Volksmusik-Legende und Gastronom
11.06.2026 BaselBei Jodel und Ländler führte nichts an Sepp Trütsch vorbei
Der ehemalige Fernsehmoderator Sepp Trütsch war das Aushängeschild von Sendungen wie «Musig-Plausch» und «Fyraabig». Zudem gilt er als Mitinitiator des «Grand Prix der ...
Bei Jodel und Ländler führte nichts an Sepp Trütsch vorbei
Der ehemalige Fernsehmoderator Sepp Trütsch war das Aushängeschild von Sendungen wie «Musig-Plausch» und «Fyraabig». Zudem gilt er als Mitinitiator des «Grand Prix der Volksmusik». Wir haben den 77-Jährigen im Vorfeld des Eidgenössischen Jodlerfestes besucht.
Robert Bösiger
Sepp Trütsch.
Nennt man irgendwo seinen Namen, klingelt es (abgesehen bei den jüngeren Generationen) bei den meisten. War das nicht ein Jodler? Ein Jasser? Ein Radiomoderator? Oder gar ein Fernsehmann? Lässt man den Befragten etwas mehr Zeit, fällt hie und da die Bezeichnung «Volksmusik-Papst».
Konfrontiert mit dem Titel «Volksmusik-Papst», wehrt Sepp Trütsch dezidiert ab: «Ich habe immer gesagt, dass ich lieber Kardinal wäre als Papst. Denn während es nur einen Papst gibt, gibt es mehrere Kardinäle.» Es stimme zwar, dass er ein sehr breites Wissen habe, was die Volksmusik anbelange. Und ja, er habe in seinem Leben einiges erreicht und ein grosses Publikum gehabt. Dennoch: «Ein Papst bin ich keiner.»
Immerhin: Mit rund 560 moderierten Sendungen in Radio und Fernsehen hat der kernige Innerschweizer ein grosses Publikum für sich gewonnen. Allein zur Erstausstrahlung des «Grand Prix der Volksmusik» anno 1986 haben sich vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 20 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernsehkästen versammelt. Zusammen mit dem Österreicher Karl Moik (1938 – 2015) und der Deutschen Carolin Reiber (85) hat Sepp Trütsch diese so erfolgreiche Gemeinschaftssendung moderiert. Als erste Siegerin des «Grand Prix der Volksmusik» stand am Ende übrigens die Tessinerin Nella Martinetti (mit dem Lied «Bella Musica») fest.
Drogist statt Pfarrer
Sepp Trütsch erblickt im Mai 1949 in Schwyz das Licht der Welt. Sein Vater ist «Drämmler» bei der damals noch existierenden Strassenbahn Schwyz, die von Schwyz über Seewen und Ingenbohl nach Brunnen führte. Er habe eine «sehr, sehr schöne» Kindheit verbracht, erinnert sich Trütsch. Auch sei er ein «sehr, sehr guter» Schüler gewesen, sodass er nach seiner ordentlichen Schulzeit das «Kollegi», also die Kantonsschule Kollegium «Maria Hilf», hat besuchen können.
Ursprünglich habe man von ihm erwartet, dass er Pfarrer werden würde. Doch weil er dazu hätte Griechisch büffeln müssen («was mich ehrlich gesagt angeschissen hat»), wird daraus nichts. Zu einem Schlüsselerlebnis wird ein Praktikum in den Sommerferien, wo er in einer Schwyzer Drogerie Drogistenluft schnuppern kann.
Nun weiss er, was er werden möchte. In einer Drogerie in Arth-Goldau kann er eine Lehre beginnen. Dazu sagt Sepp Trütsch: «Das Zusammenmischen von Kräutern hat mich damals sehr fasziniert.» Nach der Lehre heuert er in einer Apotheke in Hasle-Rüegsau an; ebenfalls engagiert er sich im pharmazeutisch-medizinischen Dienst.
Per Zufall zu den Medien
Schon damals habe er Freude an der Volksmusik gehabt, berichtet Sepp Trütsch. Doch erst dank seiner Apotheker-Stelle im Emmental kommt er in Kontakt mit Jodelklubs, unter anderem jenem in Hasle-Rüegsau und in Bern. Dort, in der Bundesstadt, wird er anno 1979 vom Dirigenten Ruedi Marbacher entdeckt, der gleichzeitig bei Radio DRS als Leiter des Ressorts Volksmusik tätig ist.
