Was für ein gigantisches Fest
05.05.2026 OltingenDie Gastgeber setzen 20 000 Besucherinnen und Besucher in Erstaunen
Mit diesem Grossaufmarsch haben die Organisatoren nicht gerechnet, dennoch meisterten sie das dreitägige Dorffest mit Bravour. Mit den liebevoll gestalteten Festbeizen und den originellen Kugelbahnen versetzte ...
Die Gastgeber setzen 20 000 Besucherinnen und Besucher in Erstaunen
Mit diesem Grossaufmarsch haben die Organisatoren nicht gerechnet, dennoch meisterten sie das dreitägige Dorffest mit Bravour. Mit den liebevoll gestalteten Festbeizen und den originellen Kugelbahnen versetzte Oltingen seine Gäste in Erstaunen.
Elmar Gächter
Es gibt kein Ausschlafen nach diesem einmaligen Anlass, der ganz Oltingen drei Tage lang in einen Ausnahmezustand versetzt hat. OK-Präsident Michi Gass ist bereits unterwegs, um das Sammeln des Mülls zu begleiten, den die vielen Tausend Besucherinnen und Besucher hinterlassen haben. Und er kommt bereits ins Schwärmen: «Es liegt praktisch kein Abfall auf den Strassen. Die Leute haben die tolle Arbeit geschätzt, in der viel Herzblut steckt.»
Rund 20 000 Gäste pilgerten am langen Wochenende nach Oltingen, mit seinem beispielhaft erhaltenen historischen Ortskern unbestritten eines der schönsten Dörfer des Baselbiets. Sie kamen im proppenvollen Bus, zu Fuss, mit dem Velo oder in einer endlos langen Autokolonne.
Dass die Oltinger zu organisieren und zu festen wissen, beweisen sie seit 25 Jahren mit ihrem weithin bekannten «Määrt»; unvergessen bleibt auch das legendäre Dorffest 1976, das die Initianten bewegte, nach 50 Jahren den Beweis anzutreten, dass auch die heutige Generation zu einem solchen Engagement fähig ist.
Viele Helfer von auswärts
Was da mit viel Liebe zum Detail in ungezählten Stunden gehämmert, geschliffen, gemalt, gezimmert und vor allem auch dekoriert wurde, um aus den zahlreichen historischen Scheunen «Beizli zum Verwiile» zu zaubern, wird zweifellos in die Geschichte des Dorfs eingehen. Wenn Michi Gass von einem unglaublichen Zusammenhalt von Jung und Älter spricht, die alle am gleichen Strick gezogen haben, denkt er nicht zuletzt auch an die auswärtigen Helferinnen und Helfer. Zu ihnen zählen die «Heiweh Oltiger», die seit einem Jahr fast jeden Samstag Hand angelegt haben, um ihren Gästen vor und in der heimeligen Scheune Spaghetti zu servieren. «Die Hälfte meines Herzens ist in Oltingen geblieben», sagt Marc Rickenbacher, der im Dorf aufgewachsen ist und wie seine Mithelfenden heute auswärts wohnt. Er spricht von einer gefreuten Sache, für welche die sechsköpfige Crew ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten habe.
Dass freundnachbarschaftliche Beziehungen sich sogar über die Kantonsgrenzen entwickeln können, zeigt sich in der prächtig dekorierten «Villa Kunterbunt», die ganz im Zeichen von Pippi Langstrumpf steht. «Wir haben den Frauenturnverein Oltingen am letzten eidgenössischen Turnfest kennengelernt und uns spontan entschieden, mit einer grösseren Delegation hier mitzuhelfen», sagt Daniel Graf, Präsident der Männerriege Zeiningen. Um «Zappas Bierschopf» zu betreiben, haben je zwei «Oltiger & Zuegloffeni» sogar einen Verein gegründet. Ob dieser Bestand haben wird, lässt Luca Rippstein als zugelaufener Kienberger offen.
In Zeiten des politischen Wahlkampfs ist es üblich, dass sich die Protagonisten an entsprechenden Veranstaltungen präsentieren. Anders in der «Politiker:inne-Wystube, in der Muusfalle», ein Ort, dessen Name auf eine Sammlung von Mausefallen verweist, die der Besitzer des Gebäudes gesammelt hat und von denen ein paar ausgefallene das Lokal «zieren». Dorffestzeit ist, wenn sich Kandidierende mit anderen Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Parteicouleur zusammen für eine gute Sache einsetzen.
