Vom Skip zum Trainer
07.02.2025 SportCurling | Der Sissacher Yves Stocker in neuer Rolle an der Schweizermeisterschaft
Aufgrund einer Meniskusverletzung unterstützt der Sissacher Skip Yves Stocker sein Curling-Team aktuell «nur» als Trainer. Sein Ziel ist es, sich mit seinem CC Oberwallis ...
Curling | Der Sissacher Yves Stocker in neuer Rolle an der Schweizermeisterschaft
Aufgrund einer Meniskusverletzung unterstützt der Sissacher Skip Yves Stocker sein Curling-Team aktuell «nur» als Trainer. Sein Ziel ist es, sich mit seinem CC Oberwallis für die EM zu qualifizieren und bald selber wieder auf dem Eis zu stehen.
Luana Güntert
Herr Stocker, Sie beteiligen sich mit Ihrem Verein CC Oberwallis seit dem 1. Februar an der Schweizer Meisterschaft in Bern. Heuer sind Sie jedoch Trainer und nicht wie gewohnt der Skip Ihres Teams. Wie kam es dazu?
Yves Stocker: Ich habe schon vor längerer Zeit den Meniskus gerissen, konnte vergangene Saison aber normal spielen. Zu Beginn dieser Saison habe ich mir dann jedoch wiederholt den Meniskus eingeklemmt, weshalb ich meine aktive Saison vorzeitig beenden musste. Trainer wurde ich dann nicht sofort, weil ich meine gesamte Energie in meine Reha gesteckt habe, um möglichst schnell wieder fit zu sein. Für die laufende Schweizer Meisterschaft haben wir uns entschieden, dass ich mein Team als Trainer unterstützen werde.
Sie haben sich gestern Nachmittag für die Play-offs qualifiziert und spielten gestern Abend um den Halbfinaleinzug. Welches Ziel haben Sie?
Wir wollen die Schweizer Meisterschaft gewinnen, um uns so für die EM in Frühling in Deutschland zu qualifizieren. Das wird nicht einfach, aber ich denke, dass unsere Chancen intakt sind.
Was beinhaltet der Job als Curling-Trainer?
Im Gegensatz zu Sportarten wie Fussball oder Eishockey darf man im Curling während des Spiels keine Kommandos geben oder das Team durch laute Zurufe anleiten. Ich sitze abseits mit meinem Tablet und mache mir Notizen. Die Spieler können sich nur in der einminütigen Trinkpause mit mir unterhalten oder wenn das Team ein Time-out verlangt, um Taktisches zu besprechen. Grundsätzlich bin ich nur während der Schweizer Meisterschaft «Trainer», da wir vom Verband her offizielle Nationalcoaches zugeteilt bekommen. Ich absolvierte also keine täglichen Trainings mit meinem Team. Neben dem taktischen Teil während des Spiels bin ich eher der Organisator: Ich nehme meinem Team alles ab, damit es sich ganz auf den Match konzentrieren kann. Für meine Aufgabe habe ich mir Tipps von einem Sportpsychologen geholt.
Ist es für Sie als eigentlicher Spieler schwierig, nur daneben zu sitzen und nicht auf dem Eis mithelfen zu können?
Natürlich stehe ich lieber auf dem Eis. Aber ich habe akzeptiert, dass diese Schweizer Meisterschaft für mich als Spieler gelaufen ist, daher kann ich gut damit umgehen. Ich habe jedoch festgestellt, dass ich als Trainer nervöser bin, weil ich nicht direkt auf das Spiel Einfluss nehmen kann …
Sie haben erwähnt, dass Sie es mit Ihrem Team an die EM schaffen wollen. Welche weiteren Ziele verfolgen Sie?
Priorität hat natürlich das Gesundwerden und dass ich meinen Trainerjob wieder loswerde (lacht). Besonders tragisch ist, dass mein Meniskus vor einer Woche aus unerklärlichen Gründen erneut gerissen ist. Ich stehe bei meiner Reha somit wieder bei Null, was ein Tiefschlag ist. Zum Glück werde ich ärztlich gut betreut und ich bin optimistisch, nächste Saison wieder dabei zu sein.
Welche sportlichen Ziele haben Sie, sobald Sie gesundheitlich wieder bereit zum Spielen sind?
Ich will mich mit meinem Team in der Weltrangliste höher klassieren, damit wir an den Grand Slams mitspielen können. Da bin ich sehr optimistisch! Wir sind ein junges Team; im Curling erreichen viele erst mit 30 ihre sportlich beste Phase. Da wir alle erst Mitte 20 sind, haben wir also noch etwas Zeit.
Yves Stockers Team spielte gestern Abend nach unserem Redaktionsschluss im Viertelfinal. Die Resultate finden Sie unter www.curling.ch.
Zur Person
lug. Yves Stocker wurde 1999 geboren und kommt aus Sissach. Seit dieser Saison startet er mit seinem Team für den Curling Club Oberwallis. Zuvor spielte das Team für den Curling Club Zug. Als Junior spielte Stocker bereits an Weltmeisterschaften.

