Trost: Chance auf Königsehren Schiessen
03.07.2026 Sport, Weitere Sportarten
Adrian Schaub kann WM-Titel nicht verteidigen
Aufgrund der angepassten Strategie des nationalen Verbands darf Adrian Schaub nicht zur Verteidigung seines WM-Titels antreten. Daher steht beim Zunzger Pistolenschützen am Sonntag mit dem Königsausstich am ...
Adrian Schaub kann WM-Titel nicht verteidigen
Aufgrund der angepassten Strategie des nationalen Verbands darf Adrian Schaub nicht zur Verteidigung seines WM-Titels antreten. Daher steht beim Zunzger Pistolenschützen am Sonntag mit dem Königsausstich am «Eidgenössischen» das Jahreshighlight an.
Sebastian Wirz
«Was ist der Unterschied zwischen einer olympischen und einer nichtolympischen Disziplin?», fragt Adrian Schaub rhetorisch. «Es sind nur die Olympischen Spiele alle vier Jahre», antwortet der Schütze selber. «Ich kann in den anderen Disziplinen Europameister werden, kann Weltmeister werden. Das gibt es alles. Und ich kann sagen: Ich habe in diesem Bereich in den vergangenen Jahren schöne Erfolge feiern können.» Der Zunzger untertreibt, während er im Pistolenstand seines Schiessvereins Zunzgen Tenniken steht und seine Situation erläutert. Wie immer drückt er sich zurückhaltend aus, nicht wütend oder zu direkt kritisch. Aber es ist zu spüren, dass ihn das Thema nervt.
Es geht um die Ausrichtung des nationalen Verbands. Dieser will einen Schwerpunkt auf das olympische Schnellfeuer legen. Es gibt in dieser Disziplin eine Ausbildungsoffensive sowie ein neues Wettkampfformat – und «Swiss Shooting» habe Schaub nahegelegt, in dieses Kader zu wechseln. «Nahegelegt» bedeutet, dass Schaub die Unterstützung entzogen worden sei, an internationalen Titelkämpfen in seinen angestammten Disziplinen teilzunehmen, so der Oberbaselbieter. Und das wiederum bedeutet: Der Weltmeister im Programm Standardpistole kann nicht zur Titelverteidigung antreten.
An der Spitze ist die Luft dünn
Im November hat der 28-Jährige in diesem in der Schweiz Standard genannten Wettkampf den grössten Erfolg seiner bisherigen Karriere realisiert. Bei diesem Programm werden mit der Sportpistole zuerst in einem Präzisionsteil 4 Serien à 5 Schuss in je 150 Sekunden abgegeben. Danach geht es weiter mit 4 Serien à 5 Schuss in je 20 Sekunden und zum Schluss mit 4 Serien à 5 Schuss in 20 Sekunden. Ein Athlet, 60 Schüsse, eine Scheibe.
Das Programm unterscheidet sich stark vom olympischen Schnellfeuer. Beim Standardwettkampf wird die Präzisionsscheibe verwendet, beim olympischen Schnellfeuer die Schnellfeuerscheibe, bei der die Zehn etwas grösser ist. In dieser Disziplin werden innerhalb von sehr kurzer Seriendauer jeweils am Stück fünf Schüsse auf fünf nebeneinanderstehende Scheiben abgegeben. Ein Athlet, 60 Schüsse, aber fünf Scheiben. Pro Serie einmal Arm heben, feuern und rotieren sowie Arm senken. In dieser Disziplin, die mit einer sehr ähnlichen Pistole desselben Kalibers, aber mit einem anderen, etwas leichteren Verschluss absolviert wird, war mit Sandro Loetscher vor einigen Jahren ein anderer Oberbaselbieter international erfolgreich.
Adrian Schaub behagt die Disziplin nicht besonders. Natürlich gäbe es Qualitäten, die bei allen Pistolen-Disziplinen entscheidend sind. Jedoch liegen die Stärken von Schaub in den nichtolympischen Disziplinen, bei denen er seit zehn Jahren international mithalten und Erfolge feiern kann.
In allen Disziplinen sind die Wettkämpfe unglaublich eng. Eine verpatzte Serie kostet schnell den Sieg oder einen Platz auf dem Treppchen. Jeder einzelne Schuss ist von Bedeutung. So holte Schaub bei seinem Titelgewinn im Programm Standardpistole im Herbst mit fast perfekten letzten zehn Schüssen sechs Punkte auf die Konkurrenz auf, die sich noch heute darüber ärgern dürfte, bei ein, zwei Schüssen in der entscheidenden Phase nachgelassen zu haben. Doch zum Titel reichte es gegenüber dem am Ende – nach 60 Schüssen – punktgleichen Zweitplatzierten nur, weil Schaub mehr sogenannte Innenzehner, also perfekte Zentrumstreffer, vorzuweisen hatte.
