Vom Bürostuhl an die Reception
25.09.2026 HölsteinMarc Bohm hat sich im Berner Oberland einen Traum erfüllt
Marc und David Bohm betreiben seit knapp zwei Jahren das Drei-Sterne-Garni-Hotel «Brienzersee» in Ringgenberg. Die beiden Quereinsteiger sind im neuen Metier ausgezeichnet gestartet.
Elmar ...
Marc Bohm hat sich im Berner Oberland einen Traum erfüllt
Marc und David Bohm betreiben seit knapp zwei Jahren das Drei-Sterne-Garni-Hotel «Brienzersee» in Ringgenberg. Die beiden Quereinsteiger sind im neuen Metier ausgezeichnet gestartet.
Elmar Gächter
Der Blick schweift über das blaue Wasser zum gegenüberliegenden südlichen Ufer des Brienzersees: Bönigen halbrechts, ganz links Iseltwald. Der Himmel zeigt sich wolkenlos, und die Sonne führt an diesem Vormittag im August – wie an vielen anderen Tagen in diesem besonderen Sommer – das Zepter. Auf der Terrasse herrscht eine angenehme Ruhe, nur unterbrochen vom kraftvollen Schiffshorn des Schaufelraddampfers DS Lötschberg, der direkt unterhalb des Hotels die Anlegestelle Ringgenberg verlässt. Idylle pur im Berner Oberland. Es ist das Reich von Marc und David Bohm, die hier zusammen als Paar und auch beruflich ihr Glück gefunden haben.
«Die Gastronomie hat mich seit jeher fasziniert. Bereits im Schulalter sprach ich davon, dereinst ein Hotel zu führen», erinnert sich der 43-jährige Marc Bohm, der in Hölstein aufwuchs. Doch bis sich sein Traum verwirklichen liess, war beruflich anderes angesagt. Mit seiner kaufmännischen Ausbildung entschied er sich für eine Tätigkeit, die er bis zum Umzug nach Ringgenberg ausübte. Hinter dem Buffet arbeiten, servieren oder in der Küche mithelfen waren jedoch schon vor seiner Lehre seine liebsten Freizeitaktivitäten, zunächst auf der «Hinteren Wasserfallen», später bei seiner Tante, die in Wengen das Restaurant «Allmend» führte.
Zwei Quereinsteiger
Zusammen mit seinem Partner David (49) vertiefte sich Marcs Wunsch, auf die Gastronomie umzusatteln.
David, gelernter Elektroinstallateur, betrieb eine eigene Reinigungsfirma in Reigoldswil und ist wie Marc ein Quereinsteiger.
Die Suche nach einem geeigneten Objekt verlief zunächst ergebnislos, bis ihnen das Hotel «Brienzersee» in Ringgenberg ins Auge stach. «Wir haben die Besitzer angeschrieben, ohne zu wissen, ob es verpachtet oder verkauft wird. Und tatsächlich kam kurze Zeit später die Nachricht, dass sie sich schon längere Zeit um eine Nachfolge bemühen sollten», so Marc Bohm.
Beide kamen mit klaren Vorstellungen und einem Businessplan, den sie zusammen mit Marcs Tante bis in die Morgenstunden erarbeitet hatten. «Dass wir Quereinsteiger waren, interessierte die Eigentümer nicht. Für sie war ausschlaggebend, dass wir das nötige Herzblut mitbrachten, alles andere könne man lernen.» So kam es, dass sie ab November 2024 das Hotel kaufen konnten und es seither führen.
Im Gegensatz zu den Vorbesitzern, die das Hotel Garni nur von April bis Ende Oktober geöffnet hatten, ist es unter der neuen Führung auch im Winter geöffnet. «Wir waren total überrascht, wie viele Gäste wir von Anfang an auch in den Wintermonaten begrüssen durften. Wir mussten kurzfristig sogar Familienmitglieder «einfliegen» lassen, sonst hätten wir es nicht geschafft», blickt Marc Bohm zurück. Sie hätten es in der Tat unterschätzt, hält David fest. Es gab Präsenzzeiten von sechs Uhr morgens bis um Mitternacht. «Erst als wir ins Bett gingen, stellten wir fest, dass wir den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatten.»
Die langen Arbeitszeiten und das 24-stündige Zusammensein habe ihre Beziehung zwischenzeitlich belastet. Die Anstellung einer zusätzlichen Arbeitskraft und die Routine brachten sukzessive Entlastung. «Für uns beide ist sehr wichtig, dass wir das Private und das Geschäftliche trennen, ausserhalb des Hotels sprechen wir nicht über Betriebliches», betont Marc. Während er sich vor allem um die Gästebetreuung und das Administrative kümmert, betätigt sich David als Handwerker mehr im Hintergrund für Haustechnik, Einkauf und Materialbewirtschaftung.
9,5 Punkte bei «booking.com»
Beiden ist wichtig, den Betrieb im Sinn der Vorbesitzer weiterzuführen. «Das Hotel hat einen guten Ruf, und wir konnten nach relativ kurzer Zeit die Bewertung bei ‹Booking.com› von 9,2 auf 9,5 Punkte steigern», halten beide stolz fest. Dies sei nur möglich dank des guten Teams und des Umstands, dass Vorgesetzte und die mittlerweile neun Angestellten am gleichen Strick ziehen.
Die Hotelgäste kommen aus der ganzen Welt. «Sie sollen sich in unserem Haus mit seinem Chaletstil und viel Holz wohlfühlen. Vor allem schätzen sie unser freundliches Personal, die Sauberkeit, und dass wir uns für sie Zeit nehmen.» Dass sich die Gäste heimisch fühlen, zeige sich auch darin, dass einzelne aus dem fernen Ausland bereits das dritte Mal bei ihnen gebucht haben.
Das Hotel mit seinen 14 Doppelzimmern, einem Einzelzimmer und drei Appartements sei sehr gut belegt. Besonders freut sich Marc Bohm über die vielen Gäste aus dem Baselbiet, vor allem den Besuch seiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen vom Tiefbauamt, wo er mehrere Jahre tätig war.
«Wir sind beide sehr gut von unserem neuen Zuhause aufgenommen worden, David mit seinem Hochdeutsch noch fast schneller als ich mit meinem Baselbieter Dialekt», sagt Marc lachend. Inzwischen hätten sie ein tolles Kontaktnetz sowohl im Dorf als auch in der Gastroszene aufgebaut. Marc Bohm erwähnt die freundschaftlichen Kontakte zu anderen Hotel- und Restaurationsbetrieben in der Umgebung, wo man sich gegenseitig aushelfe. Sie planen, ihr Angebot mit einer grösseren Snackkarte zu erweitern und die Terrasse vermehrt auch für Passanten zu öffnen.
Für Hobbys bleibt vorläufig keine Zeit. «Unser Hotel ist sieben Tage die Woche geöffnet. Wir gönnen uns jedoch jeden Donnerstag einen freien Tag, an dem wir wellnessen oder in die Berge fahren. Heuer konnten wir sogar sechs Tage Ferien machen. Und es funktioniert, auch wenn die Chefs nicht da sind. Dies zählt zu unserer Philosophie», sagen die beiden, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ihren Traum bis zum Pensionsalter weiterzuleben.
Mehr Informationen auf www.hotelbrienzersee.ch

