Was soll aus der Buess-Liegenschaft werden?
05.05.2026 SissachDie Bürgergemeinde befasst sich mit der Zukunft ihrer Neuerwerbung
Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die von der Firma Buess abgekauften Häuser genutzt werden können, gibt die Bürgergemeinde Sissach eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Am Geld dafür fehlt ...
Die Bürgergemeinde befasst sich mit der Zukunft ihrer Neuerwerbung
Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die von der Firma Buess abgekauften Häuser genutzt werden können, gibt die Bürgergemeinde Sissach eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Am Geld dafür fehlt es nicht. 2025 resultierte ein Gewinn von mehr als 1 Million Franken.
Christian Horisberger
Im Zentrum der Sissacher Bürgergemeindeversammlung vom Donnerstag standen einmal mehr Immobilien. Das Hauptinteresse galt der Zukunft der Liegenschaften der Buess Weinbau und Weinhandel AG in der Begegnungszone, welche die Bürgergemeinde im vergangenen Jahr für 4,4 Millionen Franken erworben hat. Aufschluss über die Nutzungsmöglichkeiten der Gebäude soll eine Machbarkeitsstudie geben. Dafür haben die Bürgerinnen und Bürger einen Kredit von 105 000 Franken ohne Gegenstimme bewilligt.
Knapp ein Viertel des Betrags sei alleine für die Digitalisierung und Aktualisierung der teils uralten Pläne vorgesehen, führte Bürgerpräsident Christoph Tschan aus. Die Studie solle unter anderem aufzeigen, wie das (gelbe) Geschäftshaus und insbesondere das angebaute Lagergebäude für eine künftige Nutzung saniert oder umgebaut, mit Treppen oder Lift erschlossen werden sollen, wo und wie viele Toiletten vorzusehen sind, wie Fluchtwege und Brandschutz gewährleistet werden können oder in welchem Zustand Keller und Dach, Elektro- und Wasserleitungen sind. In die Fragestellungen einbezogen würden die Anliegen mehrerer an einer Nutzung interessierter Parteien, mit denen bereits Gespräche geführt worden seien, so Tschan weiter. Deren zwei stünden bereits fest: Ein Drittel des Kellers werde die Firma Tonivino Collection übernehmen, die den Weinhandel von Buess weiterführen wird, und das Obergeschoss des «gelben Hauses» werde mindestens für zwei Jahre an den vormaligen Eigentümer, Laurent de Coulon, vermietet, der alle weiteren Räumlichkeiten Ende Juni dieses Jahrs räumen wird.
Kein Event-Raum im Keller
In der kurzen Debatte wurde in den Raum gestellt, dass die Alterssiedlung Sissach für eine Nutzung der Liegenschaft infrage kommen würde, da sie ja ihr Haus beim Altersheim räumen müsse. Christoph Tschan erklärte dazu, dass dies bereits geprüft und verworfen worden sei. Im Gebäude sei nicht ausreichend Platz für den Bedarf an 18 Wohnungen. Skeptisch zeigte sich der Bürgerpräsident gegenüber einer Anregung, den grossen Gewölbekeller zu einem Veranstaltungsraum auszubauen. Dafür, etwa für die Installation einer Heizung oder den Bau von Fluchtwegen, müsste viel Geld in die Hand genommen werden. Der Bürgerrat ziehe für den Keller daher die nötigsten Instandsetzungsarbeiten einem Umbau vor. Er wolle lieber in die oberen Geschosse des als schützenswert eingestuften Gebäudekomplexes investieren.
Bei den Überlegungen würden sicherlich die Umbaukosten eine Rolle spielen, die sich auf die Mietpreise niederschlagen werden, ebenso die Tatsache, dass die Bürgergemeinde mit mehreren Mietern kleinerer Gebäudeteile ein geringeres Risiko eingeht als mit nur einem, der eine grosse Fläche übernimmt: «Wenn wir uns auf einen Grossen abstützen und der springt ab, haben wir ein Problem.» Die «Machbarkeitsstudie plus» soll gemäss Tschan ein Projekt und möglichst genaue Zahlen hervorbringen, die der Bürgerrat bereits im kommenden Herbst dem Souverän vorlegen möchte.
Zu keiner grösseren Diskussion Anlass gaben zwei Kredite für die Wohnund Geschäftsliegenschaft «Struwwelpeter» an der Hauptstrasse 104. Für die Behebung eines Wasserschadens nach einem Leitungsbruch und die Teilsanierung einer Wohnung bewilligte die Bürgerversammlung nachträglich 110 000 Franken – das Geld war bereits ausgegeben. Weitere 150 000 Franken sprachen die 65 Stimmberechtigten für den Bau eines kleinen Wärmeverbunds. Der Ölbrenner der Heizung für die «Struwwelpeter»-Liegenschaft soll durch eine Pelletheizung ersetzt werden, die Wärme auch für zwei Häuser in der Nachbarschaft liefert, deren Eigentümer mitziehen wollen. Die Kapazität der Heizung ist laut Bauchef Markus Speiser so dimensioniert, dass zu einem späteren Zeitpunkt zwei bis drei weitere Wohneinheiten «angehängt» werden könnten.
Schliesslich informierte Präsident Tschan, dass der Bürgerrat die Aufgaben rund um die Vermietung seiner Wohnungen und Geschäftsräume auslagern möchte: «Für uns wird das langsam etwas viel», sagte er, ausserdem wünsche man sich eine Professionalisierung.
Unabhängig vom «Strickrain»
Auch in der Rechnung 2025 hinterliessen die Liegenschaften deutlichere Spuren als früher. Hauptsächlich durch die Vermietung der Neuerwerbungen ergab sich bei den Mieteinnahmen ein Plus von knapp 30 000 Franken. Das Immobilienportfolio mit mehreren Wohnhäusern, zwei Restaurants, einem Metzgerei-Lokal, einem Kino sowie dem Heimatmuseum wirft neu Mieterträge von insgesamt gut 300 000 Franken ab, Tendenz steigend. Hinzu kommen stattliche Vermögenserträge, ebenfalls im sechsstelligen Bereich.
Ohne die Einkünfte von der Deponie Strickrain könne die Bürgergemeinde ihre Ausgaben aber noch nicht ganz stemmen, sagte Finanzchef Stephan Zimmermann. Dies aber müsse das Ziel sein, damit auch nach einer Schliessung der Deponie als Haupteinnahmequelle die Zukunft der Bürgergemeinde wirtschaftlich gesichert wäre. Insgesamt verzeichnete die Bürgerkasse 2025 einen Ertrag von 1,826 Millionen Franken und einen Gewinn von 1,16 Millionen. Allein aufs Konto der Deponie gingen Einkünfte von 1,175 Millionen, das sind 210 000 Franken mehr als budgetiert. Im laufenden Jahr hofft der Bürgerkassier sein Ziel zu erreichen. Eine Schliessung des «Strickrain» liegt aber in weiter Ferne.

