Wasserpumpen laufen am Limit
10.07.2026 SissachTrotz Spar -Appell wird weiter fleissig gegossen
Obwohl die Gemeinde seit Wochen zum Wassersparen aufruft, bleibt der Verbrauch hoch. Besonders nachts wird offenbar weiterhin kräftig bewässert. Konsequenzen hat dies vorerst keine.
Christian ...
Trotz Spar -Appell wird weiter fleissig gegossen
Obwohl die Gemeinde seit Wochen zum Wassersparen aufruft, bleibt der Verbrauch hoch. Besonders nachts wird offenbar weiterhin kräftig bewässert. Konsequenzen hat dies vorerst keine.
Christian Horisberger
«Die Wasserpumpen zur Verteilung des Wassers laufen am Limit. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des hohen Verbrauchs ruft der Gemeinderat zum Wassersparen auf.» Diese Mitteilung verbreitete die Gemeinde Sissach erstmals am 22. Juni auf ihrer Website über die App «Gemeindenews». Trocken ist es nach wie vor, was den wenigsten Einwohnerinnen und Einwohnern entgangen sein dürfte. «Der Wasserverbrauch ist aber keine Spur zurückgegangen», sagt Jasmine Hirsig von der Bauabteilung der Gemeinde Sissach.
Aus der Auswertung der Bezugsmengen und -zeiten der Wasserversorgung gehe hervor, dass insbesondere nachts aussergewöhnlich viel Wasser bezogen werde, erklärt Hirsig. Dies lasse nur einen Schluss zu: Viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer ignorierten den Spar-Appell und bewässerten ihre Gärten und Rasen im Schutze der Nacht. Auch nasse Stellen auf Quartierstrassen neben privaten Grünflächen und Gärten seien jeweils am Morgen ein deutlicher Hinweis darauf. «Diesen Menschen scheint nicht bewusst zu sein, dass sie für die Gartenästhetik ein Grundnahrungsmittel verwenden, das derzeit knapp ist», sagt Hirsig. «Viele betrachten Wasser nicht als kostbares Gut, sondern als Selbstverständlichkeit.»
Hinweise auf «Sünder»
Der Gemeinderat appelliert deshalb erneut an die Bevölkerung, den Wasserverbrauch auf das Nötigste zu reduzieren. Die Gemeinde bittet insbesondere darum, auf das Bewässern von Rasenflächen, das private Waschen von Autos und das Nachfüllen privater Schwimmbäder zu verzichten. Auch Gemüse- und Blumenbeete sollen nur zurückhaltend bewässert werden.
Beim Aufruf handelt es sich allerdings lediglich um eine Empfehlung und nicht um ein Verbot. Wer sich nicht daran hält, muss vorerst keine Konsequenzen befürchten, wie Hirsig bestätigt. Das scheint manchen Sissacherinnen und Sissachern allerdings nicht bewusst zu sein. Bei der Gemeindeverwaltung seien in den vergangenen Tagen zahlreiche Hinweise auf Missachtungen des Spar-Appells eingegangen – teilweise mit «Beweisfotos». Diese Hinweise betreffen laut Hirsig häufig private Hausbesitzer, die ihre Rasen sprengen, aber auch die Gemeinde selbst sowie den Tennisclub Sissach, der seine Sandplätze bewässert.
Zu den Vorwürfen an die eigene Adresse hält Hirsig zunächst fest, dass der Werkhof für die Bewässerung von Blumenrabatten und Bäumen im Siedlungsgebiet ausschliesslich gesammeltes Regenwasser verwende. Grünflächen würden seit rund eineinhalb Wochen keine mehr bewässert. Je nach Entwicklung der Trockenheit in den kommenden Tagen und Wochen könne es jedoch sein, dass der Sportplatz Tannenbrunn sowie der Kinderspielplatz Allmend bei Bedarf vereinzelt und zurückhaltend bewässert werden müssen.
Zum Schutz seiner Plätze verzichtet der Tennisclub Sissach nicht vollständig auf deren Bewässerung. Wie Vereinspräsident Andreas Isenring in einer Mitteilung schreibt, verfügen die Sandplätze unter der Spielfläche über eine wassergebundene, wasserspeichernde Schicht, die konstant feucht gehalten werden müsse: «Trocknet sie aus, verliert sie ihre Funktion dauerhaft: Der Boden wird wasserundurchlässig, Regenwasser kann nicht mehr versickern, es bilden sich Pfützen und Staunässe, und die Plätze werden für den Rest der Saison unbespielbar.» Zudem sei die Regeneration eines ausgetrockneten Belags sehr aufwendig und teuer, so Isenring weiter. Die Bewässerung diene deshalb dem Erhalt der Spielfläche und nicht dem Komfort der Spielerinnen und Spieler. Eine kürzlich erfolgte regelrechte Überschwemmung eines Platzes sei durch einen «absolut blöden Fehler» entstanden, mit erheblicher Kostenfolge für den Verein für die Instandstellung des Spielfelds.
Der Präsident betont, dass der Tennisclub die Empfehlung der Gemeinde sehr ernst nehme. So sei die reguläre nächtliche Bewässerung auf das technisch notwendige Minimum reduziert worden. Auch die manuell ausgelösten Bewässerungen vor und nach den Spielen seien verkürzt worden und beschränkten sich auf das für die Bespielbarkeit der Plätze unbedingt Notwendige.
Vielleicht löst sich das Problem in absehbarer Zeit von selber. Die Wetteraussichten sagen für die Zeit ab kommendem Donnerstag Regenfälle voraus. Mit Prognosen von bis zu 20 Millimetern pro Tag besteht sogar die Hoffnung, dass es mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein sein wird.

