Vom Stricken bis zum Streitgespräch erstarkt
11.06.2026 Sissach«Cheesmeyer» zieht Bilanz: 149 Anlässe und mehr als 2500 Besucher
Die Betreiber des «Cheesmeyers» bezeichnen ihr Geschäftsjahr bereits nach elf von zwölf Monaten als Erfolg. Altes und Neues hätten sich meistens bewährt, die wichtigsten ...
«Cheesmeyer» zieht Bilanz: 149 Anlässe und mehr als 2500 Besucher
Die Betreiber des «Cheesmeyers» bezeichnen ihr Geschäftsjahr bereits nach elf von zwölf Monaten als Erfolg. Altes und Neues hätten sich meistens bewährt, die wichtigsten Kennzahlen steigen, und neue Erkenntnisse fliessen ins nächste Programm ein.
Jürg Gohl
Kein Zeichen vom Tontechniker. Mara Miribung, die begnadete Cellistin und Sängerin aus Südtirol, möchte eine Stunde vor ihrem Auftritt in der Gesprächsreihe von Ueli Mäder sicherstellen, dass die Akustik möglichst perfekt ist. Und so tigert Gastgeber Kaspar Geiger umher, anstatt sich ein bisschen im Erfolg seines Hauses, dem «Cheesmeyer» in Sissach, zu sonnen.
Obschon nicht einmal ganz elf von zwölf Monaten des Geschäftsjahrs 2025/26 abgeschlossen sind, kann sich die Bilanz mehr als sehen lassen. Darin werden hochgerechnet weit mehr als 2500 Besucherinnen und Besucher sowie 149 Anlässe ausgewiesen, die Geiger und sein fünfköpfiges Leitungsteam veranstalten. Fast die Hälfte der Veranstaltungen, 73, wird der Rubrik Begegnungen zugeordnet, gefolgt von 24 Lesungen, «Spoken Word»- Anlässen, fast so vielen Konzerten und 15 Talks. Zu Letzteren zählt auch das Podium dieses Abends von Ueli Mäder. Der jeweils am letzten Donnerstag des Monats stattfindende Anlass steht seit Jahresbeginn unter dem Schirmbegriff «Heimat».
Steigendes Interesse allerorten
Ebenfalls im Januar stand die neue Reihe «WiederEntdecken» erstmals auf dem Programm, in der professionelle Vorleser teils weniger bekannte Autorinnen und Autoren aus der Vergessenheit hervorholen. Schauspieler wie der Böckter Charles Brauer, der am 15. Januar die Serie mit dem weniger bekannten Ludwig Hohl eröffnete, Dominique Lüdin und Hanspeter Müller-Drossaart sorgten für «unvergessliche Abende», wie sie Geiger bezeichnet, und für ein konstant wachsendes Publikum bei dieser «Eigenkreation». Im bevorstehenden Jahr sind auch vier Lesungen mit ukrainischen Autorinnen vorgesehen.
Überhaupt würde das zunehmende Interesse in fast allen Bereichen die Veranstalter beflügeln. Einzig die Anlässe für Kinder bleiben eine Wundertüte. Einmal wird der «Cheesmeyer» überrannt, ein andermal bleiben die Stühle leer. «Und wenn wir die berührende Lesung mit der Ukrainerin Eugenia Senik auf den Pfingstsamstag legen und dann nur wenig Leute erscheinen, müssen wir uns zuerst an der eigenen Nase nehmen», übt Geiger Selbstkritik.
Volle Säle garantieren auch die Geschichten vom «Mischtstock» mit dem im Oberbaselbiet verwurzelten Kabarett-Duo Daniela Dill und Dominik Muheim. Es habe sich als fester Bestandteil des Programms etabliert, schreibt das Haus, und bringe neben einem auf Kabarett fixierten «eigenen» Publikum immer noch eine Grösse aus ihrem Genre als Überraschungsgast mit. Zum Vormerken: Ihr nächster Auftritt folgt am 12. Juni (mit Bänz Friedli). Vier weitere Termine sind mit Dill und Muheim bereits vereinbart. Erfreut stellt die «Cheesmeyer»-Crew in einem Bericht zum ablaufenden Jahr 2025/26 fest, dass sich das Haus gerade in der Kleinkunst-Szene etablieren konnte.
Neues und ein Abschied
Abendliche Lesungen, Gesprächsreihen und Auftritte machen gemeinsam nur die Hälfte des Jahresprogramms aus, die andere entfällt auf die darin grün angegebenen «Begegnungen». Diese reichen vom Stricken, Filzen oder Tanzen, dem «Offenen Singen» mit Ariane Rufino dos Santos bis hin zu Diskussions-Treffen zu Erziehungsfragen und einem ADHS-Stammtisch.
Neu wird es in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Bloomell, das den Gastrobetrieb im Haus führt, eine Abend-Bar geben. Geplant ist zudem ein «Café Med», in dem bei Problemen medizinisch geschulte Personen, etwa Pensionierte, am Kaffeetisch Auskunft erteilen. Die Ideen gehen dem Team mit Kaspar Geiger, Co-Leiterin Ursula E. Brunner, Betriebsleiter Andreas Daniel Müller, der für die Musik zuständigen Deborah Regez und dem technischen Leiter Jan Gubser nicht aus.
In gewissen Bereichen muss man aber zurückkrebsen: So fragt man sich, ob das Haus die hohen Ansprüche an die Akustik erfüllen kann, oder ob man das nicht besser anderen überlässt. Auch die gut besuchten Führungen durch das älteste Kaufhaus im Baselbiet durch dessen Besitzer Robert Häfelfinger enden. Es fehlt nicht am Interesse, doch Häfelfinger wird in einem Monat 95 Jahre alt.

