Was 1982 das Dorf bewegte
22.09.2026 RothenfluhFilm erinnert an damalige Ereignisse am Fuss der Roten Flue
Dank des Engagements von Peter Ruepp verfügen die Gemeinde Rothenfluh und Fredy Lanz über ein einzigartiges Filmdokument. Dieses zeigte am Freitag, was für die Leute vor bald einem halben Jahrhundert im Dorf ...
Film erinnert an damalige Ereignisse am Fuss der Roten Flue
Dank des Engagements von Peter Ruepp verfügen die Gemeinde Rothenfluh und Fredy Lanz über ein einzigartiges Filmdokument. Dieses zeigte am Freitag, was für die Leute vor bald einem halben Jahrhundert im Dorf wichtig war und wie sie den Alltag erlebten.
Otto Graf
Vor über 40 Jahren hatte Peter Ruepp aus Anwil die Idee, den Banntag in Rothenfluh und weitere historische Begebenheiten filmisch festzuhalten. Zu diesem Zweck engagierte er den Sissacher Fotografen und Filmemacher Hans «Klick» Reber, der im Mai 1982 den von jeweils mehreren Hundert Personen besuchten Anlass auf 16 Millimeter Film bannte. Entstanden ist ein Dokument, das an das Geschehen im Dorf vor bald einem halben Jahrhundert erinnert.
Die heutige Technologie erlaubte es, den analogen Inhalt des Streifens zu digitalisieren und auf DVD festzuhalten. War früher ein Projektionsapparat erforderlich, um die unhandliche Filmspule abzuspielen, so genügt heute ein Beamer vollauf. Damit nicht genug: Der über 90 Lenze zählende frühere Tiefbauunternehmer Peter Ruepp schenkte der Gemeinde Rothenfluh und Fredy Lanz, Eigentümer der alten «Chesi» an der Ruebgasse, je ein Exemplar des Dokuments.
Vor wenigen Tagen hatte die Bevölkerung Gelegenheit, im Rahmen einer bescheidenen Übergabefeier der «Premiere» beizuwohnen. Der einstige Dorfladen platzte dabei aus allen Nähten. Kein Wunder, denn neben dem Geschehen am Banntag von 1982 zeigte der Film auch Episoden, die der älteren Bevölkerung noch immer in angenehmer Erinnerung sind. So ist etwa der «Schreiberpaul» (1897 – 1975), Gemeindeschreiber, Milcheinnehmer und vieles andere mehr, zu sehen, wie er mit seinem Lastwagen die Milch der Bauern zum Bahnhof Gelterkinden fuhr. Eine andere legendäre Figur, der «Grändelimiggel», Emil Erny-Gerster (1886 – 1990), demonstrierte vor, wie man junge Triebe der gelben Korbweiden fachmännisch in Zainen, Körbe und dergleichen umarbeitet.
Die Crèmeschnitte ist Geschichte
Unvergessen ist auch der «Tschudibeck». Paul Tschudin betrieb von 1936 bis 1986 am Dorfplatz eine Bäckerei, die sieben Tage in der Woche geöffnet war. Man sieht, wie der ehemalige Schwinger mit der Maschine Brot- und Zopfteig rührte, mit flinker Hand die Laibe formte und in den Backofen schob. In aller Munde sind die Crèmeschnitten und Nussgipfel, wenn auch nur in Gedanken. Längst Geschichte ist die Praxis des «Glöggeliwagens», wie man der Kehrichtabfuhr früher sagte.
Damals sammelte Paul Schaub-Börlin (1924 – 2008) mit seinem Ladewagen jeden Samstag das ein, was die Leute an den Strassenrand stellten, und führte das Material in die Entschgengrube unterhalb der Säge. Separatsammlungen gab es damals noch kaum. Die Archäologen wird’s freuen, wenn sie in 500 Jahren im Untergrund grübeln und nach einstigen Hinterlassenschaften des Volkes suchen wollen.
Der Chor der Kinder der Primarschule Rothenfluh unter der Leitung von Klassenlehrerin Daniela Zurflüh bildete mit dem Rothenflüherlied von Marteli Heiniger und dem Baselbieterlied den musikalischen Rahmen des Anlasses. Dabei wurden die Kinder von der bekannten Sängerin Sarah Jane, die in Rothenfluh wohnt, begleitet. Die Gemeinde Rothenfluh und Fredy Lanz bereicherten den Abend mit einem Apéro kulinarisch. Parallel dazu konnten die Gäste im Obergeschoss Einblick in weitere historische Begebenheiten nehmen.
So erinnerten eine Goldmedaille und andere Exponate von Bruno Gerber an dessen seinerzeitige Erfolge an Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen im Bobsport. Ebenso lagen die Publikationen des im vergangenen Jahr verstorbenen Lokalhistorikers und Ehrenbürgers Gianni Mazzucchelli auf.
Der Film ist kostenlos auf der Plattform www.youtube.com unter dem Namen «Rothenfluh 1982» anzuschauen.

