Was passiert mit unserer Identität?
17.09.2026 SissachMäder-Talk zur Zukunft der Schweizer Armee
vs. Am Donnerstag, 24. September, kommt der Unternehmer und Offizier Peter Huber zum «Cheesmeyer»- Talk; zusammen mit Historiker Jo Lang, der einst für die Grünen im Nationalrat politisierte. Huber war ...
Mäder-Talk zur Zukunft der Schweizer Armee
vs. Am Donnerstag, 24. September, kommt der Unternehmer und Offizier Peter Huber zum «Cheesmeyer»- Talk; zusammen mit Historiker Jo Lang, der einst für die Grünen im Nationalrat politisierte. Huber war bis 2025 Major im Stabsdienst, Lang ist seit 1983 im Vorstand der Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Ueli Mäder diskutiert mit ihnen über unsere Identität und die Zukunft der Schweizer Armee. Dies im Rahmen der Reihe «Heimat für alle».
«Heimat ist für mich da, wo meine geliebten Menschen sind», so Huber, der sich als Familienmensch sieht, «und bis in die Knochen liberal.» Selbstverantwortung, Freiheit und Liebe seien seine Grundwerte.
Er habe im Leben gelernt, «den Realitäten ins Auge zu schauen». Mit Wunschdenken winke sonst «der schnelle Bankrott in der Welt ausserhalb des Biotops Schweiz».
Aus seiner Sicht gibt es zwei ehrliche Optionen: «Entweder bauen wir die Armee zur Verteidigungsbereitschaft aus, oder wir schaffen sie ab.» Und darüber sollte das Volk entscheiden. Das seit 1995 praktizierte Durchwursteln sei «unehrlich, unethisch und beschämend».
Die Neutralitäts-Initiative lehnt Huber ab. Sie habe «etwas Traumtänzerisches». Unwahrscheinlich sei, «dass das Experiment Schweiz am Ende dieses Jahrhunderts noch bestehen wird». Wahrscheinlicher sei «eine massive Umwälzung von ganz Europa». Huber befasst sich deshalb «mit einem Plan B» für seine Familie. Und zwar «ausserhalb dieses Kontinents». Kant, Rilke und Meister Eckhart stünden im Moment oben auf seiner Liste der Dinge, die ihn bewegten.
Von Jo Lang möchte Huber verstehen, was die Philosophin Hannah Arendt schon kritisierte: Ideologisches Denken sei, habe es erst einmal seine Prämisse, von Erfahrung kaum mehr beeinflussbar. Jo Lang verorte er «auch in dieser Sphäre», sehe in ihm aber «einen sehr gescheiten und gebildeten Menschen». Deshalb möchte Huber verstehen, wie sich ideologische Verhärtungen anfühlten. «Macht das zufrieden oder glücklich, oder ist man da im mentalen Dauerstress oder in der kognitiven Dissonanz?»
Jo Lang forschte über Katholizismus, Antisemitismus und Demokratie. Er engagiert sich im Stiftungsrat der Friedensstiftung Swisspeace und analysiert seit Jahren den Rohstoff- und Handelsplatz Zug. In seinem Selbstverständnis ist Lang ein «universalistischer Humanist und demokratischer Sozialist». Dies «auf den Grundlagen einer aufgeklärten Aufklärung». Was ihn besonders geprägt habe, seien der Konzils-Katholizismus und der antistalinistische Marxismus. Zu beiden habe er heute eine kritische Distanz, bleibe ihnen aber verbunden. Wichtig sind ihm die globale Solidarität und der Weltfrieden.
Die Armee steckt laut Lang «in einem historischen Dilemma». Nämlich zwischen «militärischem Alleingang» und «chancenlosem Nato-Beitritt». Statt zu diesem Dilemma zu stehen, setze sie «sowohl auf den Alleingang mit Panzer und Artillerie als auch auf die Nato mit den F-35». Doch dieser superteure Zwitter funktioniere nicht. So stehe die Schweiz vor der Alternative: «Abschaffung der Neutralität für den Nato-Beitritt oder Abschaffung der Armee für eine weltsolidarische und friedenspolitische Neutralität.» Dabei sei zu bedenken, «dass die Schweiz eine Rohstoffhandels-Grossmacht ist, die unter anderem Putins Kriegskasse füllte».
Die Neutralitäts-Initiative beinhalte «eine materielle und eine symbolische Neuigkeit». Das Verbot von Sanktionen sei «eine Geldsack-Neutralität», die fremde Kriegsmaschinen mit Geldern und Waffen füttere. Und hinter der «bewaffneten Neutralität» stecke die Absicht, das Militärische wieder aufzuwerten – auf Kosten des Zivilen. Die zwei grössten Bedrohungen sind für Lang «der Klimawandel und die Atombomben». Wichtig sei daher die an Weihnachten 2025 eingereichte Initiative für ein Atomwaffenverbot.
«Mäder-Talk», Donnerstag,
24. September, 19.30 bis 21 Uhr, im «Cheesmeyer», mit Jo Lang und Peter Huber, Moderation Ueli Mäder.

