Von Burgherren, Kelten und Höhlenbewohnern
29.10.2026 GelterkindenZeitreise mit der Archäologie Baselland auf Schusters Rappen
«Burgen, Höhlen und ein Weiherhaus» heisst ein Kurs der Volkshochschule beider Basel: Er ist eine interessante Zeitreise durch die Vergangenheit, und zwar zu Fuss über Höhen und Täler des ...
Zeitreise mit der Archäologie Baselland auf Schusters Rappen
«Burgen, Höhlen und ein Weiherhaus» heisst ein Kurs der Volkshochschule beider Basel: Er ist eine interessante Zeitreise durch die Vergangenheit, und zwar zu Fuss über Höhen und Täler des Oberbaselbiets.
Barbara Saladin
Woher stammt der Name Gelterkinden? Wann und warum verschwand die Burg Scheidegg von der Bildfläche? Und lebten Höhlenbären mit Neandertalern in einer Wohngenossenschaft? Diese und viele weitere Fragen bekamen die gut 20 Teilnehmenden des Kurses «Burgen, Höhlen und ein Weiherhaus» der Volkshochschule beider Basel auf einer Wanderung beantwortet. Am vergangenen Samstag führte Andreas Fischer, Leiter Archive und Öffentlichkeitsarbeit von der Archäologie Baselland, die Interessierten durch den Oberbaselbieter Tafeljura – und durch die Vergangenheit.
Das Wetter zeigte sich zuerst von seiner eher garstigen Seite, aber am Schluss war dann der Himmel sogar blau. Start der Wanderung war in Gelterkinden, dessen Name, wie der Archäologe Fischer erklärte, einiges über die Ursprünge des Dorfs verrät. Er bedeutet: «Der Ort, wo die Leute des Gelterich leben.» Seine Endung auf -ingen weist auf eine Entstehung der Siedlung im Frühmittelalter hin.
Allerdings lebten bereits viel früher Menschen auf dem Gebiet von Gelterkinden, und sogar die ältesten Hühner – aber dazu später mehr. Zuerst ging es zu einem Zwischenstopp bei der reformierten Kirche, deren Anfänge bis ins 9. oder 10. Jahrhundert zurückreichen.
Eine Besonderheit sind die Gräber aus dem frühen 16. Jahrhundert. Damals fand unter anderem eine adelige Dame hier ihre letzte Ruhestätte, und mit ihr wurde eine Paternosterkette beerdigt, welche Andreas Fischer aus dem Rucksack zauberte. Auch viele andere Fundstücke aus archäologischen Grabungen hatte er dabei. Dazu an späterer Stelle mehr.
Weiherschloss und Zeughaus
Zuerst ging es ein paar Jahrhunderte zurück: vorab ins Spätmittelalter, aus dem das Weiherschloss an der Rünenbergerstrasse stammt, das Mitte des 15. Jahrhunderts niederbrannte und dessen eben erst ausgegrabene Reste jüngst dem Bau der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses zum Opfer fielen.
Weiter zurück in der Zeit ging es dann beim ehemaligen Zeughaus, und zwar bis vor Christi Geburt, als die Kelten hier lebten. Ganz in der Nähe wurden sowohl Hausgrundrisse aus der Früh-Latènezeit gefunden als auch eine ehemalige Vorratsgrube, in der vor 60 Jahren die ältesten Hühnereierschalen der Schweiz zum Vorschein kamen. Zuvor hatte man immer gedacht, Haushühner seien erst mit den Römern zu uns gekommen; wie genau sie allerdings schon 500 Jahre davor den Weg von Südostasien nach Mitteleuropa gefunden hatten, ist nach wie vor ein Rätsel.
Ebenfalls ungeklärt ist der Grund, weshalb die Burg Scheidegg, das nächste Etappenziel der archäologischen Wanderung, ums Jahr 1320 ein Raub der Flammen wurde. Wo begann es zu brennen, und warum? Offenbar breitete sich das Feuer aber so schnell aus, dass es nicht einmal mehr gelang, die Pferde aus dem Stall zu retten: Als die Scheidegg in den 1970er-Jahren untersucht wurde, fand man sieben Pferdeskelette. «Dank der Brandkatastrophe gab es hier gute Funde», merkte Archäologe Fischer an: Im Gegensatz zu einer regulär aufgegebenen Burg blieb hier keine Zeit, um die wertvollen Sachen mitzunehmen. So war der Brandschutt der Scheidegg ziemlich ergiebig, und man fand neben den Skeletten auch Ofenkacheln und einen Destillierhelm, ein Handwaschgefäss und Spielwürfel, Reitsporen und einen riesengrossen Schlüssel.
Nach der Scheidegg führte die Wanderung vom Jurasporn hinunter ins Eital und oberhalb von Tecknau schliesslich zum Bärenloch. Dieses war die älteste Station des gesamten Ausflugs in die Vergangenheit, denn in der Höhle fand man in den 1960er-Jahren nicht nur Überreste von Höhlenbären, die hier den Winter verschlafen hatten, sondern auch mittelpaläolithische Silexartefakte. Diese Teile von Steinzeitwerkzeugen dürften rund 35 000 Jahre alt und von Neandertalern hergestellt worden sein. Urmenschen und Urbären waren sich allerdings wohl kaum begegnet und hatten schon gar nicht gleichzeitig in derselben Höhle gehaust.
Ödenburg schon 1325 verlassen
Durch die Bettstigi hinauf zum Dorf Wenslingen und über die Tafeljura-Hochebene steuerte die Wandergruppe schliesslich die letzte Station der nachmittäglichen Zeitreise im Oberbaselbiet an: die Ödenburg. Sie, deren einstigen Namen man nicht kennt, gehört zu den ältesten Adelsburgen der Region und war um 1325 bereits verlassen worden. Geblieben sind einerseits der schöne Ausblick von der ehemaligen Burgstelle über das Eital bis nach Gelterkinden und andererseits etliche Fundstücke: von der Lanzenspitze über das Hufeisen bis zur Schachfigur aus Hirschgeweih.
Die archäologische Wanderung bot an diesem Herbstnachmittag nicht nur einen Streifzug über Berg und Tal des Oberbaselbieter Tafeljuras, sondern auch eine spannende Reise durch die Vergangenheit unserer Heimat. Die Wanderung findet im Frühling übrigens nochmals statt. Das Datum ist noch nicht bekannt.



