Unauffälliger Bau mit inneren Werten
03.11.2026 SissachReges Interesse am Tag der offenen Tür
Die neue Dreifachsporthalle sei ein Bau für Generationen, hiess es am Tag der offenen Tür. Die Besucher fanden am Neubau mehrheitlich Gefallen. Für die weitere Entwicklung des Schulareals zeichnet sich eine Kurskorrektur ab.
...Reges Interesse am Tag der offenen Tür
Die neue Dreifachsporthalle sei ein Bau für Generationen, hiess es am Tag der offenen Tür. Die Besucher fanden am Neubau mehrheitlich Gefallen. Für die weitere Entwicklung des Schulareals zeichnet sich eine Kurskorrektur ab.
Christian Horisberger
«Von aussen wirkt das Gebäude unauffällig.» «Ich bin überrascht, wie viel Tageslicht in die Halle gelangt.» «Ich frage mich, warum es für Zuschauer nur zwei Sitzreihen gibt.» So oder ähnlich äusserten sich Sissacherinnen und Sissacher am Tag der offenen Tür der neuen Dreifachsporthalle. Sie wollten sehen, wofür die Gemeinde mehr als 17 Millionen Franken Steuergeld ausgegeben hat.
Unter den Gästen waren auffallend viele ehemalige Gemeinderatsmitglieder und Gemeindeangestellte. So auch der pensionierte Gemeindeverwalter Godi Heinimann. Ihm gefällt die Kombination von Beton und Holz. Zudem lobt er die dezente äussere Erscheinung des Gebäudes. Alt Gemeinderat Paul Bieri sieht dies völlig anders. Er hätte sich vorstellen können, die zusätzlich benötigten Räume der Primarschule in einem weiteren Geschoss über der Turnhalle zu platzieren. Für Koni Egg, Ex-Gemeinderat und ETH-Ingenieur, sind die «in der Luft hängenden» Enden der Beton-Dachträger ungewohnt.
Beim pensionierten Primarlehrer Kurt Häring weckt der Neubau eine Erinnerung: Schon im Jahr 1973 habe der kantonale Turninspektor die damalige untere Primarturnhalle für den Schulsportbetrieb für nicht tauglich befunden … Mit einem Augenzwinkern erzählt Häring, er habe die Gemeinde aufgefordert, dem Landesmuseum ein Pissoir aus dem Altbau zu übergeben: Denn die Toiletten seien seit dem Bau der Halle im Jahr 1938 nie erneuert worden, womit sie von historischem Wert seien. Das Augenzwinkern gilt dem Landesmuseum, nicht den WCs. Diese befänden sich tatsächlich nach wie vor im Originalzustand.
Zurückhaltung als Trumpf
Gemeindepräsident Peter Buser, der das Projekt über weite Strecken begleitet hatte, erinnert sich an die Jurierung der Wettbewerbseingaben: «Beim ersten Blick auf das Projekt von Penzel Valier dachte ich, es würde den Wettbewerb niemals gewinnen, weil es von aussen zu unspektakulär ist.» Doch gerade die zurückhaltende Architektur gab den Ausschlag: Das Gebäude fügt sich gut in die Umgebung ein. «Man muss die Halle geradezu suchen, und sogar von der Sissacher Fluh aus sieht man sie kaum», so Buser.
Offenbar ist die Halle leichter zu hören als zu sehen: Seit der Inbetriebnahme der Sportanlage gab es bereits mehrfach Beschwerden über Lärm am späten Abend. Dies bestätigte Gemeindepräsident Buser auf Anfrage. Er hält fest, dass der Sportbetrieb um 22 Uhr ende und ab 22.30 Uhr Nachtruhe gelte. Damit sei der vom Sportbetrieb ausgehende Lärm tolerierbar.
Die Bevölkerung nutzte die Gelegenheit zur Besichtigung rege. Dazu trugen auch Darbietungen und Informationsstände der Vereine bei, die in der Sporthalle ein neues Domizil gefunden haben: Riegen des Turnvereins, der Unihockeyclub «Wild Dogs», der Boxclub, das Altersturnen von «Vita Suisse» und der chinesische Tanzverein. Auf dem Allwetterplatz auf der Halle animierte der SV Sissach die Gäste zum Torwandschiessen, die «Frogs» warteten mit einer Baseball-Wurfanlage auf und bei den Feldschützen konnte man mit dem Luftgewehr schiessen.
Insbesondere für den Boxclub ist die Halle C als das neue Trainingslokal gegenüber der Primarturnhalle im Keller ein Gewinn: Mit dem Umzug habe sich die Trainingsfläche fast verdoppelt, sagt Cheftrainer Adriano Sansone. Er sei der Gemeinde dankbar für die weiterhin kostenlose Trainingsmöglichkeit und sehe darin auch eine Anerkennung seines Vereins. «Wir haben alle Vereine und ihre Bedürfnisse in die Planung der Halle einbezogen», erklärt dazu der Gemeindepräsident. Der Boxclub habe auf eigene Kosten zwei Boxringe und mehrere Boxsäcke angeschafft. Die Voraussetzungen für deren Verankerung habe hingegen die Gemeinde geschaffen. Die Befestigung für die Boxsäcke war gemäss Buser aufgrund der Hebelwirkung eine Herausforderung. Umso erfreulicher war es, dass am Samstag an den Boxsäcken und in einem Ring trainiert werden konnte.
Beim Schulhaus wird abgespeckt
Gemeinderat David Foggetta, der die Verantwortung fürs Sporthallenprojekt in der Endphase von Peter Buser übernommen hat, spricht von einem Projekt für mehrere Generationen. Dieses habe in Bezug auf Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit Massstäbe gesetzt: «Wir haben es besser gemacht als bei der Kunsteisbahn.»
Er hält aber auch fest, dass der Neubau für die Primarschule überdimensioniert sei: «Zwei Hallen hätten auch gereicht.» Bei der dritten Etappe des Masterplans «Schulareal Dorf» werde man sparsamer sein müssen. Das Ende 2024 vorgestellte Siegerprojekt für die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses werde in dieser Form kaum umgesetzt, erklärt Foggetta. So werde die Aula, die das Projekt in der alten Turnhalle vorsieht, kaum realisiert. Doch enthalte das Projekt sehr gute Lösungen und sei architektonisch gelungen. «Für unseren Bedarf ist es aber ebenfalls überdimensioniert.»
Laut Foggetta hat der Gemeinderat beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die den Schulraumbedarf überprüfen soll. Zudem sei zu klären, ob die schulergänzenden Tagesstrukturen im Schulhaus Dorf am richtigen Standort seien, wenn im Schulhaus Bützenen mehr Klassen untergebracht seien. Die Arbeitsgruppe solle in den kommenden Monaten aktiv werden, sagt der für den Hochbau verantwortliche Gemeinderat. Voraussichtlich 2028 werde der Gemeinderat einen Projektierungskredit vor die Gemeindeversammlung bringen.



