Wenn ein Dorf gemeinsam Grosses schafft
23.04.2026 OltingenHier entsteht ein Fest mit Herz und Handarbeit
In Oltingen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Hinter Scheunentoren, auf Vorplätzen und in Werkstätten wird gebaut, dekoriert und organisiert. Ein Rundgang zeigt, wie viel Herzblut im Dorffest steckt – und warum sich ...
Hier entsteht ein Fest mit Herz und Handarbeit
In Oltingen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Hinter Scheunentoren, auf Vorplätzen und in Werkstätten wird gebaut, dekoriert und organisiert. Ein Rundgang zeigt, wie viel Herzblut im Dorffest steckt – und warum sich ein Besuch lohnt.
Luana Güntert
Der Nebel hängt tief über Oltingen an diesem Montagnachmittag Mitte April. Ein feiner Nieselregen legt sich über die blühenden Kirschbäume, die man mehr erahnt als erkennt. Und die Stimmung? Alles andere als grau. «Wir können es kaum erwarten, bis es endlich losgeht», sagt Andrea Brenna, OK-Vizepräsidentin, und stapft mit wachem Blick durch die nassen Gassen. Seit Monaten herrscht im Dorf emsiges Treiben. «Am Samstag wird überall gehämmert, gebastelt und gebaut», erzählt sie. Oltingen ist in Bewegung – und das spürt man selbst unter der Woche. Hubstapler kreuzen den Weg, Anwohner reinigen Vorplätze, es wird geschleppt und geschraubt. Das ganze Dorf befindet sich im Ausnahmezustand.
Das Motto des Dorffests, das vom 1. bis 3. Mai über die Bühne geht, ist dabei überall sichtbar: «z’Oltige rollt’s». Über das ganze Dorf verteilt entstehen Kugelbahnen, die an klassische «Gluggerlibahnen» in XXL erinnern. Wer ans Fest kommt, erhält mit dem Eintritt für 5 Franken eine Holzkugel – und kann sie auf die Reise schicken. «Wir haben 20 000 Kugeln produziert», sagt Brenna. Jede Bahn hat ihren eigenen Charakter.
Doch das Herzstück des Fests sind die Scheunen. Sie prägen das Dorfbild ohnehin – und werden nun zu Beizli mit ganz eigener Handschrift. Vereine und Gruppen verwandeln sie mit viel Liebe zum Detail. «Da steckt unglaublich viel Arbeit drin», sagt Brenna. «Und alle sind schon erstaunlich weit.»
Die Scheunen als Festzentrum
Unser Rundgang beginnt mitten im Dorf – und führt uns schon nach wenigen Schritten in eine andere Welt: in die «Villa Kunterbunt». Die wohl farbigste Scheune von Oltingen macht ihrem Namen alle Ehre. Zwischen verspielten Details wird bald klar: Hier steht alles im Zeichen von Pippi Langstrumpf. Mitglieder der Männerriege und der Frauenriege sind noch mitten in den letzten Vorbereitungen. Es wird dekoriert, arrangiert, gelacht – selbst an diesem grauen Nachmittag summt die Scheune vor Energie.
Ein paar Schritte weiter treffen wir auf die «Heiweh Oltiger». Eine besondere Gruppe: Menschen mit Wurzeln in Oltingen, die längst anderswo leben – und für das Fest zurückkehren. Schon am letzten Dorffest 1976 führten sie hier eine Scheune. Inzwischen ist auch OK-Präsident Michi Gass zu uns gestossen. Vor dem Gebäude fällt sofort die breite Treppe auf. «Die haben wir extra auf 1,20 Meter verbreitert – aus Sicherheitsgründen», erklärt er. Im Innern dominieren Holz und alte landwirtschaftliche Geräte und ein Gespür für Atmosphäre. Besonders ins Auge stechen die Lampen: Aus sogenannten Heinzen, einst zum Trocknen von Heu verwendet, entstehen – umgedreht – Leuchten an der Decke. «Hier wurde wirklich auf jedes Detail geachtet», sagt Gass. «Nichts ist dem Zufall überlassen.» Mehr sei derzeit noch nicht verraten.
Der Weg führt weiter bergauf, an den Rand des Dorfs. Dort steht die grösste Scheune des Fests: die «Heuschüre», betrieben von der landwirtschaftlichen Genossenschaft. «Hier hat es richtig viel Platz», sagt Brenna. Und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Wenn das Wetter Anfang Mai nicht mitspielt, haben wir hier unseren Plan B.»
Zurück im Dorfkern wird es wieder verspielter. Im «Hüehnerstall» der Damenriege dominieren bunte Hühner, gebastelte Dekorationen, ausgeblasene Eier – und sogar ein echter Stall. Alles wirkt liebevoll, fast schon heimelig.
Die letzte Station unseres Rundgangs: die «Schihütte» der Skiriege.
Der Kontrast könnte kaum grösser sein. Skier, Skischuhe und sogar ein Abschleppschlitten prägen das Bild. Und dann das Glanzlicht: eine Gondel im ersten Stock, direkt über der Treppe. Ein Stück Wintersport mitten im frühlingshaften Dorf.
Charme von Oltingen
Was während des ganzen Rundgangs auffällt: Brenna und Gass bleiben kaum einen Moment ungestört. Ständig wird gegrüsst, kurz geplaudert, gelacht. Man kennt sich hier – und genau das macht den besonderen Charakter dieses Fests aus.
«Wir wollten von Anfang an kein Zeltdorf», sagen beide unisono. Stattdessen sollte das Dorf selbst zur Bühne werden. Und das ist gelungen. Die Struktur von Oltingen mit seinen jahrhundertealten Bauernhäusern und Scheunen, den verwinkelten Gassen, dem Ursprünglichen und der umliegenden Natur spielen dabei eine entscheidende Rolle. «Dieser Charme – den kannst du nicht künstlich bauen», sagt Brenna.
Auch wenn an diesem Nachmittag der Nebel die Aussicht verschluckt: Die Vorfreude ist greifbar. Und wenn ab dem 1. Mai die Kugeln rollen, die Scheunen öffnen und das Dorf zum Festplatz wird, dann zeigt sich Oltingen von seiner lebendigsten Seite.
Weitere Attraktionen
Neben den Scheunen und den Kugelbahnen gibt es am Dorffest viele weitere Attraktionen. Der beliebte «Oltiger Määrt» mit seinen vielseitigen Marktständen wurde ins Dorffest integriert, zudem bieten zahlreiche Bars, Take-Aways und Attraktionen Unterhaltung. Ein grosser Teil des Unterhaltungsprogramms machen die zahlreichen musikalischen Auftritte und Workshops aus. «Uns war es wichtig, lokale Bands sowie Künstlerinnen und Künstler nach Oltingen zu holen», sagt Andrea Brenna. Das musikalische Angebot ist vielfältig und reicht von Traditionellem wie Alphorn oder Jodeln bis zu modernen Bands wie «Les Touristes».


