Tunnel wird geschützt – Böckten bleibt im Stau
24.09.2026 BöcktenZum Artikel «Keine neuen Strassen gegen den Stau» in der «Volksstimme» vom 18. September, Seite 5. Siehe auch Seite 2 und 16 unserer heutigen Ausgabe.
Die Antwort des Regierungsrats auf die beiden Vorstösse im Landrat zur Verkehrssituation im Oberbaselbiet ist ...
Zum Artikel «Keine neuen Strassen gegen den Stau» in der «Volksstimme» vom 18. September, Seite 5. Siehe auch Seite 2 und 16 unserer heutigen Ausgabe.
Die Antwort des Regierungsrats auf die beiden Vorstösse im Landrat zur Verkehrssituation im Oberbaselbiet ist aus Sicht der Gemeinde Böckten unbefriedigend. Die Regierung erkennt die Engpässe zwar richtig, zieht daraus aber zu wenig Konsequenzen. Ihre Massnahmen konzentrieren sich darauf, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Stau im Chienbergtunnel zu verhindern. Der Stau verschwindet dadurch jedoch nicht: Er wird vor den Tunnel und damit teilweise in die umliegenden Gemeinden verlagert. Für Böckten bleibt das eigentliche Problem ungelöst.
Rund 18 000 Fahrzeuge verkehren werktags auf der Achse zwischen Sissach und Gelterkinden. Der Regierungsrat hält selbst fest, dass die Ortsdurchfahrten von Böckten und Gelterkinden ausserordentlich stark belastet sind. Ebenso benennt er die entscheidenden Schwachstellen: den Kreisel Sissach West, den Doppelkreisel beim Ostportal und den Roseneckkreisel in Gelterkinden.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung des oberen Ergolztals stimmt uns diese Ausgangslage zusätzlich nachdenklich. In den talaufwärts gelegenen Gemeinden wird weiterhin gebaut und zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Diese Entwicklung ist grundsätzlich legitim und im Regionalen Entwicklungskonzept Oberbaselbiet, kurz REK, auch vorgesehen. Sie muss jedoch mit einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur einhergehen. Wenn bereits das heutige Verkehrsaufkommen regelmässig zu Stau durch Böckten führt, stellt sich umso dringlicher die Frage, wie der zusätzliche Verkehr künftig bewältigt werden soll.
Begrenzte Wirkung
Die vorgeschlagenen Massnahmen werden dieser Ausgangslage nicht gerecht. Die zusätzliche Fahrspur beim Westportal kann den Verkehrsfluss in Richtung Gelterkinden verbessern und verhindern, dass sich der Verkehr im Tunnel staut. Für die Gegenrichtung und damit für den morgendlichen Rückstau durch Böckten bringt sie jedoch keine erkennbare Entlastung. Aber auch in Fahrtrichtung Gelterkinden bleibt die Wirkung begrenzt, solange der Roseneckkreisel nicht leistungsfähiger wird. Der Regierungsrat bezeichnet ihn selbst als den leistungsbestimmenden Knoten in Gelterkinden. Gleichzeitig stellt er dort keine wirksame Verbesserung des Verkehrsflusses in Aussicht. Damit bleibt ausgerechnet beim entscheidenden Engpass eine wesentliche Lücke: Wenn das Verkehrssystem nur so gut funktioniert wie sein schwächstes Element, kann dieses nicht auf später verschoben werden, während die Vorstösse bereits als erfüllt abgeschrieben werden sollen.
Besonders störend ist für mich, wie der Regierungsrat das REK zur Begründung für die Abschreibung der beiden Vorstösse heranzieht. Als Vorstandsmitglied des Vereins Region Oberbaselbiet war ich an dessen Erarbeitung beteiligt. Das REK ist ein breit abgestütztes strategisches Zukunftsbild für unsere Region. Es verbindet die Entwicklung von Siedlung, Landschaft, Wirtschaft und Verkehr und setzt bewusst auch auf den öffentlichen Verkehr sowie auf bessere Fuss- und Veloverbindungen.
Das REK ist aber keine detaillierte Machbarkeitsstudie für die Entlastung von Böck- ten. Es weist selbst auf die ausserordentlich hohe Belastung der Ortsdurchfahrt und auf die sich weiter zuspitzenden Engpässe zwischen Sissach und Gelterkinden hin. Zudem verlangt es, dass der verbleibende Strassenverkehr verträglicher und flüssiger gestaltet und die Belastung auf dieser Achse reduziert wird.
Ein strategischer Orientierungsrahmen ersetzt weder den Nachweis der Wirksamkeit konkreter Massnahmen noch eine ernsthafte Prüfung der verfügbaren Alternativen. Der Regierungsrat überdehnt deshalb die Funktion des REK, wenn er dessen Existenz als Beleg dafür verwendet, dass die Forderungen der Vorstösse erfüllt seien.
Alle Varianten prüfen
Dabei geht es nicht darum, vorschnell eine grossflächige Umfahrungsstrasse zu verlangen. Auch neue Strassen lösen Verkehrsprobleme nicht automatisch. Die Bevölkerung darf aber erwarten, dass alle ernsthaften Varianten sachlich geprüft und die vorgesehenen Massnahmen an ihrer tatsächlichen Entlastungswirkung gemessen werden. Bevor die Vorstösse abgeschrieben werden, braucht es klare Ant- worten: Wie wird der Rückstau durch Böckten in beiden Fahrtrichtungen wirksam reduziert? Welche konkrete Lösung ist für den Roseneckkreisel vorgesehen? Und wann spürt die Bevölkerung entlang der Kantonsstrasse tatsächlich eine Verbesserung?
Ein sicherer Chienbergtunnel ist wichtig. Es genügt aber nicht, den Verkehrsfluss im Tunnel sicherzustellen, indem der Stau davor und damit in den umliegenden Gemeinden aufgefangen wird. Das Problem ist erst gelöst, wenn auch die betroffene Bevölkerung wirksam entlastet wird.
Stephan Jung, Gemeindepräsident von Böckten und Vorstandsmitglied des Vereins Region Oberbaselbiet

