Unbelastet, beharrlich und mit gutem Körpergefühl
23.04.2025 SportErst vor knapp zwei Jahren kam der Lupsinger Simon Waldmeier zum Bogenschiessen. Im März dieses Jahres gewann er Silber an der Ü50-Schweizer-Meisterschaft. Als beste Qualität von Waldmeier nennt sein Trainer die gute Koordinationsfähigkeit.
Alan ...
Erst vor knapp zwei Jahren kam der Lupsinger Simon Waldmeier zum Bogenschiessen. Im März dieses Jahres gewann er Silber an der Ü50-Schweizer-Meisterschaft. Als beste Qualität von Waldmeier nennt sein Trainer die gute Koordinationsfähigkeit.
Alan Heckel
Den Bogenschiessplatz Oristal kennt Simon Waldmeier bestens: «Ich habe in der Nähe meine Lehre als Elektriker gemacht», verrät der 52-Jährige. Auch danach kam der Lupsinger immer wieder an diesem Ort vorbei, weil er bis vor sieben Jahren als Leutnant bei der Feuerwehr Liestal amtete. Dass er in Neunuglar allerdings einmal regelmässig als Bogenschütze am Werk sein würde, hätte er sich bis vor Kurzem nicht einmal träumen lassen, geschweige denn, dass er an den Schweizer Meisterschaften teilnehmen würde.
Aufgewachsen und mittlerweile wieder wohnhaft in Lupsingen war Waldmeier als Kind nicht sonderlich sportbegeistert, auch wenn er ein paar Jahre lang Tischtennis beim lokalen Turnverein spielte. Allerdings hatte der Hobbymusiker, der bei der Dorfmusik Lupsingen Saxofon spielt, stets Freude an der Bewegung, war früher beruflich viel im Wald und ist häufig mit dem E-Bike unterwegs.
Vor rund zwei Jahren war der Oberbaselbieter auf der Suche nach einer Sportart, die ihn fit hält. Nach einiger Überlegung grenzte er seine Auswahl auf zwei Optionen ein: Curling und Bogenschiessen. Aus praktischen Gründen entschied er sich für Letzteres. «Curling ist ein Teamsport. Man hat fixe Trainingszeiten und muss sich nach anderen richten», erklärt Simon Waldmeier und nennt den Standort des Bogenschiessplatzes als weiteren Vorteil: «Hier kann ich mit dem Velo hin.»
Der ehemalige Jungschütze besuchte ein Probetraining und fand sofort Gefallen an Pfeil und Bogen. Vor allem der mentale Aspekt hat es ihm angetan: «Ich muss abschalten können. Wenn ich mit den Gedanken im Geschäft bin, treffe ich nichts», erklärt der Projektleiter Entrauchung bei einer Brandschutzfirma, der – bei nur einem Training pro Woche – schnell grosse Fortschritte machte. Der beste Anfänger des Probetrainings wurde in seiner ersten Saison auch zum «Newcomer of the Year» bei den Bogenschützen beider Basel (BSBB) ernannt und war derjenige im Verein, dessen Werte die grösste Steigerung aufwiesen. «Beat wollte mich schon damals an die Schweizer Meisterschaft schicken», sagt Waldmeier und lacht.
Der angesprochene Beat heisst mit Nachnamen Vollenweider, ist Präsident der BSBB und gemeinsam mit Claudio Dioguardi Waldmeiers Trainer. Auf die Qualitäten seines «Ü50-Rookies» angesprochen, nennt Vollenweider, der übrigens 31 Medaillen an Schweizer Meisterschaften gewonnen hat, als erstes dessen Koordinationsfähigkeiten. Dazu sei dieser sehr aufmerksam und interessiert. «Wenn man Simon korrigiert, kann er das schnell umsetzen.» Weitere Pluspunkte des Lupsingers sind seine Beharrlichkeit und sein gutes Körpergefühl. «Man muss merken, weshalb der Pfeil dort gelandet ist, wo er gelandet ist – und Simon merkt das!» In dieser Sportart entscheiden nämlich die kleinsten Details, eine minimale Änderung der Hand- oder Bogenhaltung gibt den Ausschlag über Weiterkommen oder Ausscheiden.
«Einfach die Mitte treffen»
Den Pfeil ins Ziel zu bringen, ist ziemlich kompliziert. «Es sieht einfach aus, doch es müssen mindestens 20 Dinge gleichzeitig beachtet werden», weiss Waldmeier. Vom Visier über den Sehnenschatten bis hin zur Armhaltung müsse alles stimmen. Zwar sei der Bogen relativ leicht, doch ein Zuggewicht von 32 Pfund gehe ganz schön an die Substanz, zumal bei einem Wettkampf an die 100 Pfeile verschossen würden. «Dabei meinten meine Kinder, Bogenschiessen sei eigentlich kein Sport», schmunzelt der zweifache Familienvater, der allerdings keine zusätzlichen Krafttrainings machen muss. «Ich bin so gebaut, dass ich das nicht brauche.»
Bei seinem allerersten Turnier in Frick wurde der Rechtshänder Siebter, beim nächsten landete er bereits auf Rang 2. Klar, dass die Schweizer Meisterschaft schnell einmal zum Thema wurde. Im März dieses Jahres ging der Baselbieter schliesslich bei der Indoor-Schweizer-Meisterschaft in Magglingen an den Start und begann im Vorfeld, die Trainingsintensität zu erhöhen. Nun war er zwei- bis dreimal wöchentlich auf dem Schiessplatz, um sich optimal vorzubereiten. Die Zusatzschichten lohnten sich, denn der Neuling überzeugte mit einer äusserst konstanten Performance. Die Qualifikation für den Achtelfinal in der Kategorie Herren Ü50 Recurve erreichte er souverän und präsentierte sich auch in den K.o.- Duellen nervenstark und zielsicher. Erst im Final wurde er vom Berner Routinier Alex Winterleitner geschlagen.
«Ich wusste, dass es Simon unter die ersten drei schaffen kann», sagt Vollenweider und bezeichnet es als Vorteil, dass die Konkurrenz Waldmeier nicht wirklich kannte. Als ausschlaggebend für den Erfolg nennt der Trainer die Tatsache, dass bei seinem Schützling die Tagesform und die mentale Stärke gestimmt haben. «Simon ist unbelastet in den Wettkampf gegangen, er braucht keinen Mentaltrainer.»
Nach Silber bei den Indoor-Meisterschaften gilt es, den Erfolg an den Outdoor-Meisterschaften im Sommer im «Wankdorf» zu wiederholen. Dort ist die Zielscheibe nicht 18, sondern 60 Meter entfernt. Allzu viele Gedanken macht sich Waldmeier allerdings nicht darüber. «Ich muss einfach die Mitte treffen», grinst er mit der für ihn typischen Coolness.


