ein Mitglied der Familie», erklärte Urs Mörgeli damals. «Wir wollten ihn nicht einfach kremieren, sondern an einem schönen Ort beisetzen.»
Der Weg dorthin war lang. Die Mörgelis suchten in mehr als 100 Gemeinden nach dem richtigen Standort, bis sie in Läufelfingen fündig wurden. Die Gemeinde unterstützte das Vorhaben, der Kanton zog nach, und im März 2001 wurde der Tierfriedhof auch auf Bundesebene legitimiert. Seither darf in der Schweiz ein Haustier auf einem Tierfriedhof bestattet werden.
Doch die Freude am Aufbau war von Anfang an mit Mühe verbunden. Das Grundstück konnten die Mörgelis zunächst nur pachten, weil ihnen jemand beim Kauf zuvorgekommen war und einen hohen Wiederverkaufspreis verlangte. Erst 2016 gelang der Kauf dank zweier Erbschaften. Noch im selben Jahr starb Urs Mörgeli.
Die Aufgaben einer Bestatterin
Marlies Mörgeli führte den Betrieb allein weiter. Ihre Arbeit umfasst weit mehr als Gärtnern und die Verwaltung. «Ich mache Beratung im Vorfeld, was eine Beisetzung beinhaltet, was das für die Menschen bedeutet», sagt sie. «Ich übernehme auch die Arbeit einer Bestatterin: Ich schliesse den Tieren die Äuglein, richte sie schön her, wenn sie durch einen Unfall entstellt wurden.» Dazu kommen Führungen, Besuche von Schulklassen und Unternehmen. «Mir geht es darum, dass die Menschen etwas lernen. Kinder können hier zum Beispiel sehen, wie man mit Verlust umgeht.»
Es war und ist stets ein Kampf ums Überleben. «Alle Einnahmen wurden reinvestiert», sagt Mörgeli. «Wir hatten kein Geld für eine Firma, die alle Arbeiten übernimmt.» Zum Weitermachen motivieren sie ihre Kundinnen und Kunden: «Sie haben mir die Kraft gegeben.» Nun wird Mörgeli bald 70. «Ich gebe nicht morgen auf», sagt sie. «Es ist ein Lebenswerk, es ist der erste Tierfriedhof der Schweiz.» Doch körperlich stosse sie langsam an ihre Grenzen. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht. Was sie sich wünscht, ist eine Stiftung, nicht gewinnorientiert, getragen von Menschen, die sowohl mit Tieren als auch mit trauernden Menschen umgehen können. Natürlich müssten sie auch die finanziellen Mittel mitbringen, den Betrieb langfristig zu sichern. Über den baldigen Rückzug von Marlies Mörgeli hat am Samstag «Telebasel» berichtet.
Die Herausforderungen sind bekannt. Gemeinderat Rolf Nardo, der sich seit Jahren für den Tierfriedhof einsetzt, benennt sie: «Es gibt zwei Herausforderungen – die finanzielle Seite sowie den Unterhalt des Friedhofs und dessen Umgebung. Es braucht eine Person, die empathisch ist, eine Beerdigung durchführen kann, aber auch körperlich anpackt: Löcher graben, Äste schneiden, die Anlage pflegen.» Die Gemeinde selbst könne aus gesetzlichen Gründen nicht direkt eingreifen. «Wir unterstützen mehr moralisch und ideell. Wir können Hürden beseitigen, damit der Betreiber möglichst freie Bahn hat.»
Dass es sich lohnt, diesen Weg freizumachen, daran lässt Nardo keinen Zweifel. «Wir nehmen wahr, dass der Tierfriedhof ein schweizweites Bedürfnis ist. Es kommen Leute aus der ganzen Schweiz. Es wäre ein grosser Verlust, wenn das nicht weitergeführt werden könnte.»