Zuerst als freier Mitarbeiter, dann als Redaktor und Moderator steht er bei Radio SRF und bald beim Schweizer Fernsehen im Einsatz. Von 1984 bis 1987 amtet er zusätzlich als Redaktionsleiter Folklore. Trütsch präsentiert die Sendungen «Musig-Plausch», «Fyraabig» und «Wie die Alten sungen». Zudem gehört er zu den treibenden Kräften bei der Lancierung des «Grand Prix der Volksmusik».
Vom Moderator zum Gastronom
Nach seinem Abgang bei SF DRS übernehmen Ida und Sepp Trütsch 2008 als Hoteliers das Schwyzer Traditionshaus «Wysses Rössli». Zudem engagiert er sich bei einem Unternehmen, das im Bereich Events und Musik aktiv ist. Neben seinen Gastronomie-Tätigkeiten organisiert er volkstümliche Veranstaltungen und musikalische Kreuzfahrten. Und er veröffentlicht diverse Tonträger, Bücher und Spiele.
Seit seiner schweren Darmtumor-Erkrankung im Jahr 2010 ist es um den einstigen «Hansdampf» Sepp Trütsch ruhiger geworden. Heute erfreut sich der beliebte 77-Jährige wieder einer recht guten Gesundheit. Allerdings: «Ich realisiere schon, dass ich älter werde», konstatiert er bei unserem Besuch in Brunnen im Kanton Schwyz. «Ich gehe wenn immer möglich täglich spazieren und einmal pro Woche golfen.»
Das Musikgeschehen verfolgt er noch immer mit Interesse. Und: «Meine Frau tanzt ‹usinnig› gerne. Ich nicht, aber ich opfere mich …», sagt er mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht.
Trütsch pflegt nach wie vor seine Freundschaften und reist gerne. Er ist Mitglied der Männerbundgesellschaft «Schlaraffia», diverser Weinbruderschaften, der «Luzerner 100-Kilogramm-Zunft» (obwohl er nur noch etwas mehr als die Hälfte dieses Gewichts auf die Waage bringt) sowie der «Chaine des Rotisseurs». Nein, langweilig werde es ihm so nicht.
Ende Juni ans «Eidgenössische»
Doch, das Eidgenössische Jodlerfest in Basel werde er besuchen, verrät Sepp Trütsch. Allerdings nicht als Aktiver, nur als Zuschauer. «In meinem Alter habe ich die Stimme nicht mehr und ich kann meine Ansprüche an mich selber nicht mehr einlösen», erklärt Trütsch, der im Jahr 2019 den Ehren-Prix-Walo erhalten hat.
Er werde aber in Basel wohl kein weisses Hemd anziehen, scherzt er. Auf die Frage weshalb, antwortet er und lacht: «S chlopfed der all uf d Schultere und säge, es isch denn schon o huereguet gsi früener …» Übersetzt heisst das etwa: Weil so viele ihm mutmasslich auf die Schultern klopfen werden, könnte das weisse Hemd wohl rasch nicht mehr so blütenweiss sein ...
«Was könnte oder sollte man tun, um die Volksmusik in der Schweiz wieder etwas populärer zu machen? Braucht es wieder eine Volksmusiksendung?», wollen wir von Sepp Trütsch wissen. «Es ist einfach nicht gut, dass man die Volksmusik in der Schweiz derart an den Rand drängt», antwortet er. Deshalb braucht es wieder eine entsprechende Sendung. «Es ist wurst, wie man sie betitelt, aber machen sollte man sie. Denn es gibt so viele Menschen in der Schweiz, die Freude haben an der Volksmusik.»
