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19.06.2026 HölsteinWarum die Erdbeeren dieses Jahr besonders gut schmecken
Drei Tage Sonne, mehr braucht es nicht. Dann verwandelt sich eine grüne Beere in eine saftige, rote Erdbeere. Zwei Produzenten aus dem Oberbaselbiet gewähren Einblick in ihre Anbaustrategien und unterschiedlichen ...
Warum die Erdbeeren dieses Jahr besonders gut schmecken
Drei Tage Sonne, mehr braucht es nicht. Dann verwandelt sich eine grüne Beere in eine saftige, rote Erdbeere. Zwei Produzenten aus dem Oberbaselbiet gewähren Einblick in ihre Anbaustrategien und unterschiedlichen Absatzkanäle.
Noel Bühlmann und Nicolas Jermann
Bis zu 1100 Tonnen Ertrag pro Woche, eine voraussichtliche Ernte von Insgesamt 7500 Tonnen und eine herausragende Qualität: Die Schweizer Erdbeerproduzenten haben dieses Jahr allen Grund zur Zufriedenheit. Doch die Bedingungen in den vergangenen Wochen waren teils alles andere als ideal, beispielsweise als Regen und wenig Sonnenschein die Beeren nicht so gut gedeihen liessen.
Laut David Lüthi, der seine Kunden im «Öpfelhüsli» in Hölstein mit den Früchten versorgt, reift eine grüne Beere innerhalb von drei bis vier Tagen zur essreifen, roten Beere heran. Das Wetter während der drei Tage vor der Ernte bestimmt dabei massgeblich den Geschmack. Als sich das Wetter gebessert hatte, sorgte dies schon bald für den Unterschied. Die idealen Bedingungen für Erdbeeren sind Temperaturen um die 25 Grad. Für ein optimales Wachstum brauchen die Pflanzen auch genügend Sonnenschein. Bei solchen Verhältnissen steigt der Zuckergehalt in der Frucht.
Sorte macht den Unterschied
Erdbeere ist nämlich nicht gleich Erdbeere: Die Sortenwahl ist eine Wissenschaft für sich. Moritz Fiechter, Obstbauer auf dem Zunzgerberg, der seine Ernte hauptsächlich über den Grossverteiler Migros absetzt, zeigt auf, welche Faktoren für ihn bei der Sortenwahl eine Rolle spielen: «Als Bauer suche ich solche Sorten, die ertragreich, pflegeleicht, krankheitsresistent und geschmacklich gut sind. Für die Erntehelfer muss das Fruchtbild homogen sein, für den Handel muss die Erdbeere optisch makellos und aromatisch gut sein und eine Haltbarkeit von drei bis vier Tagen garantieren.»
Wer wie Lüthi seine Beeren direkt ab Hof verkauft, kann den Fokus stärker auf den Geschmack legen, während bei Betrieben, die den Grosshandel beliefern, die Haltbarkeit und Masse der Beeren ebenfalls wichtig sind. Ein weiterer Faktor für die Sortenwahl ist der Zeitpunkt der Reife. «Frühlingssorten haben eine weichere Haut und würden bei sommerlicher Hitze sofort Druckstellen bekommen. Deshalb werden im Hochsommer festere Sorten verwendet», erklärt Fiechter.
Grundsätzlich lässt sich die Erdbeersaison in vier Phasen einteilen: Die frühreifen Beeren wachsen in Gewächshäusern und sind vom Saisonstart Ende April bis Anfang Mai im Verkauf. Danach können die Betriebe die mittelreifen Sorten in der Hauptphase von Mitte Mai bis Mitte Juni ernten. Diese Beeren machen den grössten Teil des Ertrags aus. Immer bedeutender werden mehrmals tragende Sorten wie die «Murano», die auch David Lüthi anbaut: Im Gegensatz zu klassischen Sorten tragen diese Pflanzen den ganzen Sommer über bis in den September hinein Früchte. Zum Ende der Saison werden dann die spätreifen Beeren geerntet.
Gezielte Saisonverlängerung
Die verschiedenen Sorten werden kombiniert, um die Saison zu verlängern und das Wetterrisiko zu streuen, erklären die Profis. Fiechter verrät, wie er ab Ende Februar alle zwei Wochen neue Erdbeerpflanzen in verschiedenen Sektoren anpflanzt. Dadurch blühen und reifen die einzelnen Teilbereiche zeitversetzt. Der Grosshandel kann dank dieser Staffelung über Monate hinweg kontinuierlich beliefert werden.
Lüthi verfolgt ein ähnliches Prinzip mit seinen Sorten «Parlando», «Magnum» und «Murano» und setzt ebenfalls auf den wettergeschützten Anbau. Beide Höfe haben den Freilandanbau hinter sich gelassen. Lüthi stellte vor rund zwei Jahren von der Boden- auf Substratkultur um: Hier reifen die Früchte in langen, erhöhten Trögen unter Foliendächern. Damit steigen die Sauberkeit und Qualität und die Beeren können bequem in Brusthöhe gepflückt werden.
Fiechter produziert ebenfalls ausschliesslich in Substratkultur unter Foliendächern und hat damit das Risiko von Regen- und Gewitterschäden im Frühling praktisch eliminiert. Gegen Hitze wiederum hilft die zeitliche Staffelung der Pflanzungen mehr als das Foliendach.
Von Hand gepflückt
Das Pflücken bleibt trotz moderner Anbaumethoden arbeitsintensiv. Lüthi und Fiechter sind auf Saisonarbeitskräfte angewiesen. Die Ernte ist morgens nach zwei bis vier Stunden erledigt, und das ist auch gut so, denn Erdbeeren sollten unbedingt in den kühlen Morgenstunden gepflückt werden. Fiechter hat dazu eine zusätzliche Herausforderung: Die Bestellungen des Grossverteilers kommen oft sehr kurzfristig. Deshalb ist es wichtig, die Abläufe genau zu kennen, da täglich verlässliche Mengen für den Kunden bereitgestellt werden müssen.
Was die laufende Saison betrifft, zeigen sich die beiden Bauern unterschiedlich optimistisch. Fiechter ist zufrieden: Die Qualität der Beeren stimme, die Mengen passen, und das gestaffelte System funktioniere wie gewünscht. Lüthi äussert sich differenziert: Er rechnet mit einer guten Ernte auf seinem Betrieb und einer durchschnittlichen Schweizer Gesamternte.


