Von Bergsandlauf-, Holzkäfern und Holzwespen
24.03.2026 Rünenberg«Bärus» Streifzug durch die Schweizer Insektenwelt
Was kann ein Insekt, das der Mensch nicht kann? Einiges, wie sich am vergangenen Donnerstagabend im Gemeindesaal Rünenberg zeigte. Bähram Alagheband – «Bäru» – entführte sein ...
«Bärus» Streifzug durch die Schweizer Insektenwelt
Was kann ein Insekt, das der Mensch nicht kann? Einiges, wie sich am vergangenen Donnerstagabend im Gemeindesaal Rünenberg zeigte. Bähram Alagheband – «Bäru» – entführte sein Publikum in die faszinierende Welt der Schweizer Insekten.
Brigitt Buser
Der Gemeindesaal in Rünenberg füllte sich am vergangenen Donnerstag rasch. Die Besucher warteten gespannt auf den Vortrag von Bähram Alagheband – im Solothurner Dialekt nennt man ihn einfach «Bäru». Mit Bildern, Videos und persönlichen Erlebnissen zeigte er auf amüsante Weise, was unsere Insekten alles können.
Ein Beispiel: «Wissen Sie, welches das schnellste Insekt bei uns ist – umgerechnet auf den Menschen? Es ist der Bergsandlaufkäfer. Er würde auf 600 bis 700 km/h kommen. Das wäre aber keine gute Idee», erklärt Bäru schmunzelnd. Denn er könnte so seine Umgebung nicht mehr wahrnehmen.
Ein weiteres spannendes Thema war die Fortpflanzung durch Parasitismus. Manche Insekten legen ihre Eier in einen anderen lebenden Wirt. Schwieriger wird es, wenn der Wirt tief im Holz lebt. Dann muss der Parasit zuerst herausfinden, wo genau sich der Wirt befindet – zum Beispiel durch Abhören oder Erriechen des Holzes. Anschliessend bohrt er mit seinem Stachel ein Loch und legt das Ei so ab, dass der Wirt lange genug am Leben bleibt. Die Larve muss sich nämlich erst entwickeln, bevor sie sich verpuppt. Dabei ist Präzision gefragt: Das Herz des Wirtes darf nicht getroffen werden. Das Hinterteil hingegen schon eher – damit kann der Wirt noch eine Weile weiterleben.
Bis zu 7 Jahre in der Dunkelheit
Hirschkäfer sind heute selten. Sie sind auf alte Eichenbestände angewiesen, die es immer weniger gibt. Bäru erlebte eine besondere Begegnung: Bei einem Meeting draussen am Genfersee flog ihm plötzlich ein Hirschkäfer vor die Nase. Zurück im Kanton Solothurn, entschied er sich spontan, nochmals mit dem Zug an den Genfersee zu fahren – und fand die Käfer tatsächlich wieder. «Hirschkäfer benötigen bis zu 7 Jahre, bis sich aus den im Holz von alten Bäumen lebenden Larven adulte Käfer bilden», so «Bäru».
Haben die Käfer das Licht der Welt erblickt, zählt nur noch eines: die Nachkommenschaft sichern. Die Männchen leben danach nur noch etwa vier Wochen. Sie haben im Gegensatz zu den Weibchen mächtige Oberkiefer – sogenannte Mandibeln (Oberkiefer) – mit denen sie Rivalen bekämpfen. Zum Fressen taugen diese aber nicht. Das Weibchen hilft aus: Es ritzt mit seinen Mandibeln die Baumrinde an, damit das Männchen wenigstens Baumsaft trinken kann.
Zum Schluss streifte «Bäru» noch die Gottesanbeterin. Wegen der Klimaerwärmung könnte sie künftig bei uns häufiger anzutreffen sein. Mehr dazu gibt es vielleicht ein anderes Mal – oder in der Show «Bugbusters – Hollywoods heimliche Stars», die Bäru gemeinsam mit Biologin Katrin Luder präsentiert. Infos unter insectsandstories.ch. Wer nicht warten möchte: Die SRF-Serie «Krabbeltiere» widmet sich der Lebenswelt von Schweizer Insekten und Spinnentieren. Sie ist auf Play SRF sowie auf dem YouTube-Kanal «SRF Wissen» abrufbar.


