Wenn Natur wieder Raum bekommt
17.03.2026 HölsteinRevitalisierte Frenke und Wildtierbrücken wecken weiterhin grosses Interesse
Trotz Regen sind rund 40 Interessierte der Einladung der Umweltkommission Hölstein gefolgt. Vor Ort erhielten sie Einblicke in die Revitalisierung der Vorderen Frenke sowie in die Funktion der beiden ...
Revitalisierte Frenke und Wildtierbrücken wecken weiterhin grosses Interesse
Trotz Regen sind rund 40 Interessierte der Einladung der Umweltkommission Hölstein gefolgt. Vor Ort erhielten sie Einblicke in die Revitalisierung der Vorderen Frenke sowie in die Funktion der beiden Wildtierbrücken.
Elmar Gächter
Beim Blick aus dem Auto oder der Waldenburgerbahn fallen nördlich von Hölstein zwei Bauwerke besonders ins Auge: die zwei Wildtierbrücken und die revitalisierte Vordere Frenke. Auch wenn beide Massnahmen vor Inbetriebnahme der erneuerten WB realisiert wurden, wecken sie nach wie vor das Interesse der Öffentlichkeit. Das zeigte sich am vergangenen Samstag, als gegen 40 Personen trotz Regen und Graupel der Einladung der Umweltkommission Hölstein folgten, um mehr über die beiden Werke zu erfahren. «Unser Ziel ist auch, Leute zusammenzubringen, die sich mit Umwelt und Natur befassen», sagte Kommissionspräsident Andreas Haas bei seiner Begrüssung.
Die Idee, die Vordere Frenke im nördlichen Bereich von Hölstein von ihrem rund 400 Meter langen Kastenprofil mit hohen Betonwänden zu befreien, reicht Jahrzehnte zurück. Es sollte allerdings bis 2023 dauern, bis ein Teil des Gewässers im Zuge der Erneuerung der Waldenburgerbahn gemäss kantonalem Wasserbaugesetz revitalisiert und damit der naturnahe Zustand wieder hergestellt werden konnte. Alicia Escher, Projektleiterin bei der Abteilung Wasserbau des Tiefbauamts, sprach von einer Kompensation wegen des WB-Ausbaus, der bauliche Eingriffe in die geschützten Lebensräume zur Folge hatte.
Ein Grossteil des ersten Projektperimeters lag innerhalb der Grundwasserschutzzone, von wo die Stadt Liestal einen wichtigen Teil ihres Trinkwassers bezieht. Sie wandte sich deshalb gegen das Vorhaben, wobei der Bund ihre Einsprache unterstützte. Die Baselland Transport AG (BLT) als Bauherrin war gezwungen, das Revitalisierungsprojekt zu überarbeiten und auf jenen Teil zu reduzieren, der ausserhalb der Grundwasserschutzzone liegt. Die Vordere Frenke zeigt sich in diesem Bereich heute vollständig von ihrem künstlichen Korsett befreit. Als natürlicher Bachlauf mit Böschung, Störsteinen, Steinbuchten, Wurzelstöcken, Bepflanzungen und einer Niederwasserrinne bietet sie Fischen und diversen Kleintieren jenen Raum, den diese für ihr Überleben und Gedeihen benötigen.
Sogar Gämsen nutzen die Brücke
Laut Alicia Escher sollen die Grundwasserschutzzonen in Zukunft revidiert werden, sodass weitere Abschnitte der Frenke revitalisiert werden könnten – ganz im Sinne der Besucherinnen und Besucher, wie sich beim anschliessenden Apéro zeigte.
Zwei Wildtierbrücken ermöglichen Wildtieren, die Vordere Frenke zu überqueren. Holger Stockhaus, stellvertretender Leiter des Amtes für Wald und Wild beider Basel, erläuterte deren Stellenwert als Teil einer Vernetzungsachse, auf denen Wildtiere sich historisch bewegen. Eine solche Achse besteht auch zwischen Hölstein und Tenniken, wo der Bund eine Wildtierbrücke über die A2 und die Kantonsstrasse plant. Damit die Tiere auf diesen Routen wandern können, braucht es Korridore, die auch innerhalb von Siedlungsstrukturen wie Autobahnen oder Bahnlinien funktionieren. «Der Kanton ist gesetzlich verpflichtet, diese Engstellen offen zu halten und wenn nötig zu sanieren», hielt Holger Stockhaus fest.
Grundsätzlich dürfen Fliessgewässer nicht überbaut werden. Um die Frenke möglichst wenig zu bedecken, wurde die Wildtierbrücke deshalb als Kompromiss in Form von zwei Konstruktionen mit je rund 25 Metern Breite ausgeführt. Sie sind mit Gehölzen, Steinstrukturen und einem Sichtschutz aus Holz versehen, damit die Wildtiere nicht geblendet werden. «Die Wärmebildaufnahmen zeigen, dass Fuchs, Wildschwein, Reh und Gämse die Brücken nutzen», betonte Stockhaus. Eine Zunahme an Unfällen mit Wildtieren sei bislang nicht festzustellen. Sinnvoll wäre aus seiner Sicht dennoch die Installation einer Wildtierwarnanlage, die Autofahrende über ein Sensorensystem vor Tieren warnt.
Stockhaus hob die Bedeutung von Vernetzungsachsen und Wildtierkorridoren am Beispiel jenes Luchses hervor, der aus der Schweiz in den Schwarzwald wanderte, dort einige Monate blieb, jüngst den Rhein in der Nähe von Laufenburg überschritten hat und sich vor ein paar Tagen wieder im Baselbiet zeigte. «Toll, dass dies möglich war, auch wenn die Verbindungsachsen nicht ideal sind. Aber gerade der Luchs hat ein riesiges genetisches Problem, vor allem wegen der starken Fragmentierung seines Lebensraums. Deshalb braucht es eine gute Vernetzung nicht nur für ihn, sondern auch für viele wandernde Wildtierarten», so Holger Stockhaus.

