Wenn Grenzen überschritten werden
08.04.2026 SissachAktionswoche in Jugendzentrum soll junge Menschen widerstandsfähiger für den Alltag machen
Wie reagiere ich, wenn mir jemand zu nahe kommt? Für viele Jugendliche ist das keine abstrakte Frage. Die Offene Jugendarbeit Region Sissach macht Prävention deshalb zur ...
Aktionswoche in Jugendzentrum soll junge Menschen widerstandsfähiger für den Alltag machen
Wie reagiere ich, wenn mir jemand zu nahe kommt? Für viele Jugendliche ist das keine abstrakte Frage. Die Offene Jugendarbeit Region Sissach macht Prävention deshalb zur Alltagsaufgabe – und greift das Thema immer wieder neu auf.
Wendy Maltet
Grenzen setzen und respektieren: Was einfach klingt, ist für viele Jugendliche im Alltag nicht selbstverständlich. Im Jugendzentrum Club Underground in Sissach stand kürzlich alles im Zeichen persönlicher Grenzen. Die Offene Jugendarbeit Region Sissach setzte damit ein wichtiges Zeichen für Prävention und gegenseitigen Respekt.
«Das Thema begegnet uns im Alltag mit Jugendlichen immer wieder», erklärt Julia Oberli, Sozialarbeiterin in Ausbildung. Immer wieder erzählten junge Menschen von Situationen, in denen persönliche Grenzen überschritten worden seien oder welche die Jugendarbeitenden selbst im Jugendzentrum erlebten. «Da das Thema alle betrifft, entstand die Idee, eine Aktionswoche dazu zu gestalten.»
Rund 25 Jugendliche nahmen an zwei Workshop-Nachmittagen teil. Ziel war es, sie dafür zu sensibilisieren, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen, diese klar zu formulieren – und gleichzeitig auch die Grenzen anderer zu erkennen.
Bereits sechs Wochen vor der Aktionswoche begann die Vorbereitung. Jugendliche konnten ihre eigenen Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen anonym auf Zettel schreiben und in einen Briefkasten werfen. Diese wurden gesammelt und bildeten später die Grundlage für die Diskussionen im Workshop.
Am ersten Nachmittag setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit diesen Situationen auseinander. Gemeinsam wurde über unterschiedliche Formen von Grenzüberschreitung gesprochen und darüber, wie man in solchen Momenten reagieren kann.
Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. «Einige Jugendliche waren bereits sehr reflektiert im Umgang mit eigenen und fremden Grenzen», sagt Oberli. Andere hätten mit dem Begriff zunächst wenig anfangen können. Umso wichtiger sei es gewesen, sie behutsam ins Gespräch einzubeziehen.
Besonders beeindruckt habe sie, wie offen sich einzelne Teilnehmende, teils erst 12 oder 13 Jahre alt, zu ihren eigenen Erfahrungen äusserten. «Dadurch wurde das Thema auch für andere greifbarer.»
Prävention als tägliche Aufgabe
Am zweiten Nachmittag wurde das Thema ganz praktisch aufgegriffen: In einem Selbstverteidigungskurs mit der Kampfsportschule Kempo Sissach lernten die Jugendlichen einfache Techniken, um sich in bedrohlichen Situationen zu schützen.
Die Idee dazu kam ursprünglich von einer Teilnehmerin. «Sie wollte das Thema nicht nur besprechen, sondern auch üben, wie man reagieren kann, wenn einem jemand körperlich zu nahe kommt», erzählt Oberli. Für die Jugendarbeitenden selbst sei schnell klar gewesen, dass dafür externe Unterstützung nötig ist. Kempo Sissach habe sich von Anfang an offen für eine Zusammenarbeit gezeigt.
Für viele Jugendliche war es motivierend, von erfahrenen Trainerinnen und Trainern zu lernen. Besonders positiv sei aufgenommen worden, dass auch eine eher kleine Frau den Kurs leitete. Das habe vor allem den Mädchen gezeigt, dass man unabhängig von Körpergrösse oder Kraft für sich einstehen könne.
Solche Angebote sind Teil der Präventionsarbeit in der Offenen Jugendarbeit. «Wir verbringen Zeit mit den Jugendlichen, kommen mit ihnen ins Gespräch und wissen oft, was sie beschäftigt», erklärt Oberli. Themen wie Konflikte, Gewalt oder Sucht könnten dadurch frühzeitig angesprochen werden. Dabei gehe es nicht nur darum, Probleme zu verhindern, sondern vor allem darum, junge Menschen zu stärken. Wer früh lerne, eigene Grenzen wahrzunehmen und auszusprechen, könne sich besser schützen und gleichzeitig auch respektvoller mit anderen umgehen.
Thema bleibt präsent
Die Bilanz der Aktionswoche fällt positiv aus. Für die Jugendarbeitenden sei sie eine gute Gelegenheit gewesen, das Thema sichtbar zu machen. «Trotzdem ist es wichtig, im Alltag dranzubleiben und in konkreten Situationen direkt zu reagieren», sagt Oberli. Oft entstünden die wertvollsten Gespräche genau dann, wenn Jugendliche von ihren eigenen Erlebnissen berichten.
Weitere Aktionswochen sind derzeit noch nicht geplant. In den vergangenen Jahren habe die Offene Jugendarbeit jedoch bereits ähnliche Projekte etwa zu Gesundheit oder Medienkompetenz durchgeführt. Themen wie persönliche Grenzen würden deshalb sicher auch künftig wieder aufgegriffen – in Workshops, Gesprächen oder gemeinsamen Aktivitäten im Jugendzentrum.