Die Idee für das Lokal hatte Nationalrätin Florence Brenzikofer, die seit mehr als zwei Jahrzehnten im Dorf wohnt. «Auch wenn politisch Differenzen bestehen, ist es grossartig, diesen Anlass gemeinsam bestreiten zu können.» Sie spricht von einem «sensationellen» Dorffest, mit einer vielfältigen Eröffnungsfeier (die sie moderierte), tollen Reden und dem aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Albert Rösti, der ihr versprochen habe, nächstes Jahr an den «Oltiger Määrt» zu kommen. Begeistert vom Dorffest zeigte sich auch Nationalrätin Daniela Schneeberger, für die es selbstverständlich war, mitzuhelfen. Sie hebt die einmaligen Scheunen hervor und bedauert, dass diese nicht für kommende kulturelle Veranstaltungen genutzt werden können.
Dem Fest von 1976 ebenbürtig
Hans Lüthy, «Ureinwohner» von Oltingen und ehemaliger Gemeindepräsident, ist mit seiner Frau Hanny auf dem Festgelände unterwegs. Sehr gut kann er sich noch an das Dorffest 1976 erinnern. «Als sich der Gedanke verfestigte, dass erneut ein solcher Anlass stattfindet, war ich überzeugt, dass man jenen vor 50 Jahren nicht toppen kann. Doch was hier geschaffen wurde, muss den Vergleich nicht scheuen. Das Engagement des ganzen Dorfs ist unglaublich, das hätte ich so nicht erwartet.»
Für Michi Gass und sein Organisationskomitee war es von Anfang an eines der Ziele, ehrwürdig in die Fussstapfen jenes Festes zu treten. Dies ist ohne Einschränkungen gelungen. «Die Betreiber der Festwirtschaften und Verpflegungsstände haben nicht mit einem so grossen Ansturm gerechnet und sind mehr als zufrieden, ebenso die Standbetreibenden.»
Er schwärmt von den Auftritten der Musikformationen mit ganz unterschiedlichen Stilrichtungen auf mehreren Bühnen, von Trachten- und Tanzgruppen und vom Festumzug: «Einer der Höhepunkte war für mich die Fahrt mit der schönen Kutsche durch das Dorf und dabei die grosse Dankbarkeit der Besucherinnen und Besucher zu spüren. Ganz besonders bleibt mir auch in Erinnerung, wie wir am letzten Abend zusammensassen, unser Dorflied sangen und uns vor Freude einfach umarmten. Es war eine gigantische Atmosphäre. Nie bereue ich, mich für dieses wunderbare Projekt mit Tausenden von Stunden engagiert zu haben.»
Auch wenn die Scheunen wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen, darf sich die Öffentlichkeit darüber freuen, dass ein Grossteil der grossartigen, fantasievollen Kugelbahnen künftig auf dem Kugelbahnweg zwischen Oltingen und Wenslingen wieder aufgebaut wird und Teil des Erlebnispfads Passepartout bildet.
Übervolle Postautos
kam. Mehr als 20 000 Besuchende verteilt auf drei Tage Dorffest: Oltingen wurde am vergangenen Wochenende regelrecht überrannt. Das riesige Interesse an der 536-Seelengemeinde brachte den öffentlichen Verkehr bisweilen an seine Grenzen. Insbesondere am Freitag waren die Postautos der Linie 103 zwischen Gelterkinden und Oltingen sowie die Shuttlebusse ab Tecknau gestossen voll, sodass unterwegs Fahrgäste weder aus- noch einsteigen konnten. «Mit dem Umzug, der Eröffnungsfeier und dem Konzert von «Les Touristes» gab es am Freitag viele Pflichttermine. Vor allem nach dem Konzert waren die Kapazitäten erschöpft, weil alle Menschen auf einmal nach Hause wollten», sagt Jannik Gysin, Verkehr- und Sicherheitsverantwortlicher im OK, auf Anfrage der «Volksstimme». Zusammen mit der Post-Auto AG habe er zusätzliche Chauffeure und Fahrzeuge organisiert. «Am Samstag und Sonntag verkehrten die Gelenkbusse länger als ursprünglich geplant. Der Transport verlief dadurch viel ruhiger», so Gysin. Das OK habe die Besucherzahlen anhand des «Oltiger Määrts» abgeschätzt. «Weder wir noch die PostAuto AG konnten damit rechnen, dass das Wetter so toll war und deshalb mehr Besuchende kommen als erwartet», sagt Gysin. Er verstehe, dass die Situation für einzelne Menschen nicht ideal gewesen sei. Aber: «Bei mehr als 20 000 Besucherinnen und Besuchern kann es durchaus sein, dass man gewisse Abstriche machen muss.»