Drei Tage voller Volksmusik
rob./vs. Unter dem Motto «Stadt und Land mitenand» treten am Eidgenössischen Jodlerfest (EJF) vom 26. bis 28. Juni in Basel rund 12 000 Aktive in Trachten aus der ganzen Schweiz in den Sparten Jodelgesang, Alphornblasen und Fahnenschwingen auf. Am Rheinknie werden zudem um die 200 000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Laut dem ehemaligen Basler Regierungsrat und OK-Präsidenten Carlo Conti hat der Grossanlass «die Dimensionen der Basler Fasnacht». Die Festivitäten konzentrieren sich zur Hauptsache auf den Petersplatz. Dort entsteht ein grosses «Jodlerdorf» mitten in der Stadt. Entlang des Petersgrabens lockt die «Jodler-Meile» mit Festständen, hinzu kommt ein «Jodlerberg» in den Altstadtgassen, die vom Petersgraben bis hinunter zum Marktplatz führen. Insgesamt soll es über 100 Festbeizen und Stände geben, in denen Aktive und Festbesuchende bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam feiern können. Aus der ganzen Schweiz werden viele Jodlerklubs, Alphornspielerinnen und Alphornspieler sowie Fahnenschwingerinnen und -schwinger nach Basel reisen. Neben dem geselligen Teil sind für die Aktiven die rund 1200 Bewertungsvorträge in den Sparten Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen zentral. Sie finden in Kirchen, Konzertsälen und Schulanlagen der Basler Innenstadt statt. Vor der Jury treten die Aktiven in Gruppen, einzeln oder in Kleinformationen an.
Der offizielle Festakt des 32. Eidgenössischen Jodlerfestes wird am Sonntagmorgen auf dem Basler Marktplatz vor dem Rathaus stattfinden. Geboten wird ein musikalisches Programm mit zahlreichen Gruppen und Solistinnen und Solisten. Besonders eindrücklich dürften die Gesamtaufführungen werden, wenn aus vielen Hundert Kehlen und Alphörnern gleichzeitig Lieder und Klänge ertönen.
Den Abschluss bildet der farbenfrohe Festumzug am Sonntagnachmittag. Nach Angaben der Organisatoren von gestern ziehen rund 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in über 80 Gruppen mit traditionellen Sujets mitten durch Basel – vom Münsterplatz durch die Freie Strasse über den Marktplatz und die Rheinbrücke bis zum Messeplatz.
Für die Durchführung in Basel rechnet das Organisationskomitee mit einem Budget von 5 Millionen Franken. Die Wertschöpfung, die das EJF für Basel-Stadt mit sich bringt, schätzen die Verantwortlichen auf 15 bis 20 Millionen Franken. Am Grossanlass sollen gegen 700 freiwillige Helferinnen und Helfer mitarbeiten. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider wird das Fest als Vertreterin der Landesregierung besuchen.
Der Zutritt zum Festgelände ist frei. Die Organisatoren rufen die Besucherinnen und Besucher jedoch dazu auf, als Sympathiebekundung wie die Aktiven das offizielle Festabzeichen zu tragen. Diese sogenannte «Jodlerfest-Blaggedde» kostet 10 Franken. Einen Eintritt benötigt man für den Besuch der Jury-Vorträge in den zehn Vortragslokalen.
Schon das allererste Eidgenössische Jodlerfest anno 1924 fand in Basel statt. Ursprünglich hätte der Anlass bereits im Jahr 2020 wieder in Basel stattfinden sollen, konnte wegen der Pandemie aber weder in jenem Jahr noch 2021 durchgeführt werden. Für das Jahr 2026 erhielt Basel erneut den Zuschlag.
In den besten Zeiten gab es in Basel rund 20 Jodelklubs. Oft sind diese von Zugezogenen gegründet worden, die für die Arbeit aus Berg- und Landregionen in die Stadt gezogen waren. Heute sind allerdings im Nordwestschweizerischen Jodlerverband nur noch zwei Jodlergruppen im Kantonsgebiet von Basel-Stadt registriert. Mit dem Festmotto «Stadt und Land mitenand» wollen die Organisatoren deshalb zur Annäherung der urbanen an die volkstümliche Welt beitragen.
In der Aufzählung der teilnehmenden Formationen aus dem Oberbaselbiet ging in der «Volksstimme» vom Dienstag, 2. Juni, der Jodlerklub Spitzeflüeli Waldenburg vergessen. Auch er ist am Eidgenössischen Jodlerfest dabei und tritt am Samstag, 27. Juni, im Basler Münster auf.
Weitere Informationen auf www.jodlerfestbasel.ch



