Fachpersonen zeigen, wie Körper und Seele verbunden sind
«Psychosomatik: Wenn die Seele den Körper prägt». Dieses Thema bewegte ein breites Publikum ins Kulturzentrum Marabu nach Gelterkinden. Fünf Fachspezialisten – vom medizinischen Neurologen bis zur ...
Fachpersonen zeigen, wie Körper und Seele verbunden sind
«Psychosomatik: Wenn die Seele den Körper prägt». Dieses Thema bewegte ein breites Publikum ins Kulturzentrum Marabu nach Gelterkinden. Fünf Fachspezialisten – vom medizinischen Neurologen bis zur alternativen Gesundheitsberaterin – brachten in einem dynamischen Podiumsgespräch, moderiert von Beat Richiger und organisiert vom Verein Gesundheit und Soziales Oberbaselbiet (Gusobb), unterschiedliche Perspektiven ein. Unterhaltsam begleitet wurde die Runde von einer Poetry-Slammerin und einer Porträtmalerin.
Die These, dass Körper und Seele miteinander interagieren, wurde bereits von Aristoteles vertreten; trotzdem scheinen Stigmatisierung und Mystifizierung von psychischem Leiden sowie sparsame Investitionen in die Psychotherapie hartnäckig gegen eine umfassende Akzeptanz des psychischen Einflusses auf den Körper anzuhalten. Nur langsam wechsle man von einem Ansatz, der Psychosomatik als Restkategorie versteht, zu einem, der ihr einen substanziellen Wirkmechanismus zuschreibt, erzählte Reiner Dahlbender – und dies, obwohl die Psychosomatik wissenschaftlich unumstritten ist. Psychisches Leiden bringt unbehandelt erhebliche emotionale und ökonomische Folgen mit sich, führt zu starker Belastung und ist verantwortlich für rund die Hälfte der Invalidenrenten in der Schweiz.
Claudia Tapparelli, Kinder- und Jugendpsychiaterin, weiss, dass sich schon bei Kleinkindern psychosomatische Symptome etwa durch Bauchoder Kopfschmerzen zeigen – nicht ohne Grund seien Redewendungen wie «das schlägt mir auf den Magen» verbreitet. Ursachen können in perinatalen Prägungen, in der frühkindlichen Erziehung oder in verdrängten Traumata (etwa Mobbing) liegen. Die Runde betonte jedoch, dass ein Faktor allein selten ausschlaggebend ist; vielmehr wirkt er im Zusammenspiel mit der Resilienz einer Person, ihrem Umfeld und ihrem körperlichen Zustand. Cortisol während einer Stressreaktion, Cytokine während einer Entzündung oder Neurotransmitter während der Bewältigung von emotionalen Ereignissen seien alles biologische Faktoren, die Körper und Geist nachhaltig formen und verändern, genauso wie der Lebensstil, das Schlafverhalten und die Ernährung, erklärte Psycho-Neuro-Immunologin Corinne Schreyvogel.
Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich all dies bewältigen lasse, antworten die Fachpersonen, dass es weniger um die Eliminierung von Problemen gehe als um deren Akzeptanz; um einen bewussten Umgang mit Emotionen. Gerade auch negative Gefühle seien wichtig, da sie anzeigen (mithilfe von körperlichen Reaktionen), dass etwas nicht stimmt und wir auf uns achtgeben sollten.
Mit Musik klang der Abend aus. Dario Rigo, Präsident Gusobb, freute sich über «einen gelungenen Abend». Auch das voll besetzte Haus (rund 150 Personen), die angeregten Fragen und das zustimmende Nicken deuteten darauf hin, dass das Thema die Besuchenden spürbar bewegte.
Yasmin Malard