Von der Viehschau zum Volksfest
13.10.2026 DiegtenDer Anlass hat sich über die Jahrzehnte gewandelt
An der Diegter Viehschau steht längst nicht mehr nur das Bewerten der Kühe im Mittelpunkt. Der traditionelle Anlass bringt Bauernfamilien und die Bevölkerung zusammen. Besonders am Abend zeigt sich, wie beliebt der ...
Der Anlass hat sich über die Jahrzehnte gewandelt
An der Diegter Viehschau steht längst nicht mehr nur das Bewerten der Kühe im Mittelpunkt. Der traditionelle Anlass bringt Bauernfamilien und die Bevölkerung zusammen. Besonders am Abend zeigt sich, wie beliebt der Anlass mittlerweile ist.
Aline Schneider
Jedes Jahr versammeln sich in Diegten am zweiten Samstag der Herbstferien Bauern mit einer erlesenen Gruppe ihrer Kühe auf dem Gelände der Holzverarbeitungsfirmen Kym und Jenni in Unterdiegten. Kühe von verschiedenen Rassen, vorwiegend Holstein, Braunvieh und Swiss Fleckvieh, werden bei der Schau von einem Experten rangiert. Wer gewinnt, wird mit einem Preis geehrt.
Die lineare Beschreibung, also die offizielle Bewertung von Kühen, bei der Experten eine Kuh nach verschiedenen Punkten bewerten, wird am Platz allerdings nicht mehr gemacht. Diese machen die meisten Landwirte seit einigen Jahren auf dem eigenen Hof. Das heisst, die Viehschau ist heutzutage ein eher traditionell motivierter Anlass zur Bewertung von Kühen.
Manche Landwirte machen sich gar die Mühe, die Kühe mit einem «Alpabzug» zu Fuss nach Diegten zu bringen, nicht so wie andere mit dem Transporter. Einer davon ist der 23-jährige Janis Schick, der mit seinen Kühen zwei Stunden lang von seinem Hof in Läufelfingen nach Diegten unterwegs war. Dabei läuft er die steile Läufelfingerstrasse in Eptingen hinab und dann der Hauptstrasse entlang, wobei dies für ihn kein Problem sei.
Nachdem die Kühe am Morgen vorgezeigt worden sind, gibt es für die Bauernfamilien und die Zuschauer ein Mittagessen in der Lastwagenhalle der Kym AG. Am vergangenen Samstag war dies auch eine wetterbedingte Entscheidung, da sich Nieselregen mit Regenschauern abwechselten und die Leute von den herbstlichen Temperaturen in die Wärme gelockt wurden. Die Halle füllte sich, doch mit dem Mittag ist das Fest an der Viehschau noch längst nicht vorbei.
Volksfest und Fondue-Plausch
Zum Fondue-Plausch kommen abends meist so viele Gäste vorbei, dass Zuspätkommende lange nach einem Platz an einem der Tische suchen müssen. Aus der Viehschau, die als Veranstaltung von Landwirten für Landwirte startete, wurde ein Fest, das die Leute in der Umgebung aus einer viel breiteren Spannbreite anlockt.
Thomas Buser, Landwirt und Landmaschinenmechaniker aus Zunzgen, der die Viehschau gemeinsam mit einem OK-Team aus seinem Bruder Lukas Buser, Andri Flückiger, David Nyffeler und Ueli Loosli organisiert, sieht einen klaren neuen Leitfaden der Viehschau: «Es ist ein Beitrag der Bauern aus der Umgebung für die Bevölkerung. Man kann so im Dialog bleiben, sich austauschen und eine gute Zeit miteinander verbringen.»
Die Entwicklung, dass die Kühe nur noch ein Teil der Viehschau und nicht mehr das Zentrum davon sind, würde Buser sogar noch weiterspinnen. «Die Kühe sind einerseits da, um Zuschauerinnen und Zuschauer anzuziehen und die Tradition am Leben zu erhalten, aber auch für die Kinder, die vielleicht nicht gerade einen nahen Kontakt zu einem Bauernhof haben. Sie können dann auch einmal eine Kuh von Nahem sehen oder vielleicht auch streicheln.»
Auch am Samstag zog es abends wieder so viele Gäste in die Festhalle, dass zusätzliche Tische aufgestellt werden mussten. Gäste von Bauernfamilien, aber auch Leute vom Dorf und gar Leute, die gar nicht aus der Umgebung stammen, sind an den Tischen zusammengekommen. Bei den Helfern der Wirtschaft handelt es sich grösstenteils um Bauernfamilien, doch längst nicht nur: So stehen auch Gemeinderäte und Nachbarn am Herd oder wirken im Service mit. So wandelt sich die Viehschau von einer landwirtschaftlichen Veranstaltung zu einer Dorftradition, die von den Landwirten organisiert wird, aber an der alle teilhaben können.

