Vom «Schiff» in die «Sonne»
02.10.2026 SissachDas Traditionslokal hat ein Pächterpaar gefunden – die Eigentümer atmen auf
Seit gestern steht das Restaurant des Hotels «Sonne» in Sissach unter neuer Leitung. Das Geschwisterpaar Asiye und Osman Altay wird das Lokal als Pächter führen – nach ...
Das Traditionslokal hat ein Pächterpaar gefunden – die Eigentümer atmen auf
Seit gestern steht das Restaurant des Hotels «Sonne» in Sissach unter neuer Leitung. Das Geschwisterpaar Asiye und Osman Altay wird das Lokal als Pächter führen – nach bestehendem Konzept mit gutbürgerlicher Schweizer Küche.
Christian Horisberger
Der lange gehegte Wunsch von Adriana und Michele Linsalata ist in Erfüllung gegangen: Sie können einen Teil des Hotels «Sonne» in die Hände von Pächtern legen. Seit gestern haben im Restaurant der «Sonne» Asiye und Osman Altay das Sagen. Die aus der Türkei stammenden Geschwister mit Schweizer Pass wirkten seit rund 20 Jahren erfolgreich im familieneigenen Restaurant «Schiff» im Basler Quartier Kleinhüningen, bekannt für seine gutbürgerliche Küche, und möchten ihre Qualitäten als Gastgeber nun in Sissach zeigen. Für Osman Altay ist die Sissacher Gastroszene kein Neuland. Als vor 15 Jahren ein Freund von ihm den «Löwen» schräg gegenüber führte, habe er dort als Aushilfe gearbeitet. Die «Sonne» sei ihm schon damals aufgefallen, sagt er.
Die Gastronomie haben die neuen Pächter des Traditionsbetriebs sozusagen in den Genen. Ihre Familie betreibe in Basel und Umgebung zahlreiche Lokale, sagt Osman Altay. Im «Schiff» habe er im operativen Bereich gewirkt, Asiye, die in Istanbul Betriebswirtschaft studierte, in der Administration, doch seien sie beide Allrounder: «Wenn nötig, legen wir auch in der Küche Hand an.»
Doppelbelastung für Eigentümer
Als die «Volksstimme» mit den neuen Pächtern der «Sonne» spricht, sitzen Adriana und Michele Linsalata, die Eigentümer des Hotel- und Restaurantbetriebs, mit am Tisch. Sie wirken entspannt. Das Ehepaar liess das Haus während dreier Jahre restaurieren, umbauen und erweitern und nahm es an Ostern 2022 in Betrieb: mit zwei Restaurants, einer grossen Terrasse, 19 Hotelzimmern und 12 Seniorenresidenzen. Als die Zusammenarbeit mit einem angestellten Geschäftsführer scheiterte, sprangen sie mangels Alternativen ein, um den Laden selber zu schmeissen.
Ihr Tätigkeitsfeld habe sich während der vergangenen Jahre zum Teil stark von ihren Unternehmen Linsalata Gebäudetechnik und ML Design in die «Sonne» verschoben, sagt Adriana Linsalata: «Das ging nur, weil wir uns dort auf langjährige Mitarbeitende verlassen konnten.» Die Doppelbelastung ging aber an die Substanz und sollte keine Lösung auf Dauer sein.
Vor rund einem Jahr betrauten die Eigentümer deshalb einen Profi mit der Pächtersuche. Man habe mehrere Interessenten getroffen und auch deren bisherige Lokale besucht, sagt Adriana Linsalata. Gefunkt habe es nie. Bis sie die Altays kennenlernten. Die Chemie stimmte, und auch beim Konzept war man sich einig: Die «Sonne» soll authentische und hochwertige schweizerische Küche bieten. Die Familie Altay, obwohl türkischer Herkunft, beherrsche diese, sagt Michele Linsalata: «Wir haben ihr Lokal in Basel besucht und waren vom Essen begeistert.» Nicht ohne Stolz fügt Osman Altay an: «Das ‹Schiff› macht die beste Rösti von Basel.»
Ansonsten wirken die Geschwister eher zurückhaltend und zeigen grossen Respekt vor der Aufgabe, die auf sie wartet. Sie wollen sich zunächst auf das grössere Restaurant («The 1534») konzentrieren. Zu einem späteren Zeitpunkt bestehe die Option, dass sie auch den Hotelbetrieb unter ihre Fittiche nehmen. Das Restaurant im historischen Teil der «Sonne», «L’Epoca», wird gemäss Michele Linsalata an einen anderen Pächter übergeben. Dieser werde im März mit einer Speisekarte starten, welche jene des «The 1534» ergänze. Den Namen des zweiten Pächters behält er für sich, bis der Vertrag in trockenen Tüchern ist. Bis im März werden die Altays auch das kleinere Lokal führen.
«Das Sagen haben ab sofort sie»
Die Eigentümer stünden den Pächtern während ihres Starts mit Rat und Tat zur Verfügung, erklärt Adriana Linsalata. «Das Sagen haben aber ab sofort sie», betont ihr Ehemann. Die Erleichterung steht ihm ins Gesicht geschrieben: «Ich kann es kaum fassen, dass wir so tolle und erfahrene Leute gefunden haben.» Adriana spricht auch von einem weinenden Auge: Insbesondere die Kontakte zu den vielen Gästen würden ihr in Zukunft fehlen. Immerhin: Die Verantwortung für Hotel (noch) und Seniorenresidenzen bleibt bei den Linsalatas.
Mit Ausnahme der Verantwortlichen bleibt in der «Sonne» zunächst alles beim Alten: Das Personal – Küchencrew inklusive – wird von den Pächtern übernommen. Haben sich die neuen Führungskräfte eingelebt, ist vorgesehen, dass das Restaurant zunächst auch sonntags geöffnet sein wird (bisher nur auf Reservation), mit dem Montag als Wirtesonntag und später sogar sieben Tage die Woche.

