Vom Ukrainekrieg bis zu Albert Schweitzer
08.01.2026 WaldenburgVor einer neuer Staffel der Tischreden
Seit 2017 bringen die Pfarrer von Waldenburg und Langenbruck immer wieder Referentinnen und Referenten mit spannenden Themen an den Tisch.
Elmar Gächter
Wie zu Zeiten von Martin Luther am Tisch diskutieren und ...
Vor einer neuer Staffel der Tischreden
Seit 2017 bringen die Pfarrer von Waldenburg und Langenbruck immer wieder Referentinnen und Referenten mit spannenden Themen an den Tisch.
Elmar Gächter
Wie zu Zeiten von Martin Luther am Tisch diskutieren und disputieren – so die Grundidee der Tischreden. Der Reformator pflegte bis zu 50 Personen an seinen Tisch zu bitten, um üppig zu speisen und lebhafte Diskussionen zu führen, die keine Tabus kannten und ein weites Spektrum umfassten. Neben theologischen und kirchlichen Themen ging es auch um das Alltägliche, das Menschliche.
Diese Idee nahmen Hanspeter Schürch und Torsten Amling, die beiden Pfarrer der Kirchgemeinde Langenbruck-Waldenburg-St. Peter, 2017 im Rahmen des 500-jährigen Reformationsjubiläums auf und riefen die erste Staffel der Tischreden ins Leben. Sie folgten den Kanzelreden in der Kirche zu Waldenburg, die Historiker Lorenz Degen inszeniert hatte. «Verschiedene Leute ermunterten uns dazu, etwas Nachfolgendes zu organisieren, bei dem man auch ein Bier trinken und Würstchen essen kann», blickt Torsten Amling zurück.
Zunächst am imposanten ovalen Tisch im «Schlüssel», später und bis heute im prächtigen Saal des «Leue», treffen sich seither jedes Jahr am Zeitgeschehen interessierte Personen, um sich von Persönlichkeiten über aktuelle Themen informieren zu lassen und vor allem auch, um ihre eigene Meinung einzubringen.
Morgen wird diskutiert
Die Staffeln mit je drei Referaten sind meist gut besucht. Gegen 80 Besucherinnen und Besucher waren schon dabei, zeitweise auch weniger. «Wir haben jedoch kein quantitatives Ziel und schon gar nicht die Absicht, eine bestimmte Moral zu vermitteln. Wir wollen einfach ein Podium und einen Raum bieten, damit sich die Menschen eine Meinung zu aktuellen Themen
bilden können und auch, um den Referentinnen und Referenten etwas entgegenzuhalten», betont Amling.
Der Start der neuen Staffel ist morgen Freitag im Saal des «Leue» in Waldenburg. Der 35-jährige Ludwig Amling ist Berufsoffizier der Bundeswehr und beim «Zentrum Operative Kommunikation» tätig, einer Truppengattung des Cyber- und Informationsraums, und derzeit Chef in einem IT-Bataillon. Er war in Vorbereitung der westlichen Militärpräsenz zeitweise auch in Litauen stationiert und wird sich Fragen des Ukrainekriegs widmen.
«Ist die Ukraine nur der Anfang – wie real ist die russische Bedrohung?» «Ich denke, dazu hat jede Person eine Meinung. Wenn ich mit Leuten ins Gespräch komme, begegnen mir meist drei Positionen: «Wir müssen die Ukraine bis zum Letzten unterstützen, die Ukrainer sind selber schuld oder Putin ist der grosse Diktator, der neue Hitler», so Torsten Amling, Vater von Ludwig Amling.
«Führender Theologe seiner Zeit»
Am 13. Februar referiert der Bruder Klaus Biograf und historiografische Schriftsteller Pirmin Meier zum Thema «Typisch Schweiz – Republikanisches Christentum an den Beispielen Zwingli und Gotthelf». Pirmin Meier ist von Haus aus Katholik, wird nächs-
tes Jahr jedoch in Wittenberg, im Zentrum des Luthertums, einen Beitrag halten über «die Schweizer Variante von evangelisch sein». «Es ist
vielen Leuten nicht mehr bewusst, welchen grossen Einfluss die Reformation auf die Kultur und den Wohlstand in der Schweiz hatte», so Torsten Amling.
Albert Schweitzer sei ein bisschen in Vergessenheit geraten. «Er ist eigentlich ein Phänomen. Er war nicht allein Arzt, sondern einer der führenden Theologen seiner Zeit, der die Geschichte der «Leben-Jesu-Forschung» prägte, das riesige Standardwerk auch für heutige Theologiestudierende, und zudem Organist. Walter Schriber vom Albert-Schweitzer-Werk Schweiz referiert zum Thema «Sind die Ideen Schweitzers noch zeitgemäss?». «Vom Arzt von Lambarene stammen die Grundtexte zur Ehrfurcht vor dem Leben. Ich denke, dies ist schon etwas, worüber man nachdenken sollte», ist Torsten Amling überzeugt.
Das Programm der Tischreden
emg. Die Tischreden finden im Saal des Restaurants Leue in Waldenburg statt und beginnen jeweils um 20.15 Uhr. Die Teilnahme ist unentgeltlich, was konsumiert wird, geht zulasten der Teilnehmenden. Der Schulhausplatz ist jeweils zum Parkieren geöffnet.
Morgen Freitag, 9. Januar: Ludwig Amling: «Ist die Ukraine nur der Anfang – wie real ist die russische Bedrohung?»
Dienstag, 13. Januar: Pirmin Meier: «Typisch Schweiz – Republikanisches Christentum an den Beispielen Zwingli und Gotthelf.»
Dienstag, 27. März: Walter Schriber: «Sind die Ideen Schweitzers noch zeitgemäss? – Leben, Werk, Vermächtnis.»

