Vom Tellerwäscher zum Unternehmer
24.02.2026 ArisdorfDzevad Sepic hat erfolgreich eine Kanalreinigungsfirma aufgebaut
Er kam einst aus Bosnien in die Schweiz und hat sich Stück für Stück nach oben gearbeitet. Heute führt Dzevad Sepic seine eigene Kanalreinigungsfirma mit Standorten in Arisdorf und bei Thun. Er ...
Dzevad Sepic hat erfolgreich eine Kanalreinigungsfirma aufgebaut
Er kam einst aus Bosnien in die Schweiz und hat sich Stück für Stück nach oben gearbeitet. Heute führt Dzevad Sepic seine eigene Kanalreinigungsfirma mit Standorten in Arisdorf und bei Thun. Er beschäftigt nach fünf Jahren bereits 24 Mitarbeitende.
André Frauchiger
«Wir sind wie eine Familie», sagt Dzevad Sepic. Er ist 52-jährig und Geschäftsführer und Inhaber der Kanal-Institut AG in Arisdorf. Das Unternehmen beschäftigt 24 Personen an den beiden Firmenstandorten in Arisdorf und Reutigen bei Thun.
Gegründet wurde die Firma im Jahr 2021. Die ersten drei Angestellten arbeiteten damals im Carport seines Wohnhauses in Rümlingen. Nach einer Zwischenstation in Diepflingen bezog das Unternehmen am 1. Februar dieses Jahres die heutigen Gewerberäumlichkeiten in Arisdorf.
Sepic kam 1996, nach dem Bosnienkrieg, in die Schweiz. Er betont, dass er nicht als Kriegsflüchtling eingereist sei, sondern bewusst den Weg in ein neues berufliches Umfeld gesucht habe. Seine erste Anstellung fand er als Tellerwäscher in einer Pizzeria in Ormalingen. Früh habe er gewusst, dass er vorwärtskommen wolle. Lernen, arbeiten und Chancen nutzen sei für ihn von Anfang an zentral gewesen.
Vor 27 Jahren wechselte er in die Kanalbranche und trat in die Firma Arpe in Sissach ein – zunächst als Hilfsarbeiter. In den folgenden Jahren bildete er sich kontinuierlich weiter, spezialisierte sich auf Leitungssanierungen, absolvierte Fachschulen und übernahm später eine Führungsfunktion im mittleren Management. Mehrfach habe er in seiner Laufbahn bewusst nur ein Ziel verfolgt, sagt Sepic. Einen Plan B habe es für ihn nie gegeben.
Dabei weist er darauf hin, dass sein beruflicher Weg nicht allein sein Verdienst sei. Er habe über viele Jahre von der Unterstützung zahlreicher Menschen profitiert – von Vorgesetzten, Arbeitskollegen und später auch von Mitarbeitenden. Sie hätten Zeit, Wissen und Vertrauen investiert und ihm Möglichkeiten eröffnet, die er genutzt habe. Rückhalt fand er dabei stets auch bei seiner Familie, insbesondere bei seiner Frau, die ihn in arbeitsintensiven Phasen unterstützt habe.
Moderne Fahrzeugflotte
Seit fünf Jahren ist Sepic nun Unternehmer. Er legt grossen Wert auf ein gutes Betriebsklima. Von seinen Mitarbeitenden erwartet er Offenheit, Ehrlichkeit und Einsatzbereitschaft. Im Gegenzug habe er stets ein offenes Ohr für deren Anliegen, so Sepic. Verbesserungsvorschläge aus dem Team seien ausdrücklich erwünscht und flössen auch in Investitionsentscheide ein.
Im vergangenen Jahr hat der Unternehmer, der längst das Schweizer Bürgerrecht besitzt, grosse Investitionen in seine Firma getätigt, darunter auch in neue, technisch hochausgerüstete Fahrzeuge. Zurzeit verfügt das Unternehmen über 19 Fahrzeuge. Auch die einheitliche Arbeitsbekleidung der Mitarbeitenden ist Sepic wichtig – sie sei Teil des professionellen Auftritts gegenüber der Kundschaft.
Zum Dienstleistungsangebot gehören Kanalreinigung und -unterhalt, Kanalinspektion und Zustandserfassung, Kanalsanierung, Dichtheitsprüfungen sowie Schacht- und Fräsarbeiten. Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Dichtheitsprüfungen, Zustandserfassung mittels Kanalinspektionskameras, Inhaussanierung und auf modernen «Inline»-Verfahren.
Bei Letzteren werden beschädigte Abwasserleitungen von innen saniert, ohne dass Strassen oder Gebäude aufgebrochen werden müssen. Ein mit Harz getränkter Schlauch wird in das bestehende Rohr eingebracht, an die Innenwand gepresst und ausgehärtet. Auf diese Weise entsteht eine neue, dichte Innenwand, welche die Leitung langfristig stabilisiert und dicht macht. Diese Methode reduziert Bauzeit, Kosten sowie Lärm und Verkehrsbehinderungen deutlich.
Ergänzend übernimmt das Unternehmen auch die Reinigung privater Hausanschlussleitungen. Empfohlen wird, Abwassergrundleitungen mindestens alle drei Jahre, Sickerleitungen und Schächte alle drei bis fünf Jahre sowie Wohnungsleitungen alle acht bis zehn Jahre reinigen zu lassen, erklärt Dzevad Sepic. Er hat in diesem Metier sein berufliches Glück gefunden.



