Vom «Paradiesli» zum Landschaftsparadies
28.07.2026 LangenbruckEin neues grosses Biodiversitätsprojekt entsteht
Pro Natura Baselland, «BirdLife Schweiz», der Verein Natur WB-Tal und der Forstbetrieb Frenkentäler haben einen neuen Verein gegründet, der auf 10 Quadratkilometern diverse Aufwertungsmassnahmen vorsieht.
...Ein neues grosses Biodiversitätsprojekt entsteht
Pro Natura Baselland, «BirdLife Schweiz», der Verein Natur WB-Tal und der Forstbetrieb Frenkentäler haben einen neuen Verein gegründet, der auf 10 Quadratkilometern diverse Aufwertungsmassnahmen vorsieht.
Elmar Gächter
Auf der Juragebirgskette der Gemeinden Langenbruck und Waldenburg erstreckt sich auf 6,5 Hektaren das Gebiet «Paradiesli». Es zeichnet sich durch abwechslungsreiche Mischwälder und naturnahe Weideflächen aus, durchsetzt von Büschen, Einzelbäumen und Baumgruppen. Dieses Trittsteinbiotop als inselartiger Lebensraum in einer vielfältig genutzten Landschaft bildet mit seinen fliessenden Übergangsbereichen zwischen Wald und Offenland eine von mehreren Landschaftskammern des Forstbetriebs Frenkentäler und beherbergt eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.
Um die Biodiversität zu fördern, hat der Forstbetrieb ein Projekt für das «Paradiesli» ausgearbeitet, das durch gezielte Eingriffe wie das Auslichten von Waldrändern und das Entfernen von Büschen mehr Licht bis zum Waldboden bringen soll. «Dabei wurde uns bewusst, dass das Gebiet ein Potenzial birgt, das weit über die Fläche des ‹Paradiesli› hinausgeht und die biodiversitätsfördernden Massnahmen auf viel grössere Fläche ausgedehnt werden könnten», sagt Simon Tschendlik, Leiter des Forstbetriebs Frenkentäler.
Pro Natura Baselland, «BirdLife Schweiz», der Verein Natur WB-Tal und der Forstbetrieb Frenkentäler haben in der Folge kürzlich den Verein «Landschaftsparadies» gegründet, mit dem Ziel, die Aufwertungsmassnahmen auf eine Fläche von rund 10 Quadratkilometer auszuweiten. Biologin Tabea Haupt und Biologe Lukas Merkelbach, die das Grossprojekt begleiten, beschreiben eine Landschaft, die viele wertvolle Tier- und Pflanzenarten aufweise, die teilweise aber nur noch in Restvorkommen existierten. Damit die Vielfalt längerfristig erhalten bleibe und die Bestände erhöht werden können, müssten zum Beispiel Insekten besser wandern können, was aufgrund der oft durchgehenden dunkeln und geschlossenen Waldbänder nicht überall möglich sei.
Um solche Barrieren für Pflanzen und Tiere abzubauen, sollen Waldbänder an ausgewählten Stellen unterbrochen werden. Zudem sind im Offenland neue Strukturen mit Baumgruppen und Sträuchern vorgesehen. «Wir wollen mit diesen Eingriffen keine neuen Naturschutzgebiete schaffen, sondern die bestehenden optimieren», erklärt Lukas Merkelbach. Förster Tschendlik betont, dass die Ziele auch dem Waldpflege- und Klimawandelprogramm des Kantons entsprechen. Es soll ein breites Angebot für unterschiedlichste Arten durch verschiedene Baumarten geschaffen werden.
Zu den Eigentümern der gesamten Projektfläche zählen auch verschiedene Landwirte. Laut Tabea Haupt werden sie frühzeitig in das Projekt eingebunden, damit ihre Vorstellungen in den Massnahmenkatalog einfliessen können. Die Projektverantwortlichen denken unter anderem an Schnittstaffelungen beim Mähen der Weiden, die aus Sicht der Initianten nicht nur das Blütenangebot erhöhen, sondern auch die Bewirtschaftung attraktiver machen könnten.
Das Zurückschneiden der Waldränder senkt den Beschattungseffekt und wirkt der Vergandung des Kulturlands entgegen. Zudem will man gemeinsame Lösungen für Wasserbezug in Zeiten zunehmender Trockenheit erarbeiten.
«Es kann für die Betriebe auch finanziell interessant sein, etwa in Form von Aufträgen für das Auslichten der Waldränder oder längerfristig über einen Ökovertrag für Pflege und Unterhalt», so Simon Tschendlik.
Theater Basel als Sponsor
Die Verantwortlichen rechnen mit Gesamtkosten im niedrigen einstelligen Millionenbetrag; sie sind zuversichtlich, die nötigen Mittel auftreiben zu können. «Wir wollen eine Hebelwirkung für die Natur schaffen, aber auch Unternehmen in die Verantwortung nehmen», hebt Tschendlik hervor. Als Beispiele nennt er das Theater Basel sowie die Basellandschaftliche Kantonalbank, die im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Aufwertungsprojekt «Paradiesli» mit namhaften Beiträgen unterstützen. Er ist überzeugt, dass es viele Firmen gibt, die in dieser Richtung etwas bewegen und vor allem in einer grossen Landschaftskammer einen spürbaren Impact erzielen wollen.
Mit den Aktivitäten des Vereins «Landschaftsparadies» soll nicht nur die Biodiversität gestärkt werden, sondern es werden auch landschaftliche und kulturhistorische Aspekte miteinander verknüpft. Der Verein will die Vielfalt wiederbeleben, in einer Landschaft mit vielfältigen Nutzungsformen und historischen Geschichten. So hat Alexander Solschenyzin im angrenzenden Waldgebiet Holznacht seinen «Archipel Gulag» geschrieben, wurde Erz abgebaut und Köhlerei betrieben oder hat das Kloster Schönthal einen wichtigen kulturellen Teil abgedeckt.


