Warum nicht? Mein Teamkollege und ich entschieden uns spontan ins französische Amnéville zu fahren. Wir wollten in der Ski-Halle herausfinden, wo wir stehen. Für mich war dabei eine Frage besonders spannend: Schafft mein linker Arm die schnellen Ausgleichsbewegungen schon wieder? ...
Warum nicht? Mein Teamkollege und ich entschieden uns spontan ins französische Amnéville zu fahren. Wir wollten in der Ski-Halle herausfinden, wo wir stehen. Für mich war dabei eine Frage besonders spannend: Schafft mein linker Arm die schnellen Ausgleichsbewegungen schon wieder? Genau diese brauche ich, um auf dem Snowboard mein Gleichgewicht zu halten.
Schon das Packen forderte mich heraus. Als ich die neuen Kleider in der Hand hielt – schliesslich hatte der Arzt die alten nach dem Unfall zerschneiden müssen – wurde mir richtig übel. Eigentlich dachte ich, ich hätte den Unfall gut verarbeitet. Und doch ist offenbar noch etwas da. Puh, wie wird es wohl auf dem Schnee gehen?
Die Anreise und der erste Schritt auf den Schnee lösten in mir erstaunlicherweise nichts aus. Meine Gedanken waren ganz klar, ich wusste, welche Informationen ich brauche, um weiterarbeiten zu können. Vermutlich hat genau das geholfen. Tatsächlich, es funktionierte. Was für eine Erleichterung! Das Aufstehen über den linken Arm ist noch nicht gut möglich und er wird noch sehr schnell müde. Aber er machte die Ausgleichsbewegungen von alleine, ohne dass ich sie bewusst ansteuern musste. Perfekt!
So viele Monate stand ich nicht mehr auf dem Snowboard. Und plötzlich war es wieder da, dieses Feuer in mir. Erfrischend und gleichzeitig sehr vertraut. Ich bin auf dem richtigen Weg.
Neben der harten Arbeit für mein Snowboard-Comeback möchte ich mich im Thema Ausbildung weiterentwickeln. Das bedeutet nicht, dass ich an mein Karriereende denke. Ganz im Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass noch eine spannende Zeit als Sportlerin vor mir liegt. Gleichzeitig möchte ich meine Möglichkeiten für die Zukunft erweitern. Deshalb habe ich mich entschieden, eine Ausbildung im Behindertensport zu starten. Es war interessant, mehr über andere Behinderungsformen zu lernen, in die Selbsterfahrung zu gehen und den eigenen Horizont zu erweitern. Ein praktischer Teil und weitere Module werden folgen. Unabhängig von den Voraussetzungen, Sport verbindet. Und vielleicht kann auch ich dazu in Zukunft einen Beitrag leisten.
Zurück und nach vorne zu schauen – beides hilft dabei, in der Gegenwart einen klaren Plan zu haben. Genau das mache ich auch am 11. September. Im Jakobshof werde ich auf die vergangene Saison zurückblicken, von meiner Zeit nach dem Unfall sowie den verpassten Paralympics erzählen und darüber sprechen, welche Pläne ich habe. Ich freue mich jetzt schon auf viele schöne Begegnungen.
Romy Tschopp
Vom Rollstuhl aufs Snowboard: Die Sissacherin Romy Tschopp (1993) ist die erste Schweizer Para-Snowboarderin, die an Paralympischen Spielen teilnehmen konnte. Sie wurde 2023 Vizeweltmeisterin im Snowboardcross.