Wenn Kunst Kunst fördert
04.06.2026 Waldenburg«Ville des Arts» erobert zum vierten Mal das «Stedtli»#
Die Biennale wartet erneut mit einer attraktiven Mischung aus Kunstwerken auf und motiviert auch Konzert- und Theatermacher zum Auftritt im Waldenburger «Stedtli». Die Ausstellung ist bis Ende Oktober zu ...
«Ville des Arts» erobert zum vierten Mal das «Stedtli»#
Die Biennale wartet erneut mit einer attraktiven Mischung aus Kunstwerken auf und motiviert auch Konzert- und Theatermacher zum Auftritt im Waldenburger «Stedtli». Die Ausstellung ist bis Ende Oktober zu sehen.
Elmar Gächter
«Waldenburg ist wieder auf der Landkarte», so betitelte die «Volksstimme» 2020 die Premiere zur Ausstellung, die das «Stedtli» trotz damaliger Pandemiezeit in eine Kunsthochburg verwandelte. Die erste «Ville des Arts» sollte nicht die einzige bleiben; dies versprachen die organisierenden Kunstschaffenden Sibylla Dreiszigacker, Pt Whitfield und Renato Wellenzohn. Eine Biennale sollte es werden, alle zwei Jahre.
Sie haben Wort gehalten, auch wenn sich Wellenzohn inzwischen aus dem Team verabschiedet hat. Mit der Vernissage übermorgen Samstag startet die vierte Ausgabe. 42 regionale, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler mit rund 100 Kunstwerken werden die Altstadt samt Umgebung an bekannten und überraschenden Nischen und Ecken bereichern.
Wenn Kurator Pt Whitfield von der «Ville des Arts» spricht, schwingt Stolz mit. «Wir sind die grösste Ausstellung in der Nordwestschweiz und die mit der längsten Dauer. Einmalig ist, dass die Künstlerinnen und Künstler einen Beitrag bezahlen, um auszustellen. Darüber hinaus übernehmen sie die Transportkosten der Kunstwerke und bezahlen die Helfer beim Aufstellen der Werke.»
Ein Grundsatz von ihm und Sibylla Dreiszigacker ist zudem, jede Neuausgabe zu etwa der Hälfte mit neuen Ausstellenden zu besetzen. Dies hält die «Ville des Arts» frisch, sind sie überzeugt. Ein Beispiel ist Pius Morgers Resonanzkörper, der nach dem Motto «sehend etwas begreifen, hörend etwas verstehen» eine erweiterte Betrachtungsweise durch das Zusammenspiel von Skulptur und Klang ermöglicht.
Lichtbildhauer Franz Betz lädt mit seiner «Lichtdusche» dazu ein, sich direkt unter die Installation zu setzen und das Licht nicht wie bei einer klassischen Ausstellung von aussen zu erhalten, sondern in dieses als Geste der Öffnung zu tauchen. Ganz besonders freut sich das Kuratorenteam auf zwei Bilder des weltbekannten Bündners Gian Pedretti, der vergangenes Jahr fast 100-jährig gestorben ist, und aus dessen Nachlass ein Sponsor zwei Werke für die Ausstellung zur Verfügung stellt.
Image-Hilfe für das «Stedtli»
Sibylla Dreiszigacker und Pt Whitfield, die ebenfalls eigene Bilder und Installationen ausstellen, sind überzeugt, dass Kunst etwas bewirken kann. Auffällig sei, dass während der Ausstellung auch andere Kulturveranstalter die Gelegenheit nutzen, sich im Städtchen mit Konzerten oder Theateraufführungen zu etablieren. «Es freut uns, wenn unsere Biennale so viel Gewicht hat, dass auch andere Gruppen in deren Sog auftreten. Allerdings würden wir uns finanziell noch mehr Unterstützung vom Kanton wünschen», so Whitfield.
An die ersten drei Ausstellungen leistete der Swisslos-Fonds jeweils einen Beitrag von 10 000 Franken. Die Einnahmen der Veranstalter beschränken sich auf eine kleine Provision für jedes verkaufte Kunstwerk. Zudem schätzen sie die Mithilfe von Wegmacher Fritz Stucki beim Installieren der Kunstwerke.
«Ville des Arts» zeichne sich durch Vielfalt aus und sei Vorbild für die wachsende, abwechslungsreiche Kulturszene, die das Angebot des Theaters im Pfarrhauskeller ergänze, sagt Andrea Sulzer, Gemeindepräsidentin von Waldenburg. Daneben habe sich auch das Classic Festival etabliert, der Kulturraum Waldenburg habe einen regelmässigen Ausstellungsbetrieb aufgenommen und diesen Monat finde erstmals die Theater- und Kunstinszenierung «Country Side 1» statt.
Als Gemeindepräsidentin freue sie sich sehr über die zahlreichen Besuchenden. «Es macht viel Freude, zu sehen, wie gross das Engagement unserer Kulturschaffenden ist. Sie tragen zu tollen Begegnungen und zu unserem Image als ‹Stedtli› mit historischem Flair bei.»
«Ville des Arts» startet am Samstag mit der Vernissage ab 18 Uhr im Innenhof des Pfarrhauses Waldenburg und dauert bis zum 31. Oktober. Jeden dritten Sonntag im Monat finden ab 14 Uhr Führungen statt, Treffpunkt ist beim Gemeindehaus.