Besser als der olympische «Bruder» liegt Schaub der Wettkampf mit der Zentralfeuerpistole, der demjenigen mit der Sportpistole vom Ablauf her stärker ähnelt, wenn es sich auch um ein grösseres Kaliber und eine an sich ganz andere Pistole handelt: Hier wurde Schaub 2022 Europameister. Und auch hier setzte sich Schaub nur wegen der höheren Anzahl Innenzehner auf den Gold-Thron. Die Entscheidungen fallen oft hauchdünn. Details entscheiden.
«Die Erfolge zeigen, dass ich im nichtolympischen Bereich gute Fortschritte gemacht habe», sagt Schaub mit einigem Understatement, «warum sollte ich das aufgeben – nur für einen Wettkampf alle vier Jahre?» Er hat dem Verband und dem olympischen Schnellfeuer entsprechend eine Absage erteilt. Der Schütze lebt aktuell damit, dass er die internationalen Wettkämpfe nicht absolvieren kann, auch wenn er nicht versteht, weshalb ihm bei seinem Palmarès die Unterstützung entzogen worden ist.
Nur alle fünf Jahre Könige
Gelegen kommt Schaub in dieser Phase ohne Europa- und Weltmeisterschaft, dass 2026 national ein besonderes Jahr ist: In Chur hat er mit den Kollegen vom SV Zunzgen Tenniken am Eidgenössischen Schützenfest teilgenommen und zahlreiche Programme geschossen. «Ich gebe dem Verein, der so viel für mich getan hat und tut, mit der Teilnahme gerne etwas zurück», sagt der Strassenbauer und Spitzensport-Soldat. Die guten Resultate, die Schaub erzielt hat, geben ihm die Möglichkeit, trotz allem um einen prestigeträchtigen Titel zu schiessen: Statt um den Weltmeister- geht es um den Königstitel mit der Sportpistole auf 25 Meter.
Schaub hat in der Qualifikation 818,500 Punkte erzielt und damit Stand Redaktionsschluss gestern Rang 5 belegt. Bis heute Abend kann zwar noch geschossen werden, aber es ist nicht vorstellbar, dass sich noch 26 Schützen vor dem Oberbaselbieter einreihen und er hinter Rang 30 zurückfällt, der bei den Pistolenschützen zum Königsausstich berechtigt. Dort wird am Sonntag zuerst erneut eine Qualifikation geschossen, ehe es im Final der Besten der Besten um den Königstitel geht. Dieser ist gar noch seltener zu erringen als olympisches Edelmetall – nur alle fünf Jahre.
Fünf Oberbaselbieter dürfen auf Königsausstich hoffen
wis. Der Veranstalter des Eidgenössischen Schützenfestes legt jeweils fest, in welchen Disziplinen Könige gekürt werden. In Chur finden über 300 Meter (Gewehr, drei Kategorien), 50 Meter (Gewehr) und 25 Meter (Pistole) jeweils Königsausstiche statt. Eingeladen werden die Schützen, die eine bestimmte Kombination von Schiessprogrammen, sogenannten Stichen, mit den besten Resultaten absolviert haben.
Die Königsausstiche werden am Sonntag entschieden, die Qualifikation läuft noch bis heute Freitag am Abend. Qualifizierte können die Einladung auch ausschlagen, wie es Roger Itin, Schützenkönig 300 Meter von 2021, im Interview mit der «Volksstimme» angekündigt hat.
Fünf Oberbaselbieter dürfen gemäss Qualifikationsrangliste (Stand Redaktionsschluss) mit einer Einladung rechnen: Gewehr 300 Meter, Kategorie Sport (45 Teilnehmende im Königsausstich): Rang 34: Roger Itin (1968, SG Sissach 1822) 788,550 Punkte.
Gewehr 300 Meter, Kategorie Ordonnanz E (45 Teilnehmende im Königsausstich): Rang 21: Thierry Thommen (2005, SG Hemmiken) 756,400 Punkte.
Pistole 25 Meter (30 Teilnehmende im Königsausstich): Rang 4: Philipp Wild (1980, SV Lausen) 819,500 Punkte; Rang 5: Adrian Schaub (1997, SV Zunzgen-Tenniken) 818,500 Punkte; Rang 17: Florian Plattner (1995, SV Lausen) 812,500 Punkte.
