Vier Gemeinden spannen zusammen
19.05.2026 GemeindenSozialhilfe soll neuerdings gemeinsam organisiert werden
Buckten, Häfelfingen, Känerkinden und Rümlingen wollen einen regionalen Sozialdienst mit Sitz in Buckten gründen. Damit reagieren sie auf steigende Anforderungen sowie komplexer werdende Sozialhilfe- und ...
Sozialhilfe soll neuerdings gemeinsam organisiert werden
Buckten, Häfelfingen, Känerkinden und Rümlingen wollen einen regionalen Sozialdienst mit Sitz in Buckten gründen. Damit reagieren sie auf steigende Anforderungen sowie komplexer werdende Sozialhilfe- und Asylfälle. Nun entscheiden die Einwohner.
Janis Erne
Im oberen Homburgertal soll die Sozialhilfe regional organisiert werden. Die Gemeinden Buckten, Häfelfingen, Känerkinden und Rümlingen planen die Schaffung eines gemeinsamen Sozialdienstes. Hintergrund sind steigende Anforderungen, zunehmende Fallkomplexität sowie die Schwierigkeit kleiner Dörfer, die Sozialhilfe im Milizsystem sicherzustellen.
Seit dem vergangenen Jahr laufen entsprechende Vorbereitungen. Ziel sei es, «eine professionelle, effiziente und zukunftsfähige Sozialarbeit sicherzustellen sowie die gesetzlichen Vorgaben nachhaltig zu erfüllen», heisst es in den Unterlagen der Rümlinger Gemeindeversammlung. Die Bevölkerung der beteiligten Dörfer entscheidet im Mai und Juni über die Zusammenarbeit.
Die Idee sei nicht allein in Buckten entstanden, sagt Gemeinderat Thomas Lauber. Vielmehr habe sich das Projekt «aus gemeinsamen Gesprächen der beteiligten Gemeinden und Sozialhilfebehörden» entwickelt. Buckten habe dabei die Koordination übernommen sowie Sitzungen und Abklärungen organisiert.
Lauber verweist auf die wachsenden Anforderungen im Sozialbereich. Die Fallführungen würden komplexer, gleichzeitig nehme auch der Druck von kantonaler Seite zu. «Für kleinere Gemeinden wird es zunehmend schwieriger, diese Aufgaben langfristig im bisherigen Milizsystem zu erfüllen», erklärt er. Insbesondere Themen wie Qualitätssicherung, Datenschutz, Digitalisierung und Stellvertretungen seien anspruchsvoller geworden.
Der regionale Sozialdienst soll unter dem Namen «Sozialdienst Oberes Homburgertal» geführt werden. Sitz des Dienstes wäre gemäss Vertragsunterlagen Buckten. Dort soll auch die operative Arbeit erledigt werden. Gleichzeitig wird festgehalten, dass bei Bedarf weiterhin Sprechstunden in den angeschlossenen Gemeinden möglich bleiben.
Die strategische Verantwortung würde jedoch weiterhin bei den einzelnen Sozialhilfebehörden verbleiben. So hält der Vertragsentwurf fest, dass die Beschlussfassung über Unterstützungsleistungen weiterhin durch die jeweilige Sozialhilfebehörde erfolgt, während der regionale Sozialdienst die operative Umsetzung übernimmt.
Lauber betont, dass trotz Professionalisierung die Nähe zur Bevölkerung erhalten bleiben solle. Mit dem regionalen Sozialdienst könnten Fachwissen gebündelt, Stellvertretungen sichergestellt und professionelle Strukturen geschaffen werden. «Gleichzeitig soll eine möglichst bürgernahe Betreuung gewährleistet bleiben.»
Geplant ist gemäss den Unterlagen ein Gesamtpensum von 160 Stellenprozenten. Vorgesehen sind 80 Prozent Sozialarbeit, verteilt auf zwei Mitarbeitende, dazu je 40 Prozent für Administration und Rechnungswesen. Die Anstellung des Personals würde über die Leitgemeinde Buckten erfolgen. Die vier Gemeinden, die zusammen knapp 2000 Einwohnerinnen und Einwohner haben, gehen derzeit von rund 50 Sozialhilfe-Fällen im gemeinsamen Verbund aus.
Zwei Abwesende
Der Sozialdienst wäre für die Fallführung, Beratung und Betreuung zuständig. Dazu gehören unter anderem Abklärungen, Integrationsplanung, die Vorbereitung der Geschäfte für die Sozialhilfebehörden sowie die administrative Führung der Dossiers und die Klientenbuchhaltung. Auch eine digitale Fachapplikation soll gemeinsam genutzt werden.
Die Finanzierung soll über zwei Komponenten erfolgen: Einerseits ist ein Sockelbeitrag pro Einwohner vorgesehen, andererseits eine Verrechnung nach Anzahl Dossiers. Hinzu kommen einmalige Investitionskosten, insbesondere für Hard- und Software. Die Zusammenarbeit ist zunächst auf unbestimmte Zeit vorgesehen. Der Vertrag könnte erstmals per Ende 2028 gekündigt werden.
Nicht alle Gemeinden des oberen Homburgertals wollen sich allerdings bereits jetzt beteiligen. Wittinsburg war laut Lauber von Beginn an in die Gespräche eingebunden und nahm auch an Sitzungen teil. Die Gemeinde arbeite jedoch mit einem externen Anbieter zusammen und prüfe die Situation deshalb separat. Ein späterer Beitritt bleibe grundsätzlich möglich. Auch Läufelfingen war Teil der Projektgruppe. Der Gemeinderat habe sich jedoch vorläufig gegen einen Beitritt ausgesprochen, sagt Thomas Lauber.
Kommt der Verbund zustande, wäre das ein weiterer Schritt zu mehr Zusammenarbeit unter Oberbaselbieter Gemeinden. Im Laufental gibt es bereits einen gemeinsamen Sozialdienst: Er besteht gar aus neun Gemeinden.
