Vom Hörsaal aufs Frachtschiff
05.11.2026 GelterkindenRaja Breig ist auf dem Weg zur Binnenschifffahrtskapitänin
Die junge Gelterkinderin Raja Breig arbeitet seit August auf einem Frachtschiff, das zwischen Basel und Rotterdam unterwegs ist. In ihrer Kolumne für die «Volksstimme» berichtet sie ab nun regelmässig von ...
Raja Breig ist auf dem Weg zur Binnenschifffahrtskapitänin
Die junge Gelterkinderin Raja Breig arbeitet seit August auf einem Frachtschiff, das zwischen Basel und Rotterdam unterwegs ist. In ihrer Kolumne für die «Volksstimme» berichtet sie ab nun regelmässig von ihrem Alltag als Matrosin auf dem Rhein.
Lea Wieser
Auf dem Binnenschiff, das zwischen Basel und Rotterdam auf dem Rhein unterwegs ist, gibt es für Matrosinnen und Matrosen einiges zu tun: Die Fracht muss geladen werden, das Deck gehört gewaschen und im Maschinenraum müssen die Motoren gewartet sein. All das und viel mehr gehört zu Raja Breigs Aufgaben während ihrer Ausbildung zur Binnenschifffahrtskapitänin – die gelegentliche Kaffeepause mit der Crew bei Wartezeiten ebenso.
Vor rund zwei Monaten hat Raja Breig ihre Lehrstelle angetreten. In Zukunft wird sie regelmässig in der «Volksstimme» davon berichten: In ihrer Kolumne «Ahoi Captain» lässt sie die Leserinnen und Leser an ihrer Ausbildung teilhaben, die nicht gerade alltäglich ist.
Weder das Schreiben noch die Arbeit bei der «Volksstimme» sind für die Gelterkinderin dabei etwas Neues. Bereits als Jugendliche schrieb Raja Breig Kurzgeschichten, und nach ihrem Abschluss am Gymnasium Liestal verbrachte sie ein halbes Jahr als Praktikantin auf der «Volksstimme»-Redaktion.
Sissach, Fribourg, Peru, Schiff
Die vergangenen vier Jahre lebte die 24-Jährige in Fribourg, wo sie den Bachelor in Spanisch und Geschichte absolvierte und im Juni erfolgreich abschloss. Während des Studiums verbrachte sie ein Semester in Peru – und fasste dort den endgültigen Entschluss, die Ausbildung auf dem Flussschiff anzutreten.
«Eigentlich hätte ich das bereits nach dem Gymnasium machen wollen», sagt sie. Covid machte ihrem damaligen Plan jedoch einen Strich durch die Rechnung, und während des Studiums rückte der Ausbildungswunsch dann etwas in den Hintergrund. «Als ich aber in Peru eine Woche lang auf einem Frachtschiff durch den Amazonas reiste, war mir plötzlich klar, dass ich das machen muss», erzählt Breig.
Neben einer Liebe für Schiffsausflüge hatte die Oberbaselbieterin vor ihrer Lehre keine Erfahrungen als Matrosin. Dafür liegt ihr die Schifffahrtskunst praktisch im Blut. «Ein entfernter Verwandter meiner Familie, Pitt Isler, hat in den 1960er-Jahren auch in Basel die Ausbildung zum Rheinmatrosen gemacht. Danach war er überall in der Welt auf hoher See unterwegs. Als ich jünger war, hat mein Vater ein Buch über ihn geschrieben, wodurch ich mehr über das Leben auf dem Schiff erfahren habe», sagt Raja Breig. Da habe der Traum, Kapitänin zu werden, seinen Ursprung.
Kochen, putzen, löschen
Nun, da sie den Schiffsalltag kennengelernt hat, erfülle dieser alle ihre Erwartungen und mehr. Jeweils zwei Wochen am Stück ist Raja Breig unterwegs: «Üblicherweise starten wir damit, das Schiff mit Containern zu beladen, bevor wir den Basler Hafen verlassen und runter – beziehungsweise geographisch gesehen hoch – nach Rotterdam fahren.» Dort werden die Container, wie es im Fachjargon heisst, gelöscht, also entladen. Mit neuer Fracht an Bord führt die Reise anschliessend zurück in den Basler Hafen.
Während dieser Zeit wohnt Raja Breig auf relativ engem Raum gemeinsam mit den anderen Crewmitgliedern in der schiffseigenen Wohnung. Als Matrosin ist sie für allerlei Aufgaben zuständig: vom Kochen für die Crew über das Reinigen des Decks bis hin zum Festmachen des Schiffs an der Kaimauer. Dabei beschränken sich die Tätigkeiten auf dem Schiff nicht auf übliche Arbeitszeiten. Da auch nachts Arbeiten anfallen, hat die Gelterkinder Matrosin regelmässig Nachtschichten. Neben Arbeiten, Schlafen und einigen Stunden in den «eigenen» vier Wänden bleibt nicht viel Zeit übrig.
Die Schiffsaufenthalte verlaufen dadurch zwar grösstenteils kurzweilig, können aber anstrengend sein. Nach den zwei Wochen auf Fluss folgen daher jeweils zwei freie Wochen. «Das ermöglicht mir, mich entspannt auszuruhen, und gibt mir die Freiheit, weiterhin flexibel und unternehmungslustig sein zu können»,
Zur Schule geht die angehende Kapitänin nicht wie die meisten Lernenden wöchentlich, sondern während dreimonatigen Unterrichtsblöcken in Duisburg. Passend zum Beruf leben die Auszubildenden dort auf einem stillgelegten Fahrgastschiff, wie in einem Internat.
Der Unterricht beginnt für Raja Breig erst nächsten Herbst. Bis dahin bleibt noch ein ganzes Jahr Zeit für praktische Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Frachtschiff. Detailliertere Einblicke dazu teilt die Matrosin in ihrer Kolumne in der «Volksstimme» (siehe rechts).

