Was keimt denn da?
21.05.2026 SissachKathryn Vogt-Häfelfinger stellt im «Silo 12» aus
«Germinations», also Keimung, ist der Titel der am Samstag beginnenden Ausstellung in Läufelfingen. Der Name steht einerseits für die gezeigten Werke, aber auch für das Neue, das beim Ausstellen der ...
Kathryn Vogt-Häfelfinger stellt im «Silo 12» aus
«Germinations», also Keimung, ist der Titel der am Samstag beginnenden Ausstellung in Läufelfingen. Der Name steht einerseits für die gezeigten Werke, aber auch für das Neue, das beim Ausstellen der Sissacher Künstlerin keimt und wächst.
Brigitte Keller
Vor gut vier Jahren kehrte Kathryn Vogt-Häfelfinger (Jahrgang 1966) nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Los Angeles zurück in ihre Heimat Sissach. Bald darauf fand sie an der Schanzenstrasse in Basel einen Atelierraum in einem Haus, das zur Zwischennutzung zur Verfügung stand. Zusammen mit weiteren Kunstschaffenden konnte sie im Haus «Zum Eck», das gleich daneben lag, in den vergangenen Jahren zwei Ausstellungen realisieren.
Das Haus «Zum Eck» ist mittlerweile abgebrochen, die Verbindung zu Juliette Lepage Boisdron, mit der sie dort ausgestellt hat, aber längst nicht. Und es war dann auch sie, die in Paris geborene und heute in Basel lebende Künstlerin, welche die Idee zur gemeinsamen Ausstellung im «Silo 12» hatte. Der Besuch eines Deutschkurses brachte den Stein ins Rollen. Sylvia Weismiller, deren Deutschlehrerin, ist in Läufelfingen zu Hause und dort Mitglied im Vorstand des Vereins Silo 12.
Die Zeichnungen von Juliette Lepage Boisdron mit chinesischer Tusche auf Reispapier behandeln menschliche Beziehungen, Weitergabe und das Verhältnis zur Umwelt. Bei der Wahl, mit wem sie zusammen die Ausstellung machen wollte, habe sie nicht lange überlegen müssen. «Nette Leute müssen es sein», lautete ihr Hauptkriterium, der Rest würde sich ergeben.
Ein Ort mit Geschichte
«Ich finde den Ort sehr spannend», sagt Kathryn Vogt-Häfelfinger, «er ist einerseits sehr abseits gelegen, aber andererseits steckt ganz viel Geschichte darin.» Es lohne sich in jedem Fall, dem Industriemuseum im stillgelegten Steinbruch einen Besuch abzustatten. Sie freute sich sehr auf die hohen Räume und den Platz, «um vieles neben- und übereinander hängen zu können» und damit aus den vielen kleinformatigen Bildern etwas Neues und Grosses zu kreieren. Im Atelier habe dafür bisher nie genug Platz zur Verfügung gestanden.
In der ersten Zeit nach ihrer Rückkehr in die Schweiz arbeitete Vogt-Häfelfinger vorwiegend mit Tinte und Bleistift auf Papier und Leinwand. Aus Punkten wurden ganze Gebilde, die eine einzelne Zelle oder eine ganze Galaxie darstellen können. Manchmal erinnern sie einen an die Körnung von Fotoabzügen.
Die Materialien sind geblieben, bei ihren neusten Arbeiten lässt Vogt-Häfelfinger aber die Tinte auch fliessen. Eine «geleitete Zufälligkeit» entscheide über den Weg, den die Tinte über das Papier oder die Leinwand einschlage. Die dabei entstehenden Formen lassen auch an Samen und Keime denken, weshalb die Künstlerin den Ausstellungstitel «Germinations» sehr passend gewählt findet. Einige ihrer monochromen Tintenkompositionen enthalten auch Ergänzungen mit dem Kohlestift. Zudem gibt es eine Serie, in der Öl auf das Papier geflossen ist und Spuren und Silhouetten hinterlassen hat.
Die dritte Künstlerin im Bunde ist Janet Jaffke. Die Arbeiten der Textilkünstlerin, die aus Chicago stammt und heute in Frankreich lebt, «feiern die Resilienz, das Mitgefühl und die anhaltende Kraft des menschlichen Geistes». Ihre Werke hatte Vogt-Häfelfinger zuvor erst online gesehen und sie war gespannt darauf, diese im Original zu sehen und zu entdecken. «Ich freue mich», sagt Janet Jaffke, «in diesen aussergewöhnlichen Räumen neue Werke, aber auch Arbeiten zeigen zu können, die während Corona entstanden sind und die ich bisher noch nie gezeigt habe.»
Mithilfe verschiedener künstlerischer Techniken – Zeichnung, Textilkunst, Tusche, zeitgenössischer Schmuck und Installation – entführen die drei Künstlerinnen in sensible, poetische und zutiefst menschliche Welten. Ihre Werke erzählen von Transformation, Erinnerung, Natur und den unsichtbaren Verbindungen, die alle Menschen miteinander verbinden. Dieser Dialog zwischen Materialien, Gesten und Kulturen lässt eine Ausstellung voller Zartheit und Kraft entstehen, in der jedes Werk in ständiger Entwicklung zu sein scheint, wie etwas, das keimt, wächst und sich verwandelt.
Ausstellung «Germinations», «Silo 12» Läufelfingen, Janet Jaffke, Juliette Lepage Boisdron, Kathryn Vogt-Häfelfinger, Vernissage Samstag, 23. Mai, 16 bis 20 Uhr. Weitere Infos unter www.silo12.ch